Sven Maile baut den Ur-Unimog nach

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Welzheimer baut Ur-Unimog nach

Mit sechs Prototypen aus Schwäbisch Gmünd hat die Geschichte des Unimog einst angefangen - Ein 25-jähriger Welzheimer hat den Ur-Unimog nachgebaut.

Welzheim

Wenn der Vater ein Hobby mit Leidenschaft pflegt, kann ein Sohn entweder begeistert mitmachen - oder das Hobby ablehnen, etwa das Schrauben an alten Fahrzeugen. Sven Maile aus Welzheim hat sich für das Erstere entschieden und nach einer Idee von seinem Vater Hans Maile den Ur-Unimog nachgebaut.

Dafür gab es einen aktuellen Anlass: Vor 75 Jahren war die erste Prüffahrt des Prototyps U 1 in Schwäbisch Gmünd. Sven Maile studiert Maschinenbau in Aalen. Der 25-jährige Maschinenbaustudent war gerade dabei, einen Unimog 411, Baujahr 1957, zu restaurieren, den er und sein Vater mit Motorschaden erworben hatten. Weil zur 75-Jahr-Feier des Unimogs in Schwäbisch Gmünd ein Fahrgestell gesucht wurde und Sven Maile seines gerade so weit fertig hatte, wurde er gefragt, ob er das Fahrzeug für die Veranstaltung nicht herrichten könnte.

Zum Glück waren viele Teile wie Kotflügel und Schild schon von einem anderen Umbau (vor vier Jahren fürs Unimog-Museum) vorhanden und konnten ausgeliehen werden.

Genau genommen ist der Ur-Unimog kein getreuer Nachbau, da der 411 mit einem Dieselmotor ausgestattet ist. Der Ur-Prototyp lief noch mit einem Benzinmotor. Aber im Hinblick darauf, dass alle späteren Modelle mit Dieselmotor betrieben werden, ist diese Abweichung nachvollziehbar. Ein Dieselmotor stand seinerzeit noch nicht zur Verfügung, weil noch die Zulassung fehlte.

Der Unimog wird demnächst wieder zurückgebaut. Sven Maile will den 411 mit Fahrerhaus in den nächsten Wochen und Monaten fertig restaurieren. Da stehen ihm noch einige Arbeiten bevor, unter anderem muss geschweißt werden

Der älteste Unimog-Club

Einen Verein gibt es natürlich auch: Der Unimog-Club Ostalb wurde 1991 im Ostalbkreis gegründet und hat mittlerweile mehr als 200 Mitglieder. „Als ältester unabhängiger und gemeinnütziger Unimog-Club sind wir besonders darauf stolz, dass nicht nur bei den Fahrzeugen sämtliche Facetten vertreten sind, sondern auch bei den Mitgliedern alle Altersklassen anzutreffen sind“, so Hans Maile, amtierender Vorsitzender des eingetragenen Vereins.

Das generationsübergreifende Hobby wird in der Familie Maile gepflegt. Schon bei der Anfahrt Haus der Mailes sind zahlreiche Unimogs zu sehen. Welche, die zugelassen auf der Straße parken, andere auf dem Privatgelände, an denen noch rumgeschraubt wird.

Mit 18 Jahren hat Hans Maile seine Liebe zum Unimog entdeckt. Beruflich kann er seine Begabung in einer Fachfirma für Konstruktionen umsetzen. Sohn Sven durfte schon bald auf dem Schoß mitfahren, war bei Treffen dabei, und mit zwölf Jahren setzte Hans Maile seinen Sohn auf einem Privatgelände eines Freundes der Familie auf den Unimog mit der Aufforderung: Nun fahr mal los.

Der Unimog, den Sven Maile derzeit restauriert, hat eine unklare Vergangenheit, man weiß nicht viel über seine Geschichte. Er war in Frankreich im Einsatz und bei der Übernahme blau lackiert. Unimogs haben ursprünglich ein spezielles Unimog-Grün, das speziell außerhalb des RAL-Farbenstandards liegt. Bei einer Restaurierung wird das Fahrzeug in seine Einzelteile wie Achsen, Getriebe und Motor zerlegt. Die Teile werden vor allem zuerst einmal entrostet und die Karosserie wird frisch lackiert.

Sechs Gmünder Prototypen

Der Prototyp wurde bei Erhard & Söhne entwickelt. Geboren aus der Idee, in der Nachkriegszeit ein Fahrzeug für den landwirtschaftlichen Einsatz zu entwickeln, ist ein Universal-Motor-Gerät entstanden, kurz Unimog. Ursprünglich in der Land- und Forstwirtschaft geschätzt, fand er sehr schnell weitere Einsatzgebiete bei der Kommunal- und Transportwirtschaft, dem Baugewerbe, bei Energieversorgern, beim Brandschutz, bei den Streitkräften und Hilfsorganisationen. Expeditionen werden oftmals mit Unimogs bewältigt. 1945 begann bei der Gold- und Silberwarenfabrik Erhard & Söhne die Entwicklung von sechs Prototypen. Daraus wurden 1948 in Göppingen bei der Maschinenfabrik Gebr. Boehringer 600 gefertigte Exemplare.

Ab 1951 liefen bei Mercedes Benz in Gaggenau in mehr als 50 Jahren in 23 Baureihen über 320 000 Fahrzeuge vom Band, bevor die Produktion des Unimog im Jahr 2002 ins Lkw-Montagewerk in Wörth eingegliedert wurde.

Von ursprünglich 25 PS stieg das Leistungsspektrum bis zu einer serienmäßigen Leistung von 300 PS. Unimogs sind inzwischen in mehr als 160 Ländern auf der ganzen Welt im Einsatz. Eine Erfolgsgeschichte, die nach 75 Jahren noch nicht zu Ende ist.

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