Durch den alten Kaiserweg verbunden

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Auf der Kaiserstraße im Lorcher Teilort Rattenharz sollen schon die Staufer marschiert sein. Für die Rattenharzer ist die Straße auch aus anderen Gründen wichtig.

Lorch-Rattenharz. Vom alten Kaiserweg ist in Quellen oft die Rede, wenn es um die heutige Durchfahrtstraße in Rattenharz geht. Die Kaiserstraße durchzieht den auf gut 800 Meter langgestreckten Ort - doch dabei bleibt es nicht. Über Breech bis Adelberg lässt sich der Name, teils als Kaisersträßle nachvollziehen. In Wanderkreisen kennt man das Kaisersträßle als Wegebezeichnung bis zum Stuttgarter Rotenberg. „Von Hohenstaufen bis nach Waiblingen“ habe die Route als Verbindung in früheren Zeiten gedient, steht im 2020 erschienenen Buch „Ausflüge in die Lorcher Geschichte“ von Simon M. Haag.

„Eine uralte Höhenstraße“

Eine magere Ausbeute nennt der Lorcher Stadtarchivar die Ergebnisse seiner Recherche. Immerhin hat er aber fünf Quellen aufgetan, die bis ins Jahr 1845 zurückreichen. Die neuste betrifft den Straßennamen konkret: Am 1. Juni 1974 wurde die bisherige Ortsstraße in Rattenharz in Kaiserstraße umbenannt. Womöglich in Anlehnung an die Historie: Denn die „Beschreibung des Oberamts Eßlingen“ von 1845 nennt eine Römerstraße, die von Cannstatt „in schnurgerader Richtung ostwärts“ zieht. „Ihre Fortsetzung im Oberamt Schorndorf soll unter dem Namen Kaiserstraße ihre Richtung gegen Hohenstaufen nehmen.“

1851 schreibt das Oberamt Schorndorf, dass dieser Weg laut einer Volkssage den Hohenstaufen gedient haben soll, um von Staufen nach Waiblingen hin- und herzukommen. „Die Straße war auch in alten Zeiten wahrscheinlich der einzige Weg, auf welchem man sich vom untern Remsthal in das obere und das Filsthal gelangen konnte.“ Und Karl Weller, laut Haag ein Altmeister der württembergischen Landesgeschichte, nennt die Kaiserstraße 1927 „eine uralte Höhenstraße“, die sich in Schwaben am Schurwald entlang ziehe.

Richtig tief in die Geschichte der Straße ist Eberhard Bühler nicht eingestiegen. Dass hier aber der Stauferkaiser geritten sein sollen, weiß der Anwohner. „Ich finde es toll, dass das Kaisersträßle als Rad- und Wanderweg mittlerweile bis Fellbach ausgewiesen ist“, sagt er und verweist auf die Wegsteine, die 2008 entlang der Strecke platziert wurden. Damals stellte der Verband Region Stuttgart zusammen mit 22 Kommunen 60 Steine am Kaisersträßle auf, von Fellbach bis zum Hohenstaufen.

Bühler kennt auch den weiteren Weg in Richtung Osten, über Breech bis nach Adelberg. Fühlt er sich dadurch womöglich eher mit dem Göppinger Raum verbunden? „Nein, das nicht.“ Doch Verbindungen gibt und gab es: „Meine Oma kam aus Börtlingen, und zum Schwimmen sind wir eher nach Adelberg geradelt als runter an den Waldhäuser Badesee.“ Aber das habe nichts mit dem Kaisersträßle an sich zu tun gehabt.

Ein echtes Straßendorf

Für Bühler ist das Besondere an der Kaiserstraße nicht ihr Name, sondern dass der Ort um diese Straße herum entstanden ist. Und bis heute so existiert: „Es gibt zwar drei weitere Stichstraßen“, erzählt er, „den Strutweg, den Pulzhofweg und die Staibengasse“. Doch dort befinden sich nur wenige Häuser, was Rattenharz‘ Charakter als echtes Straßendorf keinen Abbruch tut. Hier gebe es keine Viertel oder Enklaven, die für sich sind. „Durch die eine Straße, die Kaiserstraße, sind alle integriert und miteinander verbunden.“

Für Heinz-Joachim Herzig ist es etwas Besonderes, in der Kaiserstraße zu wohnen. „Die Kaiserstraße in Lorch, das hört sich doch viel städtischer an als Ortsstraße“, meint der Vorsitzende des TSV Rattenharz. Für ihn ist die geschichtliche Bedeutung der Straße interessant. Auch Mesner Martin Greiner weiß, dass „wohl Barbarossa hier marschiert ist“. Viel wichtiger aber ist ihm und Herzig wie auch Eberhard Bühler der Zusammenhalt im Ort. Der sich eben auch über die einzige Straße definiert, an der alle gemeinsam leben.

Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel
Die Kaiserstraße zieht sich durch den Lorcher Teilort Rattenharz . Hier gibt es keine Viertel oder Enklaven - alle Häuser sind quasi durch die Durchgangsstraße miteinander verbunden. ÌFoto: JPS

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