Mit dem Biber in Alfdorf Katz und Maus spielen

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Der Biber, der in einem Schacht am Leinecksee gefangen war, konnte nach einem Check beim Tierarzt wieder zurück an die Lein.
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Biber sorgen im Leintal öfters für überschwemmte Wiesen. Das macht sie bei Landwirten wenig beliebt, weil die in der Regel mit den Dämmen der streng geschützeten Tiere leben müssen.

Alfdorf

Einen  Biber zu Gesicht zu bekommen, ist etwas Besonderes, sagen die, die mit den Tieren zu tun haben. So war der Biber, der kürzlich in einem Schacht am Leinecksee bei Alfdorf feststeckte und am hellichten Tag von der Feuerwehr befreit werden musste, eher die Ausnahme. Denn eigentlich sind die Nagetiere nachtaktiv. Und gern gesehen sind sie – und vor allem ihre Bauten - längst nicht bei jedem.

Von einem „mehr oder weniger friedlichen Miteinander“ entlang der Lein spricht Bernd Stäb, Bauhofleiter des Wasserverbands Kocher-Lein. So gehöre das Vorbecken am Leinecksee den Bibern. Keine Kompromisse gab’s dagegen an der Strübelmühle. Dort hatte ein Biber an der Messstelle des Wasserverbands einen Damm gebaut, sodass diese keine zuverlässigen Daten mehr geliefert hat. „Da geht der Hochwassserschutz vor“, sagt Stäb. Allerdings war dazu eine Genehmigung des Regierungspräsidiums nötig, denn Biber sind streng geschützt. So können Stäb und seine Mitarbeiter dem Biber am Täferroter Hochwasserrückhaltebecken nur hinterherräumen. Wöchentliche Kontrollen sind dort nötig, denn „der Biber fällt um das Becken herum die ganzen Bäume“. Stäb findet es toll wie, der Biber die Landschaft gestaltet. Andererseits bereitet das Tier ihm „unheimlich viel Arbeit“.

Das Verhältnis der Landwirte an Lein und Schwarzer Rot zu den Bibern sei „eher negativ“ sagt Simon Klink. Der Nebenerwerbslandwirt aus Buchengehren verfügt über 5 Hektar Wiesen an der Lein. Das dort gemachte Heu verkauft er als Futter. Wenn nicht gerade ein Biber die Wiese unter Wasser setzt. Etwa ein halber Hektar seines Grundes sei davon betroffen. Steht das Gras zu nass, werde es sauer und könne nicht mehr verfüttert werden. Auch von Bibern gefällte Bäume machen die Bewirtschaftung schwer. Außerdem bauen die Tiere Gänge  in den Boden, auf dem dadurch instabilen Untergrund könnten landwirtschaftliche Maschinen Schaden nehmen. „Ein Katz- und Mausspiel“ bleibe es, sich mit Bibern das Gelände zu teilen, da hilft auch die Rücksprache mit dem Biber-Beauftragten nicht. So durfte Klink zwar einmal einen Damm entfernen, weil der Biber darin keine Wohnung hatte. „Dann war eineinhalb Jahre Ruhe.“ Doch vor einem halben Jahr sei ein neuer Biber-Bau soweit gediehen, dass die Wiese überflutet wurde. Im Dezember hat ein Hochwasser diesen Damm mitgerissen. Ein Entwässerungs-Bypass hätte auch eine Lösung sein können, dann habe das Landratsamt festgestellt, dass der Wasserlauf im geschützten Flora-Fauna-Habitat liegt. Naturschutz werde in einem solchen Fall abgewälzt auf die Grundbesitzer. Klink erhofft sich ein Signal von der Politik, er findet, Landwirte sollten einen finanziellen Ausgleich für Biber-Schäden erhalten.

Drei bis vier Biber-Reviere  gebe es an Lein und Schwarzer Rot auf Alfdorfer Gemarkung, schätzt Uwe Hiller, der Biber-Beauftragte des Landratsamtes in Waiblingen.  Pro Revier gehe man von einem Elternpaar, einem Jungtier und einem Tier der nächsten Generation aus. Biber bleiben ihr Leben lang  mit einem Partner zusammen, ältere Jungtiere werden vertrieben. „Erstmal sind wir froh, dass wir Biber haben“, sagt er über  die Tiere, die hier vollständig ausgerottet waren. Denn dort, wo Biber Gewässer aufstauen, entstehen Stillgewässer, die für Vögel und Amphibien wichtig sind. In heißen Sommern können sich Fische in von Bibern aufgestaute  Gumpen zurückziehen. Und an Dämmen wird Stickstoff gefiltert. Außerdem entstehen durch den Verbiss verschiedene Biotoptypen.

Andererseits überschwemmen Biber durch ihre Dämme Gelände und bauen Gräben in Flächen, weil sie ihre Nahrung gern schwimmend erreichen. Schützt ein Damm die Biber-Wohnstätte, dürfe dieser nicht einfach entfernt werden. Bei einem Damm, mittels dem der Biber neue Nahrungsquellen erschließt, könne man den Abbau abwägen. „Aber der kann nach drei Tagen wieder da sein.“ Auch an Drainagen oder Umgehungsbauen versuche ein Biber, dagegen zu arbeiten oder sie zuzubauen. Die Tiere benötigen 70 Zentimeter Wassertiefe, um die Röhre zu ihrer Wohnhöhle bauen zu können. Biber machen sich auch gern über Obstbäume her. Um diese zu schützen, können die Besitzer Drahtzaun vom  ehrenamtlichen Biber-Beauftragten bekommen. Dieser beobachtet Reviere, ist Ansprechpartner für betroffene Grundbesitzer und informiert gegebenenfalls das Landratsamt, sagt Hiller. Auch er bekommt fast nie einen Biber zu Gesicht. Dafür kann er schon am Rauschen eines Baches erkennen, ob da ein Biber seinen Damm gebaut hat.         

Biberdamm an der Fichtenberger Rot.
Von Bibern abgenagte Rinde in einem Biotop bei Pfahlbronn..
Selten bekommt man einen Biber zu Gesicht, dafür bauen die Tiere nachts an Dämmen oder benagen Bäume bis zum Umfallen, um an ihre zarten Äste zu gelangen,
Selten bekommt man einen Biber zu Gesicht, dafür bauen die Tiere nachts an Dämmen oder benagen Bäume bis zum Umfallen, um an ihre zarten Äste zu gelangen,
Selten bekommt man einen Biber zu Gesicht, dafür bauen die Tiere nachts an Dämmen oder benagen Bäume bis zum Umfallen, um an ihre zarten Äste zu gelangen,
Selten bekommt man einen Biber zu Gesicht, dafür bauen die Tiere nachts an Dämmen oder benagen Bäume bis zum Umfallen, um an ihre zarten Äste zu gelangen,
Biber in der Schwarzen Rot.
Biberburg an der Lein.
Von einem Biber gefällter Baum an der Lein.
Von Bibern gefällte Zweige.

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