Dauerhafter Aufschwung ist nötig

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Die Einkäufe dürfen gerne auch größer ausfallen.
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Im November gibt es den Genossenschaftsladen sechs Jahre. Wie die Entwicklung aussieht und wo die Verantwortlichen der Schuh drückt.

Oberkochen

Wir haben die Kuppe geschafft, aber wir müssen uns wirtschaftlich weiterentwickeln“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Funk, der zusammen mit Vorstandsmitglied Victoria Sieben über die aktuelle Situation im Heideladen berichtet. 253 Genossenschaftsmitglieder bildeten bei der Gründung vor sechs Jahren das finanzielle Rückgrat mit Einlagen von zirka 30 000 Euro.

Die wurden mehr oder weniger aufgebraucht durch die Einrichtung und Bestückung des Genossenschaftsladens. Dort hat es jetzt einen Vorstandswechsel gegeben. Victoria Sander und Diana Schmidt waren zwei Jahre erfolgreich tätig, auf sie folgen nun Gundula Gartz und Diana Zoller und sie sollen ein Fortbestehen des Heideladens sichern. „Was die beiden Vorstandsdamen in den beiden letzten Jahren in Sachen Herzblut und Einsatz für die gesamte Organisation eingebracht haben, ist allererste Sahne“, blickt der Aufsichtsratsvorsitzende zurück. Der Heideladen habe ein kreatives Outfit und eine neue Ausstrahlung erhalten. Victoria Sander wird ehrenamtlich dem Genossenschaftsladen erhalten bleiben.

Ein Honigschlecken war es gewiss nie, dem Heideladen Leben einzuhauchen und tief durchzuatmen. Darüber hatte diese Zeitung kontinuierlich berichtet. Im ersten Jahr der Pandemie verzeichnete man eine deutliche Steigerung des Umsatzes. Leider habe dies mit zunehmender Lockerung der Vorschriften wieder nachgelassen, erzählt „Vicky“ Sander. Die Pandemie habe allerdings gezeigt, dass im Wohngebiet Heide das Kundenpotenzial für ein langfristiges Bestehen des Heideladens sehr wohl vorhanden sei. Der genauere Blick in die Einkaufswägen aber zeitigt die Problematik.

Mit durchschnittlich 110 Kundinnen und Kunden am Tag sei die Frequenz zwar relativ gut, jedoch reiche das geringe durchschnittliche Einkaufsvolumen von zirka 8,20 Euro nicht aus, um ein langfristiges Bestehen zu sichern, erklärt Helmut Funk.

Man sei zwar in Sachen Minus und Dispo aus dem Gröbsten raus, aber eben nicht in der Lage, die Gesamteinlagen der Genossinnen und Genossen kontinuierlich aufzufüllen. An eine Gewinnausschüttung sei aktuell und mittelfristig schon gar nicht zu denken.

Was sonst noch drückt

Victoria Sander lässt trotzdem keinen Pessimismus aufkommen. Sie wird ehrenamtlich weiter tätig sein. Der Heideladen sei zu einem wunderbaren sozialen Treffpunkt geworden. Dafür stehen zum Beispiel das Begegnungscafé oder die Weinproben. Sie verweist auf die Philosophie vom „Miteinander und Füreinander.“

Was drücke, das sei auch die aktuelle Marktsituation mit steigenden Preisen für viele Nahrungsmittel. Hier die richtige Balance zu finden zwischen einer profitablen Unternehmensführung und kundenverträglichen Preisen sei schwierig. Helmut Funk wörtlich: „Auch in unserem kleinen und überschaubaren Wohngebiet auf der Heide spüren wir die Auswirkungen des globalen Klimawandels mit voller Wucht.“

Große Sorge bereiteten auch noch die momentan noch nicht einzuschätzenden höheren Energiekosten, die derzeit auch gerade die kleine Ladeneinheit im Heideladen mit dem hohen Verbrauch der Kühlaggregate stark treffen. Erschwerend aus wirtschaftlicher Sicht komme in diesem Jahr die Anhebung des Mindestlohns in zwei Stufen hinzu, was dann ab Oktober eine Lohnkostensteigerung von zirka 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute.

„Eine entscheidende Messlatte ist, ob unsere Kunden bereit sind, dies mitzutragen“, stellt der Aufsichtsratsvorsitzende fest. Daher hoffe das Leitungsteam, durch das Konzept mit regionalen Anbietern der Kundschaft einen ortsnahen Mehrwert bieten zu können. Umso glücklicher seien er und sein Stellvertreter Götz Hopfensitz, dass nun eine kompetente Vorstandsnachfolge zu finden, um das Fortbestehen zu sichern. „Wir brauchen aber auch noch neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für unsere vielfältigen Aufgaben.“

Der Heideladen Oberkochen steht, aber an Ausschüttungen an die Genossenschafter ist aktuell nicht zu denken. Foto: ls

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