„Diese Schule ist ein Leseschatz“

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Schirmherrin Claudia Roth (Mitte) gratuliert Waldhausens Rektorin Stephanie Knödler (rechts) und Michaela Sackmann zum Deutschen Lesepreis 2023. Foto: Stiftung Lesen/Radke
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Erster Platz beim Deutschen Lesepreis 2023: Warum die Grundschule Lorch-Waldhausen gewonnen hat und was Rektorin Stephanie Knödler zu dem Preis sagt.

Lorch-Waldhausen

Zusammengekauert, die Fäuste ins Gesicht gepresst: „So habe ich dagesessen, als unsere Kategorie dran war“, erzählt Stephanie Knödler, „alle müssen gedacht haben, dass ich spinne“. Sie richtet sich auf und ihr Gesicht beginnt zu leuchten: „Dann wurde als Zweiter das Gymnasium aus Wittlich genannt und ich konnte nur noch heulen.“ Die Rektorin der Waldhäuser Grundschule hat am Dienstag in Berlin die Auszeichnung für den ersten Platz beim Deutschen Lesepreis 2023 entgegengenommen.

„Herausragende Leseförderung an Schulen 2023“ ist in den eleganten Glasquader eingraviert, darunter ganz groß: „1. Platz Grundschule Lorch-Waldhausen“. Zusammen mit einer schweren Plakette liegt der Preis mitten auf Stephanie Knödlers Schreibtisch. Nominiert waren in dieser einen von fünf Kategorien zehn Schulen. „Wir wussten seit November, dass wir zu den ersten drei Platzierten gehören, durften aber nichts verraten“, erzählt die Rektorin.

Mit „wir“ meint die 40-Jährige die gesamte Schulgemeinschaft, das betont sie: „Dieser Preis geht nicht an mich, sondern an alle Kinder, an die Eltern und das ganze Kollegium.“

Am Dienstag nach Berlin gefahren sind aber Rektorin Knödler und Michaela Sackmann. Die Ehrenamtliche ist seit 2018 für die Lese-Oase der Schule zuständig und betreut die Kinder aller Klassen dort mehrere Stunden in der Woche. „Ich habe mir schon gedacht, dass unser Konzept sehr gut ist, und dass das für den ersten Platz reichen könnte“, sagt die 39-Jährige und schaut lächelnd zu ihrer Chefin: „Als wir dann wirklich als Sieger aufgerufen wurden, war das unfassbar schön, ich bin so stolz.“

In der Laudatio würdigt die zwölfköpfige Jury das ganzheitliche Konzept, mit dem die Schule Lesen fördert. Ein Konzept, „das lebt, sich weiterentwickelt und dadurch immer besser wird“. Die Liste sei schier unendlich und reiche von kleinen täglichen Anstößen bis zum Herzstück, der Lese-Oase. Die Grundschule spreche bei ihren Angeboten liebevoll von Leseschätzen, so die Jury: „Für uns ist die Grundschule Lorch-Waldhausen selbst ein Leseschatz.“

Lorchs Bürgermeisterin gratulierte auch: „Es ist beeindruckend, wie umfassend und durchdacht diese Leseförderung vor Ort bei uns erfolgt“, betont Marita Funk auf Anfrage. Rektorin Knödler erzählt von Arnulf Betzolds Lob. Der Ellwanger Unternehmer sponsort den Preis für die Schulen, saß in der Jury und war bei der Verleihung dabei. „Bei uns begeistere ihn, dass es nichts gibt, was es bei uns nicht gibt.“

2000 Euro Preisgeld

Gemeint sei zum einen, dass Lesen in der Schule überall sichtbar ist. Etwa durch die gefüllten Koffer der „Buchreise“ oder die Lesemuscheln in der Aula. Dazu kommen Lesenachmittage, Vorlese-Wettbewerbe, Lesen auf der Picknickdecke im Garten und natürlich die Stunden in der Lese-Oase. „Neu ist die Lese-Lounge“, sagt Knödler und zeigt auf zwei Ohrensessel vor der Lese-Oase. „Hier entsteht ein gemütlicher Platz zum Schmökern.“

Samuel und Julian finden’s toll und lümmeln hier, mit Büchern in den Händen. Ihre Klassenkameraden haben sich in der Oase verteilt. Die Erstklässler schmökern und blättern, die Atmosphäre ist ruhig und entspannt.

Stephanie Knödler schaut zufrieden herum: „Wir als Schule schaffen die Orte fürs Lesen, die die Kinder mit Leben füllen.“ Gleich werde sie in einer Schulversammlung vom Preis erzählen. „Ich werde den Kindern sagen, dass das ihr Preis ist.“ Und dass sie übers Preisgeld mitentscheiden dürfen. 2000 Euro bekommt die Schule. Ideen gebe es gerade genug: „Das Projekt Lesen geht natürlich weiter.“

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