Abzocke mit Rechnung für Telefonsex

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Wie eine dubiose Firma versucht, einer Oberkochenerin mit einer Mahnung aus Tschechien Geld aus der Tasche zu ziehen. Das raten Verbraucherschützer und Polizei.

Oberkochen

Maria M. (Name von d. Red. geändert) hat eine Telefonrechnung erhalten. 90 Euro soll die Oberkochener Rentnerin bezahlen – für Telefonsex. Zunächst reagiert Maria M. gelassen. Diesen Dienst haben weder sie noch ihr 84-jähriger Ehemann in Anspruch genommen. Die Forderung der angeblichen Firma Telstar landet daher im Papierkorb. Bis die zweite Mahnung ins Haus "flattert". Die Forderung ist mittlerweile auf 198 Euro angewachsen. Jetzt wird die 75-Jährige nervös. Ihre Schwiegertochter Lisa reagiert und wendet sich an die SchwäPo.

Die Mahnung wirkt schon auf den ersten Blick unseriös. Vermerkt sind Telefonnummer des Ehepaars M., die "Dienstleistung – Service für besondere sexuelle Ansprüche" sowie das Datum und die Uhrzeit es angeblichen Anrufs bei der Sex-Hotline. "Auffallend ist, dass nicht meine Schwiegermutter die Inhaberin des Anschlusses ist, sondern mein Schwiegervater", sagt Lisa M. zum Schreiben, das an Maria adressiert ist.

Ein deutscher Absender ist nicht vermerkt. Dafür steht gut sichtbar, wohin das Geld fließen soll: in Form eines Verrechnungsschecks oder in bar per Einschreiben an eine Postfachadresse im tschechischen Prag. Alternativ ist eine Kontonummer angegeben. Sowohl IBAN als auch BIC lassen erkennen, dass auch die Bank, an die die SEPA-Überweisung gehen soll, ihren Sitz in Tschechien hat.

In der zweiten Mahnung macht die angebliche Firma Telstar Druck: "Sollten Sie den nun ausstehenden Betrag nicht begleichen, werden wir dies als versuchten Betrug werten und geeignete Maßnahmen ergreifen." Und weiter schreibt Telstar: "Die daraus entstehenden Kosten gehen zu Ihren Lasten."

Ein Dauerbrenner

"Da darf man sich nicht einschüchtern lassen", sagt Erich Nolte. Der Wirtschaftsjurist der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart hat mehrmals die Woche mit solchen Fällen zu tun. "Das ist ein Dauerbrenner und ein gravierendes Problem", sagt der Verbraucherschützer.

Da darf man sich nicht einschüchtern lassen.

Erich Nolte Verbraucherzentrale Ba-Wü

Denn nicht nur Telstar ist mit diesem "Geschäftsmodell" unterwegs. Die Namen wechseln, die Briefe und die Forderungen bleiben die gleichen.

Nolte nennt es dubios, wie diese Briefe zustande kommen, die bei den Leuten landen. "Meist liegt kein rechtsgültiger Vertrag vor, deshalb sollten die Rechnungen nicht bezahlt werden", weist der Jurist hin. Zudem fehlen in diesen Fällen die gesetzlich vorgeschriebenen Belehrungen zum Widerrufsrecht. "Die Firma Telstar ist in all diesen Punkten zum Nachweis verpflichtet."

Vor diesem Hintergrund rät Erich Nolte, solche Rechnungen und Mahnungen zu ignorieren. "Nach dem Motto: gelesen, gelacht, gelocht." Reagieren müsse man nicht, da die Forderungen nicht gerichtlich beigetrieben werden. Firmen wie Telstar spekulieren auf "Angstzahler", sagt er.

Wer aber auf der sicheren Seite sein will, dem empfiehlt der Experte gegen die Forderung Widerspruch einzulegen. Dieses solle man unbedingt per Einwurf-Einschreiben an Telstar verschicken. Verhindern, dass solche Forderungen per Brief, E-Mail oder SMS verschickt werden, könne man nicht.

Ähnliches sagt auch Rudolf Biehlmaier, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. "Wer weiß, dass er keinen solchen Dienst in Anspruch genommen zu hat, soll zur Polizei gehen und eine Anzeige erstatten", rät Biehlmaier. Im Zweifel solle man sich informieren. "Denn wenn man bezahlt hat, dann ist das Geld in der Regel weg."

Hilfe bietet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg online unter www.verbraucherzentrale-bawue.de; hier erhält man auch das Musterformular für einen entsprechenden Widerspruch.

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