Mitten im Ort wächst nun Gemüse

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Viel Arbeit steckt im Pilotprojekt „Urban Gardening“ in Lorch-Waldhausen: Mario Fritz, Bürgermeisterin Marita Funk, Alice Deggelmann und Sieghart Dreher (v. l.) freuen sich auf ihre Ernte.

Zehn Ehrenamtliche betreiben hinter der Waldhäuser Grundschule „Urban Gardening“, pflanzen also gemeinsam Gemüse und Obst an. Die Stadt unterstützt das Projekt.

Lorch-Waldhausen

Zarte hellgrüne Spitzen ragen aus dunkler Erde. Alice Deggelmann schaut auf einen beschrifteten Blumentopf am Beet und sagt: „Das sind Zwiebeln.“ Sie dreht sich um: „Da hinten sind Knoblauch und Pastinaken in der Erde, dort wachsen Erdbeeren und dahinter planen wir Tomaten.“ Die 30-Jährige steht zwischen Beeten auf einem umzäunten Gelände hinter der Waldhäuser Grundschule. Hier betreibt eine Gruppe Ehrenamtlicher mit Unterstützung der Stadt seit wenigen Wochen sogenanntes Urban Gardening.

„Es geht ums Gemüseanpflanzen mitten im Ort“, erklärt Sieghart Dreher. Der Waldhäuser habe von der Stadt Andernach in Rheinland-Pfalz gehört. „Dort wächst Gemüse und Obst auf öffentlichem Gelände.“ Der gut vernetzte Leiter des Forums 58Plus sprach Bauhofmitarbeiterin Ilonka Aigner darauf an. „Sie fragte mich, ob es in der Stadt einen Platz dafür gebe“, erzählt Bürgermeisterin Marita Funk, „und mir hat die Idee gleich gefallen“.

Schnell sei man sich einig gewesen, dass der perfekte Platz beim Naschgarten sei, der für die Remstal-Gartenschau 2019 angelegt worden war. „Außerdem wurde hier damals ein Wasseranschluss angebracht“, erklärt Ilona Aigner, „wegen des Golfgreens“. Und das Wasser ist nötig: „Wir kommen momentan jeden Abend zum Gießen her“, bestätigt Mario Fritz. Zusammen mit seiner Freundin Alice Deggelmann stemmt der junge Mann die Organisation hinter dem Gartenprojekt. Er recherchierte und erstellte einen Plan, wer wo was pflanzt. „Der Aufruf der Stadt hat uns auf das Projekt aufmerksam gemacht“, erzählt Fritz. Das Paar habe keinen eigenen Garten, dafür aber große Lust aufs Gärtnern. Und keine Scheu vor harter Arbeit: Fritz und Dreher pflügten und frästen den Boden in Eigenarbeit. Die Fräse dafür kam von der Stadt, erzählt Aigner. Die Fachfrau nennt sich das Bindeglied zwischen dem Projekt und der Stadt, Dreher lobt ihren Einsatz in höchsten Tönen. Er erklärt, dass der Garten von Ehrenamtlichen betrieben werde, die Stadt aber Gelände und Wasser zur Verfügung stelle.

Momentan seien sie zu zehnt. „Zwei aus Rattenharz, drei aus Lorch, der Rest aus Waldhausen.“ Aus Lorch sind Sven und Regina Thamphald dabei. In ihrem Beet wollen sie Spannendes ausprobieren: „Kürbis, Mais und Bohnen, so machen es die Menschen in Peru.“ Die Bohnen klettern am Mais hoch, während der Kürbis mit seinen großen Blättern den Boden feucht hält – „mal sehen, ob das bei uns funktioniert“, sagt Sven Thamphald und freut sich sichtlich auf das Experiment. Noch stehen nur Bambusstangen im Beet, denn das Gemüse dürfe erst nach den Eisheiligen in die Erde, also Mitte Mai. Genauso wie Tomaten, Zucchini oder Paprika. Außerdem kommen Kartoffeln, Rosenkohl, Lauch, Salat und Erbsen in den Boden.

Nicht zuletzt hat die Gruppe einen Birnenbaum gepflanzt. „Einen ‚Stuttgarter Geißhirtle“, präzisiert Dreher. Das sei eine kleine Birne, die gut frisch gepflückt gegessen werden könne. Darf sich denn jedermann bedienen? „Das ist eine gute Frage“, überlegen alle zusammen. Geöffnet sei der Garten trotz Umzäunung für jeden. „Gerade für Familien ist das hier ein toller Schaugarten“, meint Funk. Sie schlägt vor, auch Schulen und Kindergärten hierher einzuladen. „Aber ernten sollen eigentlich diejenigen, die auch die Arbeit hatten.“ Alles werde gerecht aufgeteilt. „Immerhin gießt man abends alle Beete, nicht nur das eigene“, sagt Alice Deggelmann. Die gelernte Botanikerin bringt nützliches Wissen mit, ihre Eltern sind Gemüsebauern. „Trotzdem müssen wir jetzt erst einmal schauen, ob alles so klappt, wie wir uns das vorstellen.“ Auch Funk betont, dass das Ganze ein Pilotprojekt sei. „Wenn es sich bewährt, könnte ich mir auch Hochbeete etwa vor dem Schillerhaus in Lorch vorstellen.“ Um Grün in die Stadt zu bekommen, aber auch um Menschen gezielt in die Innenstadt zu locken.

Gerade für Familien ist das hier ein toller Schaugarten.“

Marita Funk,, Bürgermeisterin

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