Als auf dem Hausberg gefeiert wurde

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Ein Foto aus längst vergangenen Tagen, das den Umzug beim Kinderfest zeigt.

Oberkochens Kinderfest am 26. Juni wurde wegen der Corona-Krise abgesagt. Warum viele Bürger noch heute vom großen Rambazamba auf dem Volkmarsberg schwärmen.

Oberkochen

Das Oberkochener Kinderfest hat eine lange Tradition. 1927, so die Recherche, hat es zum ersten Male stattgefunden. Alleinstellungsmerkmal in der Region hatte wohl ein Kinderfest auf dem Berg. Auf dem Oberkochener Hausberg, dem Volkmarsberg. Dass es "richtig schweißtreibend war" und "bei den Erwachsenen das Bier nicht zu kurz gekommen ist", beschreibt der verstorbene Heimatforscher Dietrich Bantel in seinen Annalen.

Viele alte Oberkochener schwärmen noch heute von der dortigen Festwiese, von der Wacholderheide mit ihren herrlich gewachsenen Solitärbuchen, wo es eine bullige, aus den 1930er Jahren stammende alte Sprungschanze gab und wo viel später die Bergstation des Skilifts eingerichtet wurde.

Man schrieb das Jahr 1965, als sich der lange Lindwurm der Kindergarten- und Schulkinder in der Dreißentalstraße versammelte und sich hoch zum Berg aufmachte. Liebevoll geschmückt waren die Kinder und die Teilnahme bis zur zehnten Klasse war Normalität. Kein Gemurre, auch nicht wegen des Samstags. Stolz angeführt vom Bürgermeister, die Herren des Gemeinderats mit Nelken im Revers. Die Volkmarsbergstraße passierend ging es auf den Berg.

Einige "Privilegierte" fanden Platz im Bus, der aber auch nicht schneller vorankam, weil sich Kinder den Spaß machten, im engen Sträßle die Durchfahrt zu versperren, bis die Kupplung des Busses qualmte.

Meist war den Kinderfesten auf dem Berg herrliches Wetter vergönnt. Auch noch in den 1970er Jahren. Nur ein paarmal wurde das Bier durch kleine Wolkengüsse verdünnt.

Es war anstrengend, aber einfach wunderschön.

Hans-Joachim Gentner, Ex-Rektor der Sonnenbergschule

Oben angekommen war man schweißnass, Luftballonstart, obligat "Wurst und Wecken", Kletterbaum und Spielstraße. Und auf dem Podium der Dorfkapelle des Musikvereins machte sich außer den Musikanten bald eine stattliche Sammlung von Bierkrügen breit.

Irgendwann, so schreibt Dietrich Bantel, sei "ein Jemand auf die Idee gekommen, dass das Kinderfest immer mehr entartet." Man könne doch nicht mehr von Kinderfest sprechen, wenn "sich die Alten auf dem Berg besaufen." Bantel nimmt kein Blatt vor den Mund. "Diese Jemands" seien Lehrer gewesen, die nicht mehr bereit waren, ihren "Heiligen Samstag dem Kinderfest zu opfern." Auch das schweißtreibende Auf-den-Berg-Wandern sei ein Argument gewesen.

Gerne erinnert sich der ehemalige Sonderschulrektor Hans-Joachim Gentner ans Kinderfest auf dem Hausberg. "Es war anstrengend, aber einfach wunderschön", sagt er. Und nirgendwo habe es sich besser gehockt als beim Kinderfest auf der Festwiese auf dem Berg.

Unwiederbringlich, doch die Erinnerung bleiben. Heuer fällt das Kinderfest wegen der Pandemie gänzlich aus. Auch das Stadtfest. Und der Kinderfest-Samstag ist nach der Rückkehr ins Tal auch längst Nostalgie.

Ganz oben am Kletterbaum warteten Leckereien.
Auf dem Gipfelplateau angekommen wurde erst mal verschnauft.

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