Andreas Bayerl ist Detektiv für ganz Oberkochen

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Andreas Bayerl kennt man in Oberkochen.

Seit vier Monaten engagiert sich der 59-Jährige als Kümmerer in einer Vollzeitstelle bei der Stadt.

Oberkochen. An seinem freien Tag trifft sich der SchwäPo-Reporter mit Andreas Bayerl in der Neuen Mitte. Ein Arbeitsschwerpunkt, aber nur einer von vielen. "Ich lerne viele Leute kennen und ich hatte schon viele Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern", sagt er. Mit Alt und Jung. Er ist ein bekanntes Gesicht.

Monatelang hat der Gemeinderat immer wieder die Notwendigkeit eines Kümmerers unterstrichen. Nun ist er im Amt. Andreas Bayerl war seit 2003 als Detektiv einer Wirtschaftsdetektei in Stuttgart tätig. "Ich kenne das Klientel und gehe gerne mit Menschen um", betont er. Seit über zehn Jahren lebt er in Oberkochen und hatte sich um eine Stelle bei der Stadt bemüht. Zum Beispiel als Hausmeister im Carl-Zeiss-Stadion.

Sein detektivischer Lebenslauf habe dem Bürgermeister zugesagt, es vergingen einige Wochen und bei einem Gespräch im Rathaus wurde der Knoten gezurrt. "Kümmerer hat mit Detektiv zu tun, ich habe spontan angenommen", sagt Bayerl. Einstimmig hatte der Gemeinderat eine Vollzeitstelle beschlossen.

Seine Entscheidung habe er noch keinen Tag bereut. Warum? Weil die Aufgabe "so facettenreich ist". Bayerl warnt davor, "mit dem Zeigefinger auf die Jugendlichen zu deuten". Sein Klientel umfasst alle Altersschichten. Bei Problemen jedweder Art gehe es darum, die Hintergründe kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln und möglichst schnell die richtige Entscheidung zu treffen. "Ich bin für die Bevölkerung da", sagt Bayerl. Sein Erfahrungsschatz helfe ihm, jetzt sei er "Detektiv für eine ganze Stadt". Detektivarbeit, das habe auch viel mit Psychologie zu tun. "Wie behandle ich einen Menschen", das sei eine entscheidende Voraussetzung.

Bayerl kennt die "neuralgischen Punkte" in Oberkochen und an Arbeit hat es ihm bei seinen täglichen Routine-Fahrten mit dem städtischen Dienstauto nicht gemangelt. Gleich in den ersten Wochen habe er sich ein Netzwerk aufgebaut. Einige Jugendliche sind bereits eng mit ihm verknüpft, geben Informationen durch. "Ganz zu Beginn sind sie vor mir abgehauen", blickt er zurück. Er arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Die musste er neulich nachts beim neuen Stadtplatz zu Hilfe rufen, als "äußerst Betrunkene dort ihr Unwesen trieben". Auch für die vermeintlich kleinen, aber wichtigen Dinge steht Andreas Bayerl parat. Etwa, als ihn neulich ein Rollstuhlfahrer auf eine Beschädigung in der Pflasterung hingewiesen habe. Am nächsten Tag war alles gerichtet. "Die Vernetzung mit der Stadt funktioniert sehr gut", sagt Bayerl. Er sieht seine Arbeit als Art Prophylaxe, auch wenn es Auswüchse immer geben werde. Vorbehalte gebe es bei ihm nicht. Es gehe ihm schließlich um die Sicherheit der Bürger.

Blick in die nahe Zukunft

Dass es letztlich auch um seine eigene Sicherheit geht, verschweigt Bayerl nicht. Und er freut sich jetzt schon auf einen ausgebildeten Hund, den ihm die Stadt zugesagt hat. Im Frühjahr 2021 soll es so weit sein. Bis dahin ist ein ganzes Aufgabenpaket zu erfüllen: Fährtensuche, Schutzhunde- und Polizei-Hundeausbildung. Und der Hundeführer muss eine theoretische und praktische Prüfung machen. Für die Stadt sei das nicht einmal so teuer. Die Kosten für die Ausbildung übernimmt das Land, die Stadt müsse "nur" die Kosten fürs Tier berappen, der dann mit seinem Herrchen auf jeden Fall nur mit Beißkorb unterwegs ist.

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