Einsatz für Natur und Umwelt

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Naturparkführer Manfred Krautter.

Der Plüderhäuser Professor Manfred Krautter erhält das Verdienstkreuz des Landes.

Plüderhausen. „Er ist ein wahrer Universal-Gelehrter, nicht nur umfassend gebildet, auch vielseitig interessiert und höchst engagiert auf verschiedenen Gebieten“, sagt Rems-Murr-Landrat Richard Sigel über Manfred Krautter. An diesem Mittwoch erhält der Plüderhäuser Forscher und Naturparkführer das Verdienstkreuz des Landes Baden-Württemberg. Die Auszeichnung soll seinen Einsatz für Natur und Umwelt würdigen.

Wenn Krautter über seine wohl bedeutendste berufliche Leistung spricht, wird er ganz bescheiden: Das sei doch alles sehr speziell, weit weg und im Grunde für Laien gar nicht so interessant. Dabei ist es bemerkenswert, was der 64-Jährige in mehr als 20 Jahren Forschungsarbeit geleistet hat – mündete diese doch in die Gründung eines 2800 Quadratkilometer großen Meeresnationalparks, der womöglich als Unesco-Weltkulturerbe gilt.

Spezialgebiet Kieselschwämme

Es geht um Kieselschwämme, von denen man lange Zeit glaubte, dass sie vor 40 Millionen Jahren ausgestorben seien. Die Kalkfelsen der Schwäbischen Alb sind größtenteils aus diesen fossilen Schwammriffen aufgebaut. Krautter hat über sie geforscht und seine Habilitation dazu verfasst. Mehr als 25 Jahre ist es her, dass ihm dann eine Publikation in die Hände fiel, die ihn elektrisierte. Denn kanadische Forscher lieferten darin eindeutige Beweise, dass es vor der pazifischen Küste des nordamerikanischen Landes noch lebendige Kieselschwämme gibt. „Ich war am Anfang sprachlos“, sagt Krautter, der die Forscher nach Deutschland einlud, um ihnen die weißen Felsen auf der Alb im Donautal zu zeigen. Während des Erdmittelalters erstreckten sich dort und auf einer Länge von 7000 Kilometern quer durch Europa Kieselschwammriffe. Sie waren der größte zusammenhängende Organismus, der davon je auf der Erde existierte. “

Für Krautter begann so eine mehr als zwei Jahrzehnte währende intensive Beschäftigung mit der Meereswelt von Britisch-Kolumbien. Über das Institut für Geologie in Stuttgart, wo er eine Professur hatte, gelang es ihm, Forschungsgelder für die Erkundung zu bekommen. 1999 fand der erste Tauchgang statt. Die Riffe befinden sich 200 Meter tief unter dem Meeresspiegel, zur Erkundung waren U-Boote oder Unter-Wasser-Roboter notwendig. „Wir haben eine unglaubliche Menge an Daten gesammelt und viele Publikationen geschrieben“, sagt der Geologe. Aber nicht nur das: Krautter und seine Mitstreiter leisteten Aufklärungsarbeit. Denn die Schwammriffe sind stark gefährdet durch Schleppnetzfischerei, wie er selbst bei Tauchgängen feststellen konnte.

Sein Engagement hatte Erfolg: Krautter fand vor Ort viele Kooperationspartner. Heute darf dort nicht mehr gefischt werden. Seit dem 17. Februar 2017 gibt es rund um die Kieselschwammriffe ein Meeresschutzgebiet von der Größe des Saarlandes. Beruflich bezeichnet Krautter das als „ein absolutes Highlight“.

Bekannt als Naturparkführer

Bekannt in der Region ist Krautter aber vor allem als Naturparkführer. Er hat den dazugehörigen Verein mitgegründet. Seine Neugier und das Interesse an historischen Mühlen, alten Wald-Gewerben und Handwerkstechniken habe ihn dazu animiert, sagt er. Und so macht der 64-Jährige nicht nur Führungen am Mühlentag, veranstaltet 24-Stunden-Wanderungen oder führt Wandergruppen durch den Naturpark. Er hat auch den Köhlerverein Schwäbischer Wald mitbegründet, weil er diese alte Technik der Glasherstellung so faszinierend findet.

Zusammen mit Walter Hieber hat er noch einiges auf die Beine gestellt: die Premiumwanderwege im Welzheimer Wald etwa, den Weihnachtswanderweg durch den Stadtpark in Welzheim oder den Osterhasenpfad in Murrhardt. Obendrein ist Krautter auch noch Biberberater im Rems-Murr-Kreis. Bekannt ist der Plüderhäuser außerdem auch als geprüfter Pilzsachverständiger. Mathias Ellwanger

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