Neue Grabplatten und Schilder gegen das Vergessen

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Das Museum in Welzheim: ein Ort der Erinnerung. Stadt und historischer Verein kümmern sich um die Gedenkstätten.

Keine Gedenkfeier zur Auflösung des KZs in Welzheim - Erinnerungskultur gibt es dennoch.

Welzheim. Der Umgang mit dem lokalen Erbe in der Zeit des Nationalsozialismus in Welzheim hat sich über die Jahrzehnte entwickelt. Bereits in den 1960er-Jahren wurde die Gedenkstätte als Teil des Friedhofs errichtet. Sie geht hervor aus der menschlichen Regung, die Verstorbenen wenigstens mit einem Grabstein auszustatten. Bis in die 1980er-Jahre herrschte in der Frage der Geschehnisse und Personen die übliche Mauer des Schweigens vor – „die Erinnerung war beschämend und bedrückend genug für jeden, der dabei war, da muss man nicht drüber reden“, erklärt Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr.

Zum 19. April 2021 jährte sich die Auflösung des Konzentrationslagers (KZ) Welzheim zum 76. Mal. Jedoch mussten die Gedenkfeiern zum 75. und nun dieses Jahr zum 76. wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

„Vermittlung von Erinnerung ist etwas, das am besten Menschen übernehmen, die von der Sache überzeugt sind“, erläutert Thomas Bernlöhr. Dies sei ein klassisches Ehrenamtsthema. Die NS-Zeit sei als geschichtliches Thema naheliegend für den historischen Verein im Ort. Dort laufe die Vermittlung von Inhalten in Führungen, die Organisation von Veranstaltungen und auch die Vernetzung mit anderen Gedenkstätten als bürgerschaftliches Engagement. „Wer sich interessiert und mitmachen möchte, die Türen stehen offen“, so Bernlöhr.

Zur Erinnerung an diese Zeit gehören in Welzheim Grabplatten. An diesen nage aber seit einigen Jahren der Zahn der Zeit, wie der Bürgermeister erklärt. Die Namen auf den Grabplatten bröselten weg. Deshalb haben sich die Mitarbeiter des Stadtbauamtes eine Lösung überlegt: Edelstahlplatten, auf denen die Namen eingraviert werden. Gleichzeitig würden die weiterhin bestehenden Steinplatten an Ort und Stelle geschützt, berichtet der Welzheimer Bürgermeister.

Neue Beschilderung

Auch der Henkersteinbruch sei bewusst sehr naturnah gehalten, liege mitten im Wald und „darf angesichts der schrecklichen Funktion dieses Ortes bewusst auch etwas verwildern“, so Bernlöhr. Damit zusammen hänge aber die Schwierigkeit, überhaupt den Weg dorthin zu finden. Der Wanderweg ist keine 50 Meter entfernt, aber dazwischen ist die Landesstraße. Jetzt ist eine zusätzliche Beschilderung angebracht worden. „Diese führt dazu, dass ab der Bockseiche jemand, der dorthin möchte, auch hinfindet“, sagt Bernlöhr.

Grundlage der Gedenkarbeit bildet die Dokumentation von Gerd Keller und Graham Wilson über das KZ Welzheim. Gerd Keller hat eine Dokumentation als Examensarbeit 1975 am Ende seines PH-Studiums geschrieben. Graham Wilson hat auf Eigeninitiative recherchiert und seine Dokumentation um 1980 veröffentlicht. Die Gedenkstätte „Alter Friedhof“ entstand 1964/65 mit der Umbettung der 54 Opfer des Gewaltregimes von einer anonymen Grabstätte an den heutigen Standort im Friedhof auf Initiative der Stadt Welzheim und der evangelischen Kirchengemeinde. Die Umbettung wurde vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge durchgeführt. 2015 wurden anlässlich des 70. Jahrestages der Räumung des KZs, in Zusammenarbeit vom historischen Verein und der Stadt Welzheim, die drei Gedenkstätten „Alter Friedhof“, ehemaliges KZ-Gefängnis und KZ-Kommandantur sowie die Hinrichtungsstätte Henkersteinbruch neu gestaltet und mit Gedenk- und Informationstafeln versehen. Jörg Hinderberger

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