Förster Frank Simon: Keiner kennt den Lorcher Staatswald besser

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Lorchs Förster Frank Simon
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Förster Frank Simon wirtschaftet im Lorcher Staatswald nach dem Prinzip des Dauerwalds. Was das bedeutet, erklärt er während eines Spaziergangs entlang des Sportpfads.

Lorch

Nach etwa 150 Metern auf der Lorcher Trimm-Dich-Strecke zeigt Frank Simon nach links. „Hier sieht man das Prinzip des Dauerwalds gut“, sagt der Lorcher Förster, „denn hier wachsen 14 verschiedene Baumarten, die sich alle von allein angesamt haben“. Beherzt schreitet er vom Weg ab und tritt zwischen kleinen, jungen Bäumen und halbhochgewachsenen Exemplaren hindurch. „Das hier ist eine Kiefer, die würde in einem dunklen Altersklassenwald nie aufkommen.“ Die Kiefer sei nämlich eine Lichtbaumart. Und Licht, das gibt es im klassischen Alterswald kaum. Aber im lichten Dauerwald, der Art der Waldbewirtschaftung, die in den Augen von Frank Simon am besten für die Zukunft taugt.

Vor 15 Jahren hat er begonnen, sich unter anderem mit dem Gebiet am Lorcher Sportpfad zu beschäftigen. Damals fand er hier einen einschichtigen Alterswald vor. Das bedeutet, es war ein von Fichten geprägter gleichaltriger Wald, dessen Bäumen in gleicher Höhe auf großer Fläche eng beieinander standen „Ganz nach dem Konzept von vor 300 Jahren, als Holzknappheit herrschte und der Wald auf diese Weise schnell aufgeforstet wurde.“ Ein Alterswald ist dunkel, weil die Bäume ein geschlossenes Kronendach bilden. Dadurch wächst darunter wenig. Und die Bäume bilden ihre Wurzeln unter der Erde in derselben Tiefe aus. „Als die deutschen Sommer noch verregneter waren, war das kein großes Problem“, erklärt Simon und lächelt: „Auch der jetzige nasse Sommer tut dem Wald gut.“

Starke Wasserkonkurrenz

Aber generell sei das Klima wärmer geworden mit längeren Trockenperioden in der Vegetationszeit. Seit 2015 folgten sechs trocken-heiße Sommer aufeinander, da wurde die Misere deutlich: Die Konkurrenz um Wasser in der Wurzelschicht sei bedenklich groß geworden. Die Folge war, dass manche Bäume vertrockneten. Simon sieht im Dauerwald eine Lösung: Denn dabei herrschen unterschiedliche Baumarten verschiedenen Alters vor, die in unterschiedlichen Tiefen wurzeln und sich mit Wasser versorgen. „Also nicht in starker Wasserkonkurrenz zueinanderstehen.“

Deren Kronen befinden sich ebenfalls nicht alle auf dem gleichen Niveau und lassen dadurch Licht für natürlich nachwachsende Jungpflanzen zu. Dadurch befinden sich in jeder Höhe Pflanzen, was mit dem Wechsel von Sonne und Schatten für ein Bestandesklima sorgt, das bodenwarm und kühlfeucht zugleich ist.

Selbst wenn der Altbestand vorzeitig ausfallen sollte, etwa durch Dürre oder Sturm, entstehen nirgends Kahlflächen im Dauerwald. Die Jungbäume aus Naturverjüngung stehen schon bereit, die nächste Waldgeneration zu sichern – mit natürlicher Wurzelbildung und optimalen Entwicklungschancen.

Bäume brauchen immer Licht

Um so einen Dauerwald zu fördern, entnimmt der Förster gezielt Bäume aus einem dichten Wald, um lichte Flecken zu erzeugen. „Dort wachsen dann neue Bäume nach.“ Eben Lichtbaumarten wie Kiefer, Eiche, Birke, Lärche, Aspe oder Vogelbeere. All diese und mehr findet Frank Simon am Rand des Sportpfads. „Die würden hier bei Dunkelheit nie aufkommen.“ Und auch nicht bleiben, denn diese Baumarten brauchen ihr Leben lang Licht. „Diese Lärchen dort“, sagt Simon und zeigt auf etwas größere Bäume, „die berühren sich beinahe schon wieder mit ihren Kronen.“ Die Kronen sind also gewachsen – weil sie mehr Licht bekommen. Denn dort haben Simon und seine Arbeiter vor elf und wiederum vor vier Jahren Bäume herausgeholt, damit die verbleibenden sich besser entwickeln können.

Durchforstungen würden gerade hier am Sportpfad oft kommentiert. „Viele Leute fragen, warum wir Bäume fällen.“ Oder fordern, dass der Wald in Ruhe gelassen werden sollte. „Das ist auch eine Ansicht, die ihre populären Vertreter hat“, sagt Simon und nennt den Buchautor Peter Wohlleben. Der Lorcher Förster Frank Simon hält nichts davon, den Wald sich selbst zu überlassen. Nicht nur wegen der positiven Effekte fürs Waldklima, die ein gesteuerter Dauermischwald bewirke. Ein wichtiger Punkt im deutschen Wald sei ja auch die Holzgewinnung für die Wirtschaft vor Ort.

Prinzip des Dauerwalds

Im Lorcher Staatswald wird seit 2005 nach dem Prinzip des Dauerwalds gehandelt. Karl-Heinz Lieber, Leiter des damals zuständigen Forstamts Gschwend, habe den Anstoß gegeben. Simon selbst laufe annähernd jeden Tag durch den ihm zugeteilten Wald und schätze die Lage der Bäume im aktuellen Pflegeblock ein. „Alle sechs Jahre entscheiden wir für ein Teilstück, wie vorgegangen wird.“ Ob beispielsweise einer Lichtbaumart geholfen wird, indem Bedränger in ihrer Umgebung entfernt werden. Oder ob krummwachsende Exemplare herausgenommen werden. Auf Kahlhiebe wird dabei grundsätzlich verzichtet.

Noch ein Vorteil des Dauerwalds: „Durch das Licht wachsen hier auch Brombeeren“, sagt Simon und zeigt auf die kniehohen Sträucher. Die würden ganzjährig von Rehen gefressen. „Wodurch sie nicht mehr so stark die jungen Triebe beispielsweise der Weißtanne abäsen“, sagt Frank Simon Mehr Bäume könnten sich so gesund entwickeln. Gejagt werden müsse aber trotzdem, betont der Förster, auch das gehöre zum Konzept für einen vitalen und zukunftssicheren Wald, vor allem in der Umbauphase vom Altersklassenwald zum Dauerwald.

Der jetzige nasse Sommer tut dem Wald gut.“

Frank Simon,, Förster
  • Führungen und ein Youtube-Video
  • Frank Simon hat 2019 während der Remstal-Gartenschau begonnen, Führungen durch den Wald anzubieten. Wenn Gruppen Interesse daran haben, können sie ihn unter E-Mail frank.simon@forstbw.de kontaktieren. Gute Einblicke bietet auch sein einstündiger Film „WunderWerk Wald – Ein Jahr im Forstrevier“, dieser kann auf YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=VIFA1pnyA88 angeschaut werden.

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