Nach fast 130 Jahren ist der Biber zurück

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Vor allem die Gemeinden Alfdorf und Welzheim melden verstärkt Bibernachweise.

Ist der Nager, der aktuell am Welzheimer Ropbachsee aktiv ist, ein Problem für oder eher hilfreich?

Welzheim. In Welzheim am Ropbachsee ist der Biber sehr aktiv. Sind die gefällten Bäume durch die Arbeit des Bibers ein Problem? Das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises gibt Antworten auf diese und weitere Fragen. Der Biber befinde sich erfreulicherweise im Rems-Murr-Kreis wieder in Ansiedlung. Nach fast 130 Jahren kehrt er nun endlich in seinen Lebensraum auf natürliche Weise zurück. Das Umweltschutzamt begrüßt diese Entwicklung. Vor allem die Gemeinden Alfdorf und Welzheim zeigen verstärkt Bibernachweise auf.

Der Biber ist ein hervorragender Landschaftsarchitekt und Biotopgestalter. Durch seine „Biotoparbeit“ schafft er Strukturreichtum in der Landschaft, die wiederum direkt die Artenvielfalt fördert. Indem er Dämme baut, bezweckt er einen erhöhten Wasserstand, um den Eingang seines Baus unter Wasser liegend zu schützen. Dieser Damm kann dabei Konflikte auslösen wie zum Beispiel die Vernässung landwirtschaftlicher Flächen.

Rückkehr des Bibers begrüßt

90 Prozent der Aktivitäten des Bibers finden in einem etwa 20 Meter breiten Uferstreifen statt. Wird die land- und forstwirtschaftliche Nutzung bis an das Gewässer betrieben, werden gemeinsam Lösungen gesucht. Das landesweite Netzwerk an Biberberatern bietet hier ein fachlich erfahrenes Bibermanagement. „Im Rems-Murr-Kreis haben wir bereits sieben Biberberater zur Verfügung, welche vor Ort beraten und versuchen den Biber zu lenken. Diese sollen durch rasche, unbürokratische, fachkompetente und praxisgerechte Beratung biber-bedingte Konflikte vermeiden helfen und bei akuten Problemfällen, mit Unterstützung der Bibermanager des Regierungsbezirks, Lösungsmöglichkeiten erarbeiten“, heißt es seitens des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis. Die Fällungen der Bäume durch den Biber hätten keinen Kahlschlag zufolge, sondern lösen einen vermehrten Stockausschlag der jüngeren Ufergehölze aus. Dies wiederum führt zu einer stärkeren Durchwurzelung der Uferbereiche und schützt vor Erosion.

„Bei Fraßschäden an wichtigen Gehölzen hat sich beispielsweise das Anbringen von Drahthosen bewährt. Bei Behinderung des Wasserabflusses durch Biberdämme können Dammdrainagen ein wertvolles Hilfsmittel sein. Je nach vorliegendem Konflikt können die Biberberater des Landratsamtes und die Bibermanager des Regierungsbezirks Stuttgart mit verschiedenen Maßnahmen weiterhelfen“, heißt es weiter. Vor dem Eingriff des Menschen war der europäische Biber über den gesamten Waldgürtel Eurasiens verbreitet. Durch intensive Nachstellung wurde er weltweit nahezu ausgerottet. „Deshalb zählt der Biber zu den international bedrohten Tierarten und ist durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, sowie nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt“, so Pressesprecherin Martina Keck.

Jörg Hinderberger

Nach fast 130 Jahren ist der Biber auf natürliche Weise am dem Welzheimer Ropbachsee zurückgekehrt.

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