Die Freiheit hat es in sich – auch in der Bibel

+
Der Biologe Daniel Engel (l.) und Pfarrer Christof Messerschmidt sprechen im Gottesdienst über das Thema „Freiheit“.
  • schließen

Lorch. Freiheit ist ein großer philosophischer Begriff und ein wichtiger Grundbegriff moderner Demokratien, da sie ein wichtiges Menschenrecht ist. In der menschlichen Ideengeschichte wurde immer wieder neu darum gerungen, was Freiheit ist. Wie schnell sich Menschen auf ihre Freiheit berufen, hat die Corona-Pandemie gezeigt, wenn auch die Forderungen der Querdenker für die Mehrheit nicht nachvollziehbar sind.

Auch in der Bibel spielt die Freiheit eine zentrale Rolle, um die es bei der dritten Dialogpredigt mit dem Biologen Daniel Engel und Pfarrer Christof Messerschmidt ging. In der Predigt am Sonntagvormittag in der Stadtkirche spürten sie der Bedeutung und Tragweite nach.

Daniel Engel fing mit der Religionsfreiheit an. Während es in unseren Gefilden gefühlt nur eines Mausklickes bedarf, um aus der Kirche auszutreten, ist die Religion in anderen Teilen der Welt derart verankert und bestimmt das Leben, dass niemand so einfach ausbrechen kann. Eine freie Religionsausübung sieht für ihn anders aus: „Wenn man so indoktriniert mit einer Religion aufwächst, gibt es dann so etwas wie eine Religionsfreiheit überhaupt?“, fragt er. Und erklärt: Ohne Wahl sei man nicht frei.

Dass Freiheit nicht bedeuten kann, dass man einfach tut, was man will, machte Pfarrer Messerschmidt deutlich. Für Zehntklässler schrieb er ein Zitat an die Tafel: „Tue was du willst, das ist das ganze Gesetz.“ Was sich zunächst verlockend anhöre, kann schnell gefährlich werden, erkennt eine Schülerin, denn wenn jeder mache, was er will, „kann ich dir auch eins auf die Mütze geben, und es wäre in Ordnung“. Als der Religionslehrer erklärt, das Zitat stammt vom Satanisten Aleister Crowley, ist vollends klar, wie gefährlich diese Art der Freiheit ist.

Messerschmidt stellt dem Libertinismus den christlichen Freiheitsbegriff gegenüber: Christus befreie von allem, was einengt, bedrängt, niederhält und knechtet. In der heutigen Welt wird er schnell fündig: „Denn Zwänge sind da“: Leistung müsse in der Schule und am Arbeitsplatz erbracht werden. „Wer dazu gehören will, sollte am besten immer jung sein, gut aussehen, Erfolg haben. Immer erreichbar sein und alle Erwartungen erfüllen.“ Scheitern sei da vorprogrammiert.

Er lässt eine Mutter zu Wort kommen, für die Freiheit bedeutet: „Mal tun, was ich will, nicht nur, was die anderen von mir fordern.“ Messerschmidt folgert, dass in der gegenwärtigen Zeit, die vom Menschen so viel an Kraft, Kreativität und Bereitschaft fordern, Freiheit bitter nötig sei. Der Blick auf Christus zeige, worin die Befreiung liegen kann: „Es geht um Liebe.“ Den Anderen in den Blick nehmen und ihm geben, was er nötig hat. Sich selbst dabei nicht vernachlässigen. Achtsam sein mit der Zeit und den Menschen. Kurzum: „Empfangen und weitergeben. In aller Freiheit.“

Es kann schwierig werden

Dem Pfarrer und seinem Gesprächspartner ist es klar, dass der christliche Glaube für viele Menschen keine große Rolle mehr spielt. In der westlichen Welt gelte heute der Satz, dass die eigene Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit des anderen eingegrenzt wird, erklärt Engel.

Was sich in der Theorie einfach anhört, kann im konkreten Fall schnell zu Normkollisionen führen. Wie schwierig es werden kann, verdeutlichte er am Beispiel einer muslimischen Lehrerin mit Kopftuch. In Baden-Württemberg darf sie es im Unterricht nicht tragen, Nonnen hingegen ist die religiöse Kopfbedeckung erlaubt. Der Grund: Das Kopftuch stehe für die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann. „Was ist aber, wenn die Muslimin dies nicht so sehe? Die Freiheit hat es in sich, das machte dei Dialogpredigt deutlich. Birgit Markert

Zurück zur Übersicht: Stadt Lorch

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare