Vom wilden Bewuchs befreit

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Freuen sich auf eine artenreiche Obstbaumwiese: (v.l.) Bürgermeisterin Marita Funk, Verwaltungsmitarbeiterin Nadine Knödler, Zaunbauer Manfred Läpple, Ludwig Kern und Lisa-Kathrin Fächner vom DCG, Landwirt Ernst Feuchter und LEV-Geschäftsführer Ralf Worm.
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Lorch-Waldhausen

Wuchernde Sträucher und hohes Gras machen das Durchkommen schwierig. Jeder Tritt will wohlüberlegt sein. Nach einem kurzen Marsch lichtet sich das Gebüsch, und der Blick richtet sich auf eine große, freie Wiese am Hang. Unterhalb eines Zaunes lärmen Fahrzeuge auf dem früheren Sorma-Areal in der Waldhäuser Mühlstraße. „So sieht das aus, kurz nachdem die Schafe hier geweidet haben“, sagt Ralf Worm und zeigt auf niedriges Gras. „In ein bis zwei Jahren wachsen hier wieder Blumen und mit ihnen kommen die Bienen“, verspricht der Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Ostalbkreis (LEV), „dann nimmt das Spiel der Naturlandschaft wieder seinen Lauf“. Zusammen mit Bürgermeisterin Marita Funk hat Worm am Donnerstag das neue Biodiversitätsprojekt auf der Gemarkung offiziell übergeben.

Ein 1,2 Hektar großes Gebiet im Gewann Steingrubenteilen oberhalb des östlichen Ortsende Waldhausens wurde von wildem Bewuchs befreit und mit einem professionellen Schäferzaun umgeben. Künftig soll die Fläche von den Schafen und Ziegen des örtlichen Landwirts Ernst Feuchter beweidet werden.

Dadurch werde verhindert, dass alles wieder zuwuchert, sagte Worm. „Und die Wiese wird als artenreiche Obstbaumwiese Nahrung und Zuflucht für viele Insekten bieten.“

Auch Nadine Knödler von der Lorcher Verwaltung war auf die Wiese geklettert, sie koordinierte das Projekt. Außerdem erläuterte Zaunbauer Manfred Läpple den schwierigen Aufbau des 6000 Volt starken Elektrozauns, und Landwirt Ernst Feuchter berichtete von seinen Tieren. Nicht zuletzt waren Ludwig Kern und Lisa-Kathrin Fächner vom „Verband Die Christliche Gemeinde Blaubeuren“ (DCG) mit dabei. Der DCG, dessen Gemeindehaus an die Weide grenzt, spendet den Strom, mit dem der 350 Meter lange Weidezaun geladen ist. „Die Diskussion darüber im Vorstand dauerte keine Minute“, sagte Ludwig Kern und betonte, wie wichtig Biodiversität und Naturschutz seien.

Marita Funk berichtete, dass das Gewann Eigentum der Stadt Lorch sei, aber in etwa 20 schmale Grundstücke unterteilt war. „Diese gehörten grundbuchrechtlich zu Besitzern von Wohngebäuden in Waldhausen.“ Funk zeigte über den sehr steilen Hang: „Die Bewirtschaftung hier war sicher nicht ganz ohne.“ Dank der Zusammenarbeit mit dem „starken Partner“ LEV habe man die Besitzer von der ökologisch sinnvollen Nutzung des 90 mal 130 Meter großen Geländes überzeugen können. Für 8000 Euro seien von Januar bis Mai die Zäune gebaut und das Gelände von Gras und Sträuchern befreit worden. 70 Prozent davon fördere der LEV, 30 Prozent bezahle die Stadt. „Wir freuen uns über das Projekt, das einen großen Beitrag zum Naturschutz bedeutet“, sagte die Rathauschefin. Ralf Worm berichtete, dass durch die Freiräumung „viele Pflanzen aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen werden“. Er erwartet, dass sich bald wieder viele Wildblumen zeigen werden.

„Viele Samen bringen meine Tiere mit“, sagte Landwirt Feuchter. Wenn er die rund 100 Schafe und Ziegen vom Gewann Bulzen oberhalb des Kirnbachs hierher bringe, hätten diese Samen im Fell und würden ihn auf der Wiese verteilen. Das Gewann Bulzen war 2018 ebenso vom LEV und der Stadt entkrautet und beweidet worden. „Dort sieht es mittlerweile so vielversprechend aus, wie wir es auch hier erwarten“, sagte Worm.

Weiteren Handlungsbedarf in Lorch sieht er am Elisabethenberg. „Hier könnte man in ähnlicher Weise für mehr Schafbeweidung tätig werden.“ Allerdings gäbe es dort viele Privatgrundstücke, was die Sache schwieriger mache. Worm plädierte dafür, mehr Beweidung zuzulassen. „Biodiversität und Beweidung bedingen sich gegenseitig.“

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