Bebauungsplanänderung sorgt für Aufregung

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Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet. Anwohner protestieren gegen massive Bebauung.

Oberkochen. Die Änderung des Bebauungsplans „Bühl-Gutenbach-Tierstein“ sorgt für Wirbel in Oberkochen. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und Anwohner protestieren wegen der geplanten massiven Bebauung. „Rekordverdächtig“ ist der äußere Rahmen im Gemeinderat. Zwei Stunden lang läuft die Bürgerfragestunde, der Bürgersaal ist knackig gefüllt. Es geht um die geplante Bebauung im „Uhlandweg“, wo die Stadt ein fast 5000 Quadratmeter großes Grundstück von der katholischen Kirchengemeinde erwerben und wo die katholische Sozialstation St. Martin gemeinsam mit der Stadt eine Sozialstation mit Tagespflege und 44 Wohneinheiten realisieren will.

Dieser Punkt war eigentlich von der Tagesordnung genommen worden. Dabei wäre es um eine Liquiditätsspritze der Stadt für die Stadtwerke gegangen, die als Bauherr der Wohnungen fungieren soll. Inzwischen hat sich aber einiges getan: Gespräche von Bürgern mit dem Bürgermeister und eine „BI“ mit dem Namen „Rettet den Primelweg-Spielplatz“ hat sich gebildet. Man hat die Befürchtung, dass der dortige Spielplatz stark reduziert wird und die Anrainer, allen voran von der Heinz-Küppenbender-Straße und vom Primelweg, monieren die ihrer Ansicht nach viel zu hohen Bauten.

Bedenken der Anwohner

Herbert Betzler eröffnet in sehr fairer und sachlicher Weise die zweistündige Diskussion in seiner Eigenschaft als Sprecher der Anwohner von der Heinz-Küppenbender-Straße. Er moniert, dass es keine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit gegeben habe und er fordert mehr Rücksichtnahme ein. Er schlägt als tragfähige Maßnahme die Reduzierung um ein Stockwerk der zum Teil bis 11,50 Meter hohen Wohngebäude vor.

Überhaupt nicht in Frage gestellt wird in der Bürgerfragestunde das Projekt der katholischen Sozialstation. Ja, dieses Projekt wird einhellig gutgeheißen. Es seien schon Stellungnahmen von Bürgern eingegangen und deswegen habe man das Thema von der Tagesordnung genommen, sagt Bürgermeister Peter Traub. Es sei durchaus noch möglich, Einwände in den bestehenden Entwurf einzuarbeiten. Man sei noch in einer frühen Phase, auf jeden Fall werde der Gemeinderat noch einmal beraten.

Allerdings betont der Bürgermeister auch, dass alle baugesetzlichen Vorgaben wasserdicht eingehalten worden seien. Das Baugesetzbuch besage, dass bei Baumaßnahmen im Innenbereich ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt werden könne.

Wenn das Grundstück bebaut werde, dann werde die eigentliche Spielplatzfläche aufgegeben, befürchtet Dr. Ana Arlinghaus von der „BI“. Der seitherige Spielplatz werde ins neue Quartier integriert und verliere dann seine Zentralität. Dr. Johannes Bol („BI“) fügte hinzu, dass der Spielplatz nach Übergang in privaten Besitz nicht mehr öffentlich zugänglich sei. Dem widersprach der Bürgermeister: „Der Spielplatz bleibt öffentlich und er wird ein schönes Gesicht bekommen.“

Sorge um den Spielplatz

Seitens der „BI“ wurde auch ins Feld geführt, dass die bisherige Naturfläche des Spielplatzes von 2500 Quadratmeter auf 200 Quadratmeter reduziert werde. Der Spielplatz werde in der Tat kleiner, aber man solle nicht so tun, als sei dies „der wertvollste Spielplatz in Baden-Württemberg“, meinte der Bürgermeister. Es sei auch nicht so, dass der Spielplatz Primelweg von Hunderten von Kindern frequentiert werde. Traub wörtlich: „In der Online-Petition der BI geht es gar nicht um den Spielplatz, sondern darum, die Bebauung zu verhindern.“ H.Wesselmann meinte, mit der massiven Bebauung werde die Wohngegend ruiniert und zugemüllt. Dies brachte den Bürgermeister in Harnisch, der antwortete: „Sie sind mit dieser Ausdrucksweise im roten Bereich.“

Immer mehr zentrierte sich die Diskussion auf die Wohnbebauung. Adriana Kieninger, Sprecherin der BI, sorgte sich bei geplanten 44 Wohnungen ums erhöhte Verkehrsaufkommen. Es gehe auch um die Sicherheit für die Kinder, eine Reduzierung der Wohnungszahl sei dringend nötig. „Wir werden das Projekt nicht mit der Brechstange durchsetzen“, antwortete der Bürgermeister. Alle Fraktionen wurden inzwischen von der „BI“ kontaktiert und um ihre Stellungnahmen gebeten.Lothar Schell

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