Wahlkampf ist schwieriger

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Nur 70 Menschen durften bei der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Plüderhausen in der Staufenhalle mit dabei sein. Der Rest klickte sich online dazu. Im Vordergrund sitzen drei der fünf Kandidaten für das Bürgermeisteramt.

In Plüderhausen wird am Sonntag ein neuer Bürgermeister gewählt. Die Kandidaten erzählen von den Wahlvorbereitungen in Corona-Zeiten.

Plüderhausen.

Samstagvormittag in Plüderhausen, Menschen kaufen Gemüse, Eier und Wurst auf dem Wochenmarkt. Neben einem Brunnen steht Bogdan Gheorghiu, verteilt Informationszettel und bietet das Gespräch an. Der Plüderhäuser ist einer von fünf Kandidaten, die am 25. April zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt werden wollen. Hat die Corona-Pandemie seinen Wahlkampf beeinflusst? „Auf jeden Fall, ich hätte sonst viel mehr gemacht“, sagt der 42-Jährige gut verständlich durch seine FFP2-Maske. Zum Beispiel Couchgespräche: „Ich hätte zu verschiedenen Themen Leute aus der Gemeinde und Experten eingeladen und mit ihnen diskutiert.“ Alles Veranstaltungen, die wegen des Infektionsschutzes nicht möglich sind.

Genauso wie die Kandidaten-Vorstellung vor Publikum. Wo man sich üblicherweise den Fragen einer voll besetzten Halle stellen muss, standen Gheorghiu und seine Konkurrenten am 13. April vor gerade mal 70 Menschen in der Staufenhalle, am 15. April vor noch weniger in Walkersbach. Der Rest klickte sich online dazu. „Das waren gut 1000 Menschen, es wurde also sehr gut angenommen“, urteilt Andreas Schaffer. Der amtierende Bürgermeister erzählt, dass der Gemeinde bescheinigt worden sei, in sehr guter Qualität übertragen zu haben. „Das kostet aber auch, wohl zwischen 4500 bis 5000 Euro.“

Deutlich mehr Briefwähler

Wegen Corona rechnet die Gemeinde mit deutlich mehr Briefwählern. Schon bei der Landtagswahl im März habe sich die Zahl verdoppelt, auf rund 1900. „Aktuell liegen uns 1630 Anträge vor.“ Deswegen hat die Gemeinde drei Briefwahlausschüsse gebildet, üblich war bislang einer. „Und am Wahltag gibt es natürlich Hygienekonzepte.“ Die Wähler werden im Einbahnsystem durch die Wahllokale geschleust. „Pandemiebedingt verkünden wir das Ergebnis im Freien ohne Umtrunk.“ Schaffer rechnet damit, dass viele die Ergebnisse über die Internetseite mitverfolgen. Dort gebe es ab 18.30 Uhr Ergebnisse. Der Amtsinhaber hat selbst noch 2018 Wahlkampf gemacht und meint: „Damals war ich bei jeder Faschingsveranstaltung oder bei den Hauptversammlungen der Vereine.“ Das gibt es nun alles nicht. „Die Kandidaten heute haben viel weniger Möglichkeiten, unter die Leute zu kommen.“

„Man erreicht weniger Menschen“, bestätigt Benjamin Treiber. Der 28-Jährige steht am Samstag vor einem Lebensmittelmarkt. „Normalerweise würde man auch mal ins Gasthaus sitzen und mit den Leuten schwätzen, das fällt alles weg.“ Treiber erkennt in der Situation aber auch Positives: „Dass man direkt mit den Leuten auf Augenhöhe spricht, ist ein Vorteil.“ Mit Treiber könne jeder auch einen Termin vereinbaren, was schon viele Bürgerinnen und Bürger genutzt hätten, erzählt er. „Sollte ich gewählt werden, würde ich dieses Element im Kampf um die Wiederwahl genauso wieder einsetzen.“ Sicher sei außerdem: „Online ist wichtiger geworden.“

Vieles läuft online ab

Auch Rouven Klook versucht, online abzufangen, was real nicht geht. Der 36-Jährige spricht die Leute an einem anderen Lebensmittelmarkt im Ort an und erzählt: „Erst gestern habe ich einen Online-Stammtisch veranstaltet, an dem 25 Menschen teilgenommen haben.“ Dennoch entstünden so „andere Gespräche als bei einer richtigen Diskussion“. Klook habe trotz Pandemie Händler, Unternehmen und Vereine besucht, natürlich unter den gebotenen Auflagen. „Es fehlt aber einfach, dass man bei Festen und Veranstaltungen von Tisch zu Tisch gehen kann.“ Auch die Kandidatenvorstellung habe einen anderen Charakter gehabt, sei aber gut organisiert gewesen.

Das finden auch Treiber und Gheorghiu. Auch letzterer führt Wahlkampf im Internet, hält dessen Bedeutung aber nicht für annähernd so wichtig wie reale Kontakte. Schwierig findet Gheorghiu, dass kein wirkliches Erleben der Gegebenheiten vor Ort möglich sei. „Ich mache mit Händlern, Vereinen oder Unternehmen Einzeltermine aus und sehe dadurch nicht das Leben, das normalerweise dort herrscht.“

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