Schnelles Internet fürs Beutental kommt von Lorch

+
Das Beutental bekommt schnelles Internet über Lorch, haben Bürgereisterin Marita Funk und Wäschenbeurens Schultes Karl Vesenmaier beschlossen. Mit dabei Wäschenbeurens Gemeindepfleger Steven Hagenlocher (links), Lorchs Stadtbaumeister Achim Waibel (recht
  • schließen

Damit wurde eine Lösung für das Problemgefunden, Außenbereiche mit Breitband zu versorgen.

Lorch/Wäschenbeuren. Der Grenzstein liegt im Gras neben dem Zaun zu Hugo Straubs Garten. „Von da muss man sich eine Linie hierher denken“, sagte der Bewohner der Beutenmühle 16 und zeigte auf den Gehweg vor seinem Anwesen. „Auf der einen Seite liegt Lorch und auf der anderen Wäschenbeuren.“

Genau hier standen kurz darauf die Oberhäupter beider Orte. Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk und Kollege Karl Vesenmaier unterschrieben am Mittwochvormittag eine Vereinbarung, nach der die Gehöfte im Beutental alle von Lorch ans schnelle Internet angebunden werden.

Was sich wie keine große Sache anhört, ist Spiegelbild für ein strukturelles Problem: Wie werden Menschen ans schnelle Internet angebunden, die nicht im Siedlungszentrum, sondern im Außenbereich leben? So habe der Kreis Göppingen zwar ein Ausbaukonzept, erzählte Vesenmaier: „Schaffung von Anschlüssen für 99 Prozent der Bewohner bis zum Jahr 2030.“ Doch ob damit alle Außenbereiche abgedeckt werden können, stünde gar nicht fest. Die topografische Anbindung des Beutentals über Wäscherhof und Lindenbronn wäre schwierig gewesen.

Die Bewohner im Beutental seien deswegen hellhörig geworden und hätten nachgefragt. Denn während der Beutenhof auf Lorcher Gemarkung bereits in Bälde mit der Anbindung ans Breitband rechnen darf – die Klosterstadt plant 2022 den Spatenstich zum Glasfaser-Ausbau in einem Gebiet, zu dem auch die Außenbereiche gehören – hätten sich die drei Gehöfte in der Beutenmühle auf Wäschenbeurens Gemarkung gedulden müssen.

Joachim Rochau lebt hier im Nachbarhaus von Hugo Straub. „Ich betreibe ein Dienstleistungsunternehmen und arbeite international“, erzählte der Anwohner. Auch seine Tochter arbeite von zu Hause aus. „Über das jetzige Internet ginge das gar nicht.“ Stattdessen hat sich Rochau selbst um ein satellitenbasiertes System gekümmert. Dass bald hohe Datengeschwindigkeit bei ihnen angeboten werden, empfinde er als Glücksfall.

Die Grundlage dafür sei auf der Basis einer sehr engen und guten Zusammenarbeit getroffen worden, betonen sowohl Funk als auch Vesenmaier. Beide lassen erkennen, dass ihre Kooperation auch auf der gemeinsamen Zeit im Wäschenbeurer Rathaus gründet. Die 30-Jährige war jahrelang Hauptamtsleiterin der Gemeinde. Man habe „administrative und bürokratische Hindernisse“ aus dem Weg geräumt, die eine solche Lösung üblicherweise leicht verhindern, betonte Vesenmaier.

Lorch grenze an zwei andere Kreise, ergänzte Stadtbaumeister Achim Waibel. Das Problem sei, das jeder Kreis eine eigene Strategie beim Breitbandausbau habe. „Alles wäre einfacher, wäre das ein zentraler Prozess“, bestätigte Marita Funk. Wäschenbeurens Gemeindepfleger Steven Hagenlocher sprach von „unnötigen Parallelstrukturen“, die so geschaffen würden. Waibel nannte dazu die nahe der Beutenmühle vorbeilaufende „Datenautobahn der Telekom“, auf die die Stadt keinen Zugriff habe. „Sonst hätte man da einfach eine kleine Ausfahrt bauen können“, meinte Anwohner Rochau lächelnd.

Was Wäschenbeuren Lorch für die Übernahme der Arbeiten bezahle, wollten Funk und Vesenmaier nicht beziffern. „Das werde noch ausgehandelt“, sagte Lorchs Rathauschefin. Grundsätzlich erhält eine Kommune Fördergelder in Höhe von 90 Prozent der Kosten des Breitbandausbaus. Cornelia Villani

Zurück zur Übersicht: Lorch

WEITERE ARTIKEL

Kommentare