Lorcher Pfarrer zieht an den Kocher

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Pfarrer Christof Messerschmidt
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Lorchs Pfarrer Christof Messerschmidt erzählt, warum er Lorch verlässt, was er mitnimmt und was für ihn offenbleibt. Von Cornelia Villani

Lorch. Im Oktober wechselt Lorchs Pfarrer Christof Messerschmidt als Dekan nach Schwäbisch Hall. Predigen wird er künftig in der dortigen Kirchengemeinde St. Michael und St. Katharina. In Lorch findet die offizielle Verabschiedung des 52-Jährigen am 11. September statt. 

Wann haben Sie entschieden, sich um die Stelle in Schwäbisch Hall zu bewerben? 

Letzten Sommer habe ich erfahren, dass die Stelle frei wird. Dann habe ich mit meiner Frau darüber gesprochen, ob das eine Option ist. Unser jüngster Sohn macht nämlich erst kommendes Jahr Abitur.

Das heißt, wie lautet der Plan?

Da ich dort wohnen werden muss, ziehe ich ein Jahr allein nach Schwäbisch Hall und pendle zum Wochenende nach Lorch. Meine Frau und unsere Söhne bleiben solange hier.

Fällt Ihnen der Abschied von Lorch schwer?

Ja, Lorch ist eine schöne Stadt, mit tollen Menschen und einer tollen Gemeinde. Wir sind hier schon zuhause. Unsere Kinder sind ganz klar Lorcher, das ist ihre Heimat. 

Was sagen die Beiden dazu?

Sie freuen sich für mich, das auf jeden Fall. Aber es ist schon eine besondere Situation, dass die Eltern aus dem Haus gehen, nicht die Kinder.

Stand die Entscheidung, aus Lorch wegzugehen, schon länger fest?

Als wir 2008 hierherkamen hatten wir vor, solange zu bleiben, bis die Kinder mit der Schule fertig sind. Das war auch immer so kommuniziert worden. Es war also klar, dass ich nicht bis zum Ruhestand bleibe. 

Das Verhältnis zur Stadtverwaltung lief nicht nur harmonisch. War das auch ein Grund?

Nein, das spielte keine Rolle. Konflikte gehören immer dazu, sobald man Verantwortung hat. Ich nehme das nicht persönlich und schlafe gut. Ich finde vielmehr, dass zu unserem Beruf ein Wechsel dazugehört.

Warum?

Weil es mit der Zeit immer schwieriger wird, neue Impulse zu setzen. Und weil eine Gemeinde sich immer bewegen sollte, ist es schon gut, wenn jemand Neues kommt. 

Freuen Sie sich auf Ihre neue Stelle?

Ja, sehr. Als Dekan bin ich Vorgesetzter von Kolleginnen und Kollegen, das ist eine völlig neue Rolle. Auf die ich Lust habe. Außerdem stammen meine Frau und ich aus der Gegend um Schwäbisch Hall. Die Stadt ist einfach toll.

Das heißt, Sie kennen sich schon gut aus im Kirchenbezirk?

Vor meiner Bewerbung habe ich Gespräche geführt, das schon. Ich weiß also, was den Menschen dort auf dem Herzen liegt. Aber Dinge angehen und umsetzen klappt nur im Team. Die Herausforderungen sind aber überall die Gleichen.

Welche sind das?

Wir werden weniger und wir haben weniger Geld. Wir müssen schauen, dass wir dranbleiben, um die Menschen zu erreichen.

Nehmen Sie dafür Ideen aus Lorch mit?

Ja, vor allem Aktionen, die sich bewährt haben. Wie den Whats-App-Adventskalender, der erreicht 600 Leute. Wir brauchen solche Formate, die ganz einfach auf dem Handy rauskommen und gut gemacht sind. Aber auch das Tauffest an der Rems ist ein Erfolg, genauso wie Gottesdienstformate wie am Valentinstag.

Gibt es Projekte hier, die Sie gerne vollendet hätten?

Ja, zum Beispiel die Kirch- und Turmdachsanierung, die im Herbst starten wird. Leider haben wir noch keine Entlastung für die Pfarrstelle im Kita-Bereich gefunden (siehe Kasten). Und dann kommt irgendwann der nächste Pfarrplan. 

Werden Pfarrstellen wegfallen?

Meine wird noch zu 100 Prozent ersetzt. Der Pfarrplan wird aber zu Kürzungen führen, sicher auch in Lorch, da gibt es ja noch Lorch-Süd und Waldhausen.

Wie groß ist die Chance, dass schnell eine Nachfolge für Sie gefunden wird?

Es gibt gerade viele freie Stellen, ich rechne damit, dass es mindestens ein Jahr dauert. Ideen zur Übergangsregelung gibt es, darüber wird gerade entschieden.

20 Stunden in der Woche bringt Pfarrer Christof Messerschmidt für die vier Kindergärten auf, für die die Lorcher Kirchengemeinde als Träger verantwortlich ist. Eine Aufgabe, die die Gemeinde von der Pfarrstelle loslösen möchte. „Wir hätten gerne gehabt, dass eine unserer Leitungskräfte die Aufgabe übernimmt“, sagt Messerschmdit. „Aber der Kirchenbezirk hat uns das nicht genehmigt.“ Weil sich die Gemeinde das laut Bezirk nicht leisten könne. „Die Entscheidung darüber ist vertagt, bis die Finanzströme untersucht sind.“ Für die Ausschreibung der Pfarrstelle sei das schade, sagt Messerschmidt. „Pfarrstellen ohne Kita-Trägerschaft sind attraktiver für Bewerber.“

Übrigens hat sich die Gemeinde diese Möglichkeit überlegt, weil sie zum einen Träger bleiben will, ihr zum anderen aber die Teilnahme an der neuen Kita-Trägerstruktur des Kirchenbezirks zu teuer ist. Sollte dieser die Trägerschaft übernehmen, würde das Lorch 60000 Euro im Jahr kosten. Die Alternative mit der Leitungskraft käme wohl auf 30000 Euro, meint der Pfarrer, „das ist machbar“.

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