Bedeutender Preis für die Oberkochenerin Katrin Böhning-Gaese

+
Katrin Boehning Gaese in Afrika
  • schließen

Die Ökologin wurde mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Warum sie ein Fan des Sonntagsbratens ist und warum ein Insektenhotel allein nicht ausreicht.

Oberkochen. Es ist der bedeutendste Umweltpreis in Deutschland und wohl der höchst dotierte in ganz Europa. Und am vergangenen Sonntag hat ihn eine gebürtige Oberkochenerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier persönlich in Empfang nehmen können. Die Ökologin und Professorin Dr. Katrin Böhning-Gaese wurde mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für ihre Forschung zur biologischen Vielfalt für Erde und Mensch ausgezeichnet. Nicht nur mit einer Urkunde, sondern mit einer Art „Umwelt-Oscar“ und einem Preisgeld von 500 000 Euro, dass sie sich mit einem Moorforscher, teilt.

„Die Auszeichnung kam völlig überraschend“, sagt die 56-Jährige. Bewerben kann man sich dafür nicht. Man wird vorgeschlagen. Rund 200 Personen und Unternehmen seien es in diesem Jahr gewesen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als der Anruf kam“, erinnert sich Katrin Böhning-Gaese an die Preisverkündung des DBU-Generalsekretärs Alexander Bonde vom Juni.

Dieser Tage erreicht man die Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt. Per Zoom. Büroatmosphäre statt Glamour auf dem Bildschirm. Ihren Preis hat Katrin Böhning-Gaese im heimischen Wohnzimmer geparkt. „Er hat noch keinen festen Platz“, gesteht sie. Es ist der erste Preis, den sie so richtig in der Hand halten kann. Auszeichnungen hat sie bereits viele bekommen. „Frau Böhning-Gaese hat in ihrer langjährigen Forschung einen enormen wissenschaftlichen Beitrag geleistet, damit wir begreifen, welche dramatischen Folgen der Artenverlust für Menschen und das gesamte Zusammenwirken des Planeten hat“, begründete Bonde diese.

Als bekannt wurde, dass sie den Preis gewonnen hat, hätten zahlreiche alte Schulfreunde per Mail gratuliert, zwar nicht der Bürgermeister, aber doch die aktuelle Rektorin des Ernst-Abbe-Gymnasiums, erzählt die Wissenschaftlerin. Sie hat ihr Abitur 1984 in Oberkochen gemacht. Dort fing sie auch Feuer für die Biologie und den Artenschutz. Im Leistungskurs von Horst Riegel. Der zeigte seinen Schülerinnen und Schülern auch einen Film über Tierverhaltensforscherin Jane Goodall. „Das war einer von mehreren Gründen, warum ich dann auch Biologie studierte“, erzählt Katrin Böhning-Gaese. In die Wiege gelegt wurde ihr die Wissenschaft nicht. Ihr Vater, den sie auch heute noch in Oberkochen besucht, war bei Zeiss im Optikbereich beschäftigt.

Natürlich ist sie bei diesen Besuchen wie auf ihren Forschungsreisen in die ganze Welt immer mit wachen Blick auf die Natur unterwegs. „Es gibt keine Unterscheidung zwischen Privatleben und Wissenschaft, wenn man draußen ist. Das ist vollkommen verschmolzen“, sagt Böhning-Gaese. Jeder Besuch, jede Alpentour gibt ihr Impulse, die sie mit in die Arbeit nimmt. Die schwäbische Alb sieht sie als immer noch reich strukturierte Landschaft, aber Richtung Stuttgart hin auch eine zunehmende Bebauung, mit der sich verschiedene Orte immer mehr zu einem einzelnen verbinden. Natürliche Bachläufe, die der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung weichen mussten. Maisäcker und Rapsfelder statt Wiesen und Weiden. Nicht gut für den Artenschutz, so die Wissenschaftlerin.

Den sie selbst schon im heimischen Garten für wichtig hält. Mit einem Insektenhotel? „Wenn man sich eines in den Garten hängt, dann wäre es prima, wenn man dort und auch in der Nachbarschaft blühende Büsche und Bäume hat. Sonst gibt es keine Nahrung für die Brut.“ Blühende Wiesen statt Rasen, Pfaffenhütchen, Holunder, der gemeine Schneeball als Hecke statt Kirschlorbeer, das rät sie anzupflanzen. „Damit die Amseln was zu fressen finden.“ Die Wissenschaftlerin ist überzeugt: Man kann die Millionen von bedrohten Arten noch retten. „Man kann viel machen, aber man muss es tun. Und zwar schnell“, sagt sie. Dazu gehöre auch, dass wir weniger Fleisch essen, dafür höherwertiges Weidefleisch. „Zurück zum Sonntagsbraten.“

Ihr Preis sei auch von Bedeutung, um das Thema Artenschutz neben dem Thema Klima wieder mit „ins Scheinwerferlicht“ zu rücken. „Beides ist gleichermaßen wichtig.“ So wie das Preisgeld, das die Wissenschaftlerin in weitere Forschungsprojekte investieren wird.

Der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Höhe von 500 000 Euro geht dieses Jahr an Ökologin Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese (vorne, links) sowie Moorforscher Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joosten (vorne, rechts). Bundespräsident Fra

Zurück zur Übersicht: Oberkochen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare