AstraZeneca-Dosen mutieren zu Sauerbier

+
Praxismanagerin Angelika Ritcher und Peter Gangl ziehen Bilanz zu Pandemie und Impfkampagne.
  • schließen

Wie die Arztpraxis von Dr. Carmen Wörz und Peter Gangl mit der Krise umgegangen ist.

Oberkochen. „Die Pandemie war in unserem Praxisalltag eigentlich unspektakulär, weil wir uns gut vorbereitet hatten“, sagt Peter Gangl. Testen und Impfen waren in der Praxis mit der großen anderen Versorgung verschmolzen.

Die Pandemie sei eben ein Teil der gesamten ärztlichen Versorgung gewesen, für die Arbeitspläne zeichnet Dr. Carmen Wörz verantwortlich. Für die Impftermine gab und gibt es immer bestimmte Zeitfenster.

Wörz und Gangl leiten neben dem Standort Oberkochen auch noch die Praxis in Heubach und beide Ärzte sind gleichberechtigte Partner. Die Pandemie wurde, wie in anderen Praxen auch, zunächst mit einer Priorisierung für Risikopatienten, alte Menschen und Hausbesuchspatienten versehen und ein wichtiger Faktor sei auch das DRK-Altenpflegeheim in Oberkochen gewesen, blickt Peter Gangl zurück.

Dass man sich akribisch auf die Pandemie-Krise vorbereitet hatte, ist für Peter Gangl im Nachhinein ein ganz wichtiger Aspekt. Arzthelferinnen wurden fortgebildet, man setzte auf spezialisierte Führungskräfte, die auch ärztliche Aufgaben übernommen haben.

Wie zum Beispiel Angelika Ritcher, die als Praxismanagerin fungiert und über ihre Erfahrungen berichtete.

Am 7. April ging´s mit dem Impfen los, sechzehn Impfdosen pro Arzt, also 32 für die Praxis in Oberkochen und sechzehn für Heubach. Die Priorisierten waren dran, der Rest ging nach dem „Windhund-Prinzip“ weg.

Im April und im Mai sei es schon sehr heftig gewesen. Auf der einen Seite wenig Verfügbarkeit an Dosen, auf der anderen Seite habe es auch Patienten gegeben, die recht ungeduldig waren. „Manchmal musste man schon richtig schlucken“, sagt die Praxismanagerin.

In der zweiten Impfgruppe folgten Kontaktpersonen mit entsprechender Bescheinigung. Auch was Besonderes: Bei Gangl und Wörz wurden Risikopatienten in einem Bus behandelt, der vor der Praxis stand. Infekt-Sprechstunde, Fieber-Diagnostik. Im weiteren Verlauf spricht Angelika Ritcher von mehr Rücksichtnahme der Menschen, Warten sei geduldiger akzeptiert worden.

„Leider ist zu Beginn der Impfgeschichte das Kontingent nicht immer eingetroffen“, blickt Gangl zurück und fügt hinzu: „Der Run auf Impfung hat deutlich nachgelassen. AstraZeneca, Johnson und Biontech sind aktuell verfügbar. A propos Astra: „Bei uns lagern noch sage und schreibe 170 Dosen, weitgehend ohne Verwendungsmöglichkeit“, betonen Gangl und Ritcher.

Ab Oktober verfallen sie. Formal könnten jetzt Impfungen an andere Arztpraxen weitergegeben werden. „Aber wer will schon Sauerbier“, sagt Gangl. Bis vor Kurzem seien Vakzine, die das Verfallsdatum überschritten haben, durch die Praxis selbst entsorgt worden. Inzwischen darf die Praxis den Impfstoff vor dem Verfallsdatum an das Impfzentrum in Aalen abgeben.

Gangl stellt kategorisch fest, dass „Astra ungerechtfertigter Weise an den Pranger gestellt wurde.“ Es habe bei AstraZeneca Hirnvenen-Thrombosen gegeben, dies sei nicht wegzureden. Dies könne bei Biontech auch passieren - mit dem Unterschied, dass mit Biontech zu Beginn bedeutend weniger geimpft wurde im Vergleich zu Astra.

Aufklärung, Blick in die Zukunft

„Vorhersagen sind wie ein Wetterbericht“, so die Meinung von Peter Gangl. Virologen arbeiteten mit Riesendatenmengen. Trotzdem sagt der Arzt ein klares Ja, dass eine vierte Welle kommen werde. „Die vierte Welle ist nicht wegzureden“, so Gangl. Sehr wünschenswert wäre, wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen würden.

Zweimal Geimpfte müssten zudem zur Kenntnis nehmen, dass sie zu etwa dreißig Prozent nicht geschützt sind und die Krankheit weitergeben könnten. Impfgegner seien nicht selten fremdgesteuert.

Das Argument, dass an Grippe mehr Menschen sterben als an Covid, sei zu kurz gegriffen. Auf der ersten Strecke seien Grippe und Covid zwar vergleichbar, aber bei Covid komme ab dem achten Verlaufstag die Erkrankung übers Blut zurück, Lunge und Organe würden quasi zubetoniert. Solche Krankheitsverläufe seien dramatisch und schockierend.

„Ich würde schon durchschnaufen, wenn keine vierte Welle kommt“, pflichtet Angelika Ritcher bei. Die bange Frage sei bei einem Mutanten-Angriff, ob die aktuellen Impfstoffe noch helfen, fügt Gangl hinzu.

Zu einer Gesellschaft, die sich christlichen Werten verschreibe, gehöre in Zukunft aber auch, dass man ein globales Impfkonzept dem nationalen Konzept voranstelle. Nicht versäumen wollen Dr. Carmen Wörz und Peter Gangl, dem gesamten Team für ihren kollektiven Einsatz und das Engagement herzlichen Dank zu sagen.

Zurück zur Übersicht: Oberkochen

WEITERE ARTIKEL

Kommentare