In Zukunft Pfarrer „in Reichweite“

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Nach 30 Dienstjahren als evangelischer Pfarrer von Hellershof, Rienharz und Welzheim-Nord geht Pfarrer Eberhard Bauer in den Ruhestand.
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Nach 30 Jahren im Pfarramt Hellershof geht der evangelische Geistliche Eberhard Bauer in den Ruhestand.

Alfdorf-Hellersdorf

Idyllisch schmiegt sich das Pfarrhaus zwischen Kindergarten und Kirche. Es scheint, als würde der Sekundenzeiger auf der Uhr in Hellershof etwas langsamer seine Runden auf dem Zifferblatt ziehen. Kinderlachen schallt auf den Platz, die Kleinen spielen im Außenbereich des Kindergartens. Die Kirchturmglocke schlägt acht Uhr. Ein ganz gewöhnlicher Morgen im Sandland.

Doch am 1. August wird sich einiges ändern. Denn dann wird der evangelische Pfarrer Eberhard Bauer nach 30 Jahren seelsorgerischer Tätigkeit am Ort und für den Bereich Welzheim-Nord und Rienharz in den Ruhestand gehen. Am Sonntag, 31. Juli, um 10 Uhr wird er im Gottesdienst durch Dekanin Juliane Baur verabschiedet. „Aber Pfarrer i. R. heißt bei mir nicht Pfarrer im Ruhestand, sondern Pfarrer in Reichweite“, versichert der Geistliche. Schließlich wolle er jüngeren Kollegen im aktiven Dienst dieselbe Möglichkeit geben, die Ältere einst ihm ermöglichten: mit der Familie in Urlaub zu gehen oder mal einen Sonntag frei zu haben. Sprich, er wird bei Bedarf auf der Kanzel stehen.

Im Juli ist es genau 30 Jahre her, dass Bauer als 36-Jähriger mit seiner Frau Renate und drei Kindern ins Pfarrhaus in Hellershof eingezogen ist. Zwei Kinder sind später noch hinzugekommen. „Und es ist schön, dass die ganze Familie immer mitgemacht hat“, ist Eberhard Bauer dankbar.

Er erinnert sich an die Anfänge, als er aus Unterhausen bei Reutlingen herzog und die Pfarrstelle besetzte. „Der Zusammenhalt im Sandland hat mich gleich beeindruckt und tut es auch heute noch“, beschreibt er. Zumal es sich um eine Streusiedlung mit vielen Außengehöften handelt. Unterm Strich kümmerte er sich um 550 Gemeindemitglieder in Hellershof. Dazu gesellten sich noch die im Bezirk Welzheim-Nord und Rienharz. Insgesamt waren es 2100, sagt der Pfarrer.

„Das ist der Ort, an dem ich die längste Zeit meines Lebens verbracht habe“, stellt Bauer fest. Warum er den Beruf einst wählte? „Wegen meines Glaubens an Jesus Christus. Das ist mein Fundament“, erklärt er. Bereits ehrenamtlich engagiert in jungen Jahren, startete er schließlich das Theologiestudium in Berlin. „Damals musste man noch die alten Sprachen, also Griechisch, Hebräisch und Latein lernen.“ Schließlich ging es über Erlangen nach Tübingen. Dort erfolgte das Examen.

30 Jahre - das ist eine ganze Generation Menschen. Bauer bestätigt: „Einstige Konfirmanden haben im Laufe der Zeit ihre Kinder bei mir im  Unterricht gehabt, sind am Taufstein mit ihrem eigenen Nachwuchs gestanden oder ließen diesen konfirmieren.“ Oder hatten bei ihm Religionsunterricht, den heute ihre Kinder besuchen. Was ihm am Hellershof immer gefallen hat: „Man kommt einfach zusammen, man kennt sich. Das geht automatisch.“

Seine Stelle wurde laut Bauer im Mai ausgeschrieben – bislang gibt’s aber noch keine Nachfolge.  Bis es soweit ist, kümmere sich Pfarrer Frank Lutz aus Kaisersbach um die Kirchengemeinde in Hellershof. Derweil wird es dem angehenden Pensionär nicht langweilig. Mit seiner Frau und einer der Töchter zieht er voraussichtlich im September nach Frickenhofen. Die weiteren vier Kinder wohnen ebenfalls in der Region, so ist ein enger Zusammenhalt gegeben. Und wenn ein aktiver Kollege ihn braucht, will er zur Stelle sein. Deshalb heißt bei Bauer i. R. „in Reichweite“.

Hinweis: Dieser Text wurde nachträglich bearbeitet und ergänzt.

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