Der Ort erfrischte auch Mörike

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Gunther Belser präsentiert die Festschrift zum 25-jährigen Betreuen der Schelmenklinge durch die SAV-Ortsgruppe Lorch. Das Schmökern lohnt sich.

Gunther Belser hat eine Festschrift zum 25-jährigen Betreuen der Schelmenklinge durch die SAVler aus Lorch verfasst. Der Saisonstart steht bevor.

Lorch

Ich bin jetzt 81 Jahre alt und wollte die Geschichte vor der Vergessenheit bewahren“, so begründet Gunther Belser von der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins sein Engagement. Was er gut drei Jahre lang gemacht hat? In Archiven gestöbert, alte Zeitungsberichte aufgearbeitet und seine persönlichen Erlebnisse niedergeschrieben. Also alles Wissenswerte rund um die schönen Wasserspiele an der Schelmenklinge gesammelt und dann niedergeschrieben.

Denn es ist nun 25 Jahre her, dass sich Mitglieder der SAV-Ortsgruppe Lorch der Klinge nahe des Götzentals annahmen. Im Laufe der Zeit sorgten sie mit ihrem Einsatz und viel Liebe zum Detail dafür, dass die Schelmenklinge ein Publikumsmagnet zwischen Frühjahr und Herbst geworden ist. Entlang des Bächleins klingen, klappern und läuten mittlerweile 25 Modelle lustig vor sich hin. Was alle Generationen erfreut, die sich dort einfinden.

So brachte der rührige pensionierte Ingenieur etwa in Erfahrung, dass die Schelmenklinge seit 1932 für die Lorcher ein Begriff ist. Warum? Weil es in diesem Jahr zu Streitigkeiten in diesem Fleckchen Erde kam. Man wollte eine Schutzhütte dort bauen. In der Festschrift finden sich alte Urkunden und Zeitungsartikel, die von dieser Streitigkeit berichten. Auch ging Gunther Belser dem Namen der Schelmenklinge auf den Grund. Ursprünglich sei man der Ansicht gewesen, dass in diesem Waldbereich beim Bach Gauner ihr Unwesen trieben. Also Schelme. Allerdings zeigte sich dann, dass der Name eher darauf zurückzuführen ist, dass verstorbene Tiere verscharrt wurden. „Es gibt beispielsweise auch Schelmenacker und ähnliches“, erklärt Belser.

In der Festschrift, die 66 Seiten umfasst und mit vielen Fotografien ausgestattet wurde, wird auch auf den Remstalweg oder den Jubiläumsweg der Königin Irene eingegangen. Und natürlich auf die Wasserspiele, die jedes Jahr aufs Neue frisch geölt und saniert entlang des Bachlaufs installiert werden.

Momentan kommt sogar schweres Gerät, nämlich ein kleiner Bagger, am Bachlauf zum Einsatz. Er bereitet den Weg fürs Wasser, damit dieses ungehindert von Schotter und Geäst ins Tal und durch die Wasserspiele rauschen kann. Erwähnenswert ist, dass der Baggerführer, Wolfgang Staiber, mit viel Fingerspitzengefühl bei der Sache ist. Und Gerhard Fächner von der SAV-Ortsgruppe Waldhausen kümmert sich um die Abfuhr des Unrats. Er besitzt einen schmalen Schlepper, der sich ungehindert auf dem Waldweg bewegen kann. „Hier arbeiten die SAV-Ortsgruppen zusammen“, freut sich Belser. Er ist auch jedes Jahr bei der Putzete dabei, bei der alle Generationen die Schelmenklinge von Ästen und ähnlichem befreien. Die Modelle selbst stehen wieder bereit, spätestens am kommenden Wochenende werden wieder alle an ihrem Platz stehen und mit ihrem Anblick Freude machen.

Übrigens, zwischen 1867 und 1869 lebte Eduard Mörike in Lorch. Auch er kannte die Felsengebilde an der Schelmenklinge und erwähnte sie so in einem Gedicht: „… den allzulang getragenen Schaden, der Stuttgarter Residenzluft wegzubaden …“

Mittlerweile kommen schon die nächsten Generationen zum Staunen, denn die heutigen Eltern marschierten bereits als Kinder entlang der Klinge und den Wasserspielen. Staunten über Glockenspiel und Kugelmühle, freuten sich am Riesenrad oder auch der Gattersäge, die durch das hindurchfließende Wasser angetrieben wird. Oder amüsierten sich über die zwei kämpfenden Ziegenböcke, die durch Wasserkraft immer mit den Köpfen aufeinanderprallen.

Die Zeit bleibt auch für die Schelmenklinge nicht stehen. Vorsitzender Michael Schack informiert darüber, dass man nun auch im Internet und auf sozialen Internetplattformen zu finden ist.

Weitere Informationen gibt's online unter www.schelmenklinge.de.

Ich wollte die Geschichte vor der Vergessenheit bewahren.“

Gunther Belser

66 Seiten, viele

Die Festschrift, die von der Schwäbischen Albverein, Ortsgruppe Lorch, herausgegeben wurde, ist bei Gunther Belser in der Bäderhalde 21 in Lorch erhältlich. Wer nicht SAV-Mitglied ist, wird um eine Schutzgebühr von fünf Euro gebeten. Beim Erstellen der Texte und Sammeln der Dokumente halfen außerdem Miriam Siegfried, Manfred Schramm, Hans und Margret Geiger, Simon M. Haag und Gerhard Dieterle sowie viele Vereinsmitglieder mit Fotos und Beiträgen.

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