Wo Eduard Mörike gerne spazieren ging

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Der Dichter und Pfarrer Eduard Mörike hat während seiner Zeit in Lorch mit seiner Familie auch die Sehenswürdigkeiten der Gegend erkundet.

Zum 146. Todestag des schwäbischen Dichterpfarrers ein Blick in die Briefe und Aufzeichnungen aus dessen kurzen, aber intensiven Lorcher Jahren von 1867 bis 1869. Und ein Wandertipp.

Lorch

Es ist zwar kein runder - aber trotzdem: Am 4. Juni 1875 jährt sich der Todestag von Eduard Mörike zum 146. Mal. Der schwäbische Dichter und Pfarrer lebte für einige Jahre in Lorch. Mit seiner Familie unternahm er Ausflüge in die nähere Umgebung, die allen lange in Erinnerung blieben, wie der Besuch des Klosters Lorch und der Burg Wäscherschloss.

Ohne Frage, Eduard Mörike zählt zu den bekanntesten Einwohnern Lorchs. Auch wenn der schwäbische Dichter, Lehrer und Pfarrer nur kurze Zeit dort lebte: von 1867 bis 1869. Wenige Jahre später, am 4. Juni 1875 starb Eduard Mörike in Stuttgart.

Von dem idyllisch im Remstal gelegenen Kurort und seiner Umgebung hielt Mörike sehr viel: „Wahr aber ist, ich lebe hier, Essen und Trinken abgerechnet, fast nur vom Genuß der Gegend, insonderheit der Luft …“ Das „Bauern-Städtchen“ tat ihm und seiner Frau Margarethe von Speeth gut. Die Töchter des Paares, Fanny und Marie, lebten bei Mörikes Schwester in Stuttgart; das Ehepaar Mörike unternahm mit ihnen Ausflüge, wenn sie zu Besuch waren.

Gemeinsam erkundeten sie die Region, wie die ehrwürdige Anlage des Klosters Lorch oder die eindrucksvollen Mauern des Wäscherschlosses. „Versäume nicht einen Gang auf das Wäscherschlößchen, der Hof ist noch aus der Zeit, ehe die Staufen kaiserlich wurden“, riet Karl Wolff, der Rektor des Katharinenstifts in Stuttgart, seinem Freund Mörike zum Besuch der mittelalterlichen Burganlage. Im August wanderte Mörike daher mit Frau und beiden Töchtern sowie weiteren Ausflüglern zur Burg Wäscherschloss. Ihr Weg führte sie von Lorch durch das Beutental, „ein herrliches, wildes, von 3 Mühlen besetztes Thälchen“. Es ist ein angenehmes Wirtshaus dort, der Wäscherhof, mit der prächtigen Aussicht auf den Rechberg, Stauffen u. s. w.“

Die Familie war vom Ausflugsziel angetan: „Vom Schlößchen konnten wir uns Abends kaum losreißen. Die Kinder, denen man den schuldigen historischen Respekt davor nach Kräften beibrachte (sie hatten theilweis in der Schule schon etwas von den Hohenstauffen gehört) nahmen allerhand Andenken mit.“ Ein besonderes Erinnerungsstück war eine Raubvogelfeder, die „von meiner Kleinen im Gras des Schloßhofs aufgelesen“ wurde.

Dabei handelte es sich vermutlich um die Feder eines Turmfalken: Auch heute finden die heimischen Greifvögel im Hof des Wäscherschlosses ein Zuhause. Jedes Jahr beziehen sie ein Nest unter dem Dachvorsprung und brüten ihren Nachwuchs aus.

Die Ankunft der erwachsenen Vögel lässt sich früh im Jahr beobachten. Die Jungfalken schlüpfen Ende Mai – dann hört man ihre Schreie im Hof der Stauferburg. Im Juni und Juli trainieren die unternehmungslustigen Jungvögel ihre Flugtechnik und nutzen die Mauern und Vorsprünge der Stauferburg als Start- und Landebahnen.

In einem anderen Brief schilderte Mörike einen Familienausflug zum Kloster Lorch: „Inzwischen wurde auch das Lorcher Kloster mehrmals besucht: der dicke (Römer?)-Turm mit seiner Wendeltreppe, deren massive Spindel ein Mann bei weitem nicht umklaftern könnte, bestiegen, die öden Mönchszellen durchgangen, die Kirche ohnehin. An der niedern Ringmauer gegen das Tal sind schmale liebliche Blumengärten.“

Weiter schreibt er: „Wir standen vor dem Klostertor, vierzig Schritt von der uralten Linde, und schauten in die Weite und ins Tal hinab, wo links nach Gmünd die Eisenbahn, mit einer schönen Krümmung um den Berg herum, verschwindet. Hinter unserem Rücken tanzten die Kinder auf dem Grasboden im Schatten der Linde.“

Noch heute eine Wanderroute

Drei auf einen Streich: Kloster Lorch, die Burg Wäscherschloss und der Hohenstaufen lassen sich der Reihe nach auf einer Tagestour erwandern. Die rund 20 Kilometer lange Wanderung startet am Bahnhof Lorch und folgt auf der ganzen Strecke dem Hauptwanderweg 7 des Schwäbischen Albvereins. Dieser ist durchgehend mit „HW 7“ und einem roten Balken auf weißem Grund beschildert. Die letzte Etappe vom Hohenstaufen nach Göppingen kann man auch mit dem Bus zurücklegen. Von der Haltestelle Rathaus/Dorfplatz in Hohenstaufen fährt der Bus 933 an Wochentagen stündlich, am Wochenende und feiertags alle zwei Stunden Richtung Göppingen. Endstation ist der ZOB Göppingen, der in rund 20 Minuten erreicht wird.

Ich lebe fast nur vom Genuß der Gegend.“

Eduard Mörike,, Dichter, Lehrer, Pfarrer

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