Eine Licht-Premiere in Waldhausen

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In die Klangwelt des Mittelalters: Im Kloster Lorch sangen sieben Männer in Mönchsgewändern gregorianische Choräle.
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Gregorianische Gesänge im Kloster Lorch, neue Beleuchtung der Kirche in Waldhausen bei der Nacht der offenen Kirchen.

Lorch. Als die sieben gewandeten Männer singend durch das Kirchenschiff des Klosters zogen, war dessen Geschichte spürbar. Kurz zuvor hatte Klosterführer Andreas Weißer den 30 Besuchern noch erzählt, dass die Mönche vor Jahrhunderten zehn bis zwölf Stunden am Tag in der Kirche verbrachten. Und dass die mit der sogenannten Schola beauftragten Brüder die Aufgabe hatten, Texte zu lesen und zu singen. Nun machten die Sänger der „Schola Cantorum Lorchensis“ sichtbar, wie das geheißen haben mag. Unter der Leitung von Bernhard Theinert sangen die sieben Männer im Gewand gregorianische Choräle. Getragen von der besonderen Akustik in der Klosterkirche war das ein besonderes Erlebnis, das vom Publikum andächtig lauschend angenommen wurde. Zusätzlich zur Führung und zum Konzert war die Kirche in dieser dritten Nacht der offenen Kirchen hell angestrahlt worden. Damit sah man das Gebäude mit dem prägnanten Turm von weitem im ganzen Tal.

Ebenfalls ein Blickfang war der Turm der Martin-Luther-Kirche in Waldhausen. Kirchengemeinderat Jakob Seitzer hatte um 19 Uhr die neue Beleuchtung eingeschaltet. Erstmals tauchten die Strahler den Turm von allen Seiten in ein warmweißes Licht. Künftig soll sich das Licht jeden Abend in den Wintermonaten einschalten. Und so lange leuchten, wie sich die dazugehörigen Solarzellen auf dem Kirchendach am jeweiligen Tag aufladen konnten.

Die Idee, den Turm regelmäßig zu beleuchten, sei bei der ersten Nacht der offenen Kirchen 2019 entstanden, erzählte Ulrike Golder. „Damals haben wir bemerkt, dass die Kirche dadurch Ausstrahlung hat“, sagte die Pfarrerin vieldeutig. Der hell erleuchtete Turm wurde bemerkt: „Wie ein Zeichen.“

Im Innern der Kirche verkauften die Mitglieder des Kirchengemeinderats regional hergestelltes Vesper und Getränke. Zum Essen konnten die rund 40 Besucher an Schrannen sitzen, die über die Sitzbänke im Kirchenschiff gelegt worden waren. „Schön, dass Sie Kirche heute besonders erleben“, begrüßte Pfarrerin Golder die Gäste, „nämlich zum Essen, Trinken und Schwätzen“. Tatsächlich schwätzte erstmal niemand. Denn das Trio „Planet B“ zog die Besucher in seinen Bann. Amelie und Luisa Schwarz sowie Emma Knödler trugen mit ihren glasklaren Stimmen und dem tollen Zusammenspiel von Cello und Klavier viel zur Besonderheit des Abends bei. Um 20.21 Uhr läuteten die Glocken, gefolgt von einer Andacht.

Auch in der Lorcher Stadtkirche erklangen die Glocken zu dieser Uhrzeit. „Das hat sich so etabliert“, erklärte Cornelia Gerstetter, „2019 läuteten sie um 20.19 Uhr“. Zusammen mit etwa 30 Besuchern stand die Pfarrerin mit ihrem Kollegen Christof Messerschmidt im sanft beleuchteten Kirchgarten. Ein wunderschöner Hingucker dort war das Labyrinth auf dem Rasen, das mit hunderten Kerzen in kleinen Gläsern nachgebaut war. „Dieses Erlebnis gibt es nur bei der Nacht der offenen Kirchen“, sagte Kirchengemeinderätin Silke Böhnke. Auch deswegen sei die Veranstaltung besonders. „Und weil es einfach schön ist, die Kirche mal so zu erleben“, ergänzte Gerstetter. „Das hat beinahe etwas Mystisches.“ Dazu trug auch Klaus Rothaupt bei, der in der mit Kerzenlicht geschmückten Stadtkirche Orgel spielte. Gerstetter und Messerschmidt rundeten den Abend gelungen ab: Sie lasen Texte und Gedichte von Robert Gernhardt und Hanns Dieter Hüsch vor.

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