Spenden helfen Menschen in Not

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Viele Straßen in der kroatischen Stadt Petrinja sind gesperrt.

10 650 Euro hat Dr. Magdalena Hefele-Golubic an drei Familien im kroatischen Erdbebengebiet bei Petrinja übergeben. Die Lorcher Ärztin erzählt, wie es den Menschen dort geht.

Lorch

Zwei ältere Frauen stehen vor einem zerstörten Gebäude, beide schwatzen und lachen. „Das war ein kurioser Anblick“, erzählt Magdalena Hefele-Golubic, „dass der Alltag für die Menschen weitergeht, trotz all der Zerstörung um sie herum“. Die Lorcher Hausärztin besuchte mit Mann und Sohn über Ostern ihre Eltern in Kroatien. Und fuhr dabei auch in die Gegend um Petrinja, wo am 29. Dezember ein schweres Erdbeben gewütet hat.

„Die Leute berichten immer noch von täglichen Nachbeben“, sagt die 38-Jährige. Jetzt seien noch mehr Straßen gesperrt als im Januar, als Hefele-Golubic zusammen mit zwei Arzthelferinnen zum ersten Mal vor Ort war. Damals brachten sie gespendete Medikamente und medizinische Ausrüstung mit und verteilten die Waren an Krankenhäuser und Privatleute. Wegen der Not der Menschen beschloss die Ärztin, zu Hause in Lorch eine Spendenaktion anzuregen. „Gezielt für drei Familien, die ich vor Ort kennengelernt habe.“

Große Freude

Über 9000 Euro kamen bis Ende März zusammen, auch dank des Forums 58 Plus, das ein Konto einrichtete und kontinuierlich zu Spenden aufgerufen hatte. „Je 3200 Euro wurde den Familien vor unserer Fahrt überwiesen“, erzählt die Ärztin. Zusätzlich dazu hatte Magdalena Hefele-Golubic für jede Familie je 350 Euro dabei, „die aus dem Spendenkässle aus unserer Praxis stammen“. Die Freude, als die 38-Jährige mit ihrem Mann Alexander vor deren Tür stand, sei riesig gewesen. Snjezana Oroz habe die beiden prompt zum Essen eingeladen. „Der Tisch wurde reich gedeckt, trotz der Not, das war beeindruckende Gastfreundschaft.“ Die dreiköpfige Familie Oroz, sagt Hefele-Golubic weiter, lebe immer noch in einem kleinen, alten Wohncontainer im eigenen Vorgarten. Ihr Haus benötigt eine neue Betondecke, die das Dach tragen soll. Wann und wie die Bauarbeiten vonstattengehen sollen, stehe noch nicht fest. „Und trotz der Not haben sie nun noch einen Freund ihres Sohnes aufgenommen, der sonst auf der Straße gesessen hätte.“

Miroslav Smolkovic und Ivana Josipovic haben zumindest schon einmal einen Plan: „Eine ehrenamtliche Architektin hat ihr Haus begutachtet.“ Das Dach sei in Ordnung, aber alle Wände müssten neu aufgebaut werden. „Insgesamt wird der Wiederaufbau 25 000 Euro kosten“, schätzt Hefele-Golubic. Über das Geld aus Deutschland habe sich das Paar deswegen sehr gefreut. „Sie mussten ihre Hochzeit und die Familienplanung verschieben“, erzählt die Ärztin. Sie wisse von vielen Spenden für die Erdbebenregion, sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. Auf diese Weise bekam die siebenköpfige Familie Prasnjak auch die beiden Wohncontainer, in denen die Eltern mit fünf Kindern jetzt leben. „Tatsächlich kam aber erst kurz vor unserem Besuch jemand vom Land vorbei, um zu fragen, ob die Familie Container oder etwas Anderes brauche.“ Ganz fassungslos sei sie ob dieser Untätigkeit: „Die Regierung schläft leider noch immer.“ Stjepan und Bozica Prasnjak warteten immer noch auf einen Statiker, der ihr Haus begutachten soll.

Glücklicherweise hätten die Medikamente geholfen, die Magdalena Hefele-Golubic im Januar gebracht hatte. „Die Nierenwerte von Franjo Oroz sind stabil.“ Außerdem habe der Familienvater wieder Arbeit gefunden. „Das gibt Hoffnung.“

Überhaupt seien die Menschen in der Lage, ihr Leben weiterzuführen. „Obwohl immer mal wieder die Erde bebt, will niemand von hier weg.“

Mehr Bilder von Magdalena Hefele-Golubic' Kroatien-Reise gibt's online unter www.tagespost.de.

„Die Regierung schläft leider noch immer.“

Magdalena Hefele-Golubic,, Ärztin
Wer durch die Stadt geht, sieht überall zerstörte Häuser.
Die Freude war groß, als Magdalena Hefele-Golubic die Lorcher Spendengelder an Ivana Josipovic übergab. Die Familie hat von den 3550 Euro Steine für den Wiederaufbau ihres Hauses gekauft.
Zerstörung in Petrinja. 
Familien-Dinner in Petrinja. 

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