Boxsport mit langer Tradition

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Armin Jooß ist nicht nur Vorsitzender, sondern gleichzeitig auch Mädchen für alles beim Boxclub Oberkochen.
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Armin Jooß (56) ist mit dem Boxsport seit Jahrzehnten eng verbunden. Wie der Geschäftsmann sich für sein sportliches Ehrenamt einsetzt.

Oberkochen

Ja, es ist ruhiger geworden um den Boxclub Oberkochen. Zumindest steht man nicht mehr so im Licht der Öffentlichkeit wie zu jener Zeit, als die BCO-Staffel in durch ihre Bundesliga-Zugehörigkeit Rang und Namen hatte und namhafte Gegner das Fürchten lehrte. „Es ist aber bei weitem nicht so, dass in Oberkochen nicht mehr geboxt wird“, baut Armin Jooß gleich vor, der „Mädchen für alles“ beim Boxsportclub ist. Dazu später mehr.

Jooß hat drei Leidenschaften: seine Familie, seinen Boxclub und „so ganz nebenher“ ist er Inhaber von „Jooß Mechanik“ in der Heidenheimer Straße mit inzwischen immerhin 40 Angestellten.

Seine Existenz verdankt der Boxclub Oberkochen nicht zuletzt der Firma Zeiss. Als das Unternehmen Anfang der 1950er Jahre sein Zweigwerk Opton in Coburg auflöste, kamen aus der oberfränkischen Boxhochburg zahlreiche Mitarbeiter nach Oberkochen und mit ihnen die Begeisterung für den Faustkampf, der damals in Deutschland enorm populär war. Die Geburtsstunde geht ins Jahr 1952 zurück – als Boxabteilung des TV Oberkochen und 1957 wurde man ein eigenständiger Verein. Die ersten Trainings fanden im „Hirsch-Saal“ statt. Die Begeisterung war riesig, zwischen 20 und 25 Aktive sollen in dem Saal trainiert haben. Auch in einem Nebenzimmer des „Ochsen“ wurde trainiert und sonntags, ja sonntags, in der damals neu gebauten Dreißentalhalle. Jene Halle, die jetzt bald eine „Nachfolgerin“ erhält, wurde zum Mekka des Boxsports.

Ein Name sticht heraus, wenn es um die überaus erfolgreiche Entwicklung des BCO geht: Walter Spindler. Er war treibender Motor im BCO bis zu seinem Tod anno 1990. „Waldi Spindler war ein Box-Verrückter, dem wir sehr viel verdanken“, blickt Armin Jooß zurück. Er war jahrzehntelang Vorsitzender und ein honoriger Förderer und er war auch einige Jahre Sportwart des Deutschen Amateur-Boxverbands. Spindler war Koordinator des Nationalkaders, 1988 brachte er diesen zur Vorbereitung auf die Olympiade in Seoul nach Oberkochen – auch der spätere Profi-Weltmeister Sven Ottke war mit dabei.

Ein „Box-Verrückter“ ist auch Armin Jooß. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass sich Oberkochen unter Waldi Spindler zum Box-Mekka entwickelt hat. Von 1971 bis 1973 gehörte man der Bundesliga an. Die Altvorderen werden sich an überragende Faustkämpfer wie Günter Harner, Ernst Haschka und Helmut Rudat erinnern. Der BCO stieg nicht ab, aber mit dem „Olymp des Amateurboxens“ war es dann vorbei, weil man finanziell einfach nicht mehr mit den großen Vereinen mithalten konnte. Es gab in Oberkochen keine Sponsoren. Es wurde ruhiger ums Boxen in Oberkochen.

In den 1980er Jahren hatte man wieder eine gute Staffel, die im Ländle mithalten konnte. Jetzt beginnt auch die Agenda von Armin Jooß, dem von seinem 1990 verstorbenen Vater Gustav die „Boxer-Gene“ in die Wiege gelegt wurden. Von 1983 bis 1997 war Armin Jooß ein Aushängeschild im Mittelgewicht, im Halbschwer -, im Schwer- und im Superschwer-Gewicht. „Unvergessen sind für mich die tollen Veranstaltungen im Rahmen des Aalener Frühlingsfests“, sagt er.

Vom Rampenlicht zur Talentschmiede

Armin Jooß will ob seiner eigenen Verdienste um Boxen in Oberkochen kein Aufhebens machen, dafür ist er viel zu bescheiden. Aber Insider wissen, dass es ohne den Armin kein Boxen mehr in Oberkochen geben würde. Er ist Trainer, Sportwart, Vorsitzender und gute Seele in Personalunion. In der Talentschmiede in der Turnhalle des EAG gibt er zweimal in der Woche den Youngsters seine Erfahrung weiter. „Das macht riesig Spaß“, freut er sich.

Mit Alpay Gül hat er bereits einen baden-württembergischen Meister im Geviert, dessen Bruder Alperen ist dritter Landesmeister. „Von den Jungs wird man noch viel hören“, zeigt sich Jooß sicher. In der Talentschmiede schwitzen gut 20 Buben. Jooß spricht von Inklusion, die Leute kämen aus Oberkochen und Umgebung, viele Nationalitäten. „Das ist gelebte Inklusion“, sagt Armin Jooß. Einen lässt er nicht unerwähnt, der ihm zur Seite steht, dass Boxen in Oberkochen noch „in“ ist. Er meint Jürgen Laux, den früheren württembergischen Meister im Halbschwergewicht. Ein BCO-Urgestein, treue Seele seit vierzig Jahren. Laux leitet seit fünfzehn Jahren immer dienstags um 20.30 Uhr in der EAG-Turnhalle das Jedermann-Training – Ausdauer und Schnelligkeit für Männer ab dreißig. „Wir sind immer noch eine Größe, nur eben etwas anders als früher“, schließt Armin Jooß.

Es ist bei Weitem nicht so, dass in Oberkochen nicht mehr geboxt wird.“

Armin Jooß, BCO-Vorsitzender
Insgesamt schwitzen 20 Jungs beim BCO.
Es wird fleißig trainiert.

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