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Der „Gattopardo“: Fisch, Wein und sizilianische Wärme

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Chef Angelo Manganello, Koch Giovanni Allegro und die Küchenhilfe Lillo Arancio - gemeinsam tüfteln sie wöchentlich eine neue Karte zusätzlich zu einer Grundkarte aus.
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 Im „Gattopardo“ in der Katzenbachstraße haben die Sizilianer am Herd das Sagen. Warum es dort keine Pizza gibt und was Sizilien mit den Deutschen eint.

Der „Gattopardo“: Fisch, Wein und sizilianische Wärme

Der „Gattopardo“: Fisch, Wein und sizilianische Wärme
Der „Gattopardo“: Fisch, Wein und sizilianische Wärme © dot
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Oberkochen. Die Geschichte dieser Trattoria, eigentlich ist sie schnell erzählt. Denn erst im Oktober 2019 wurde aus der Gaststätte bei der TSV-Halle in der Oberkochener Katzenbachstraße das „Gattopardo“. Benannt nach dem berühmten Roman von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. „Der Leopard“, so die deutsche Übersetzung, wurde sogar verfilmt. Von keinem Geringeren als Visconti, in der Hauptrolle Burt Lancaster. Weit hergeholt, dieser Name, könnte man meinen – wenn man den Leopard mit der Kochmütze auf dem Logo der Trattoria sieht. Doch wenn Angelo Manganello an den Tisch tritt, braucht man ihn nicht lang zu fragen, was es damit auf sich hat. Manganello ist, sobald er an den Tisch tritt, ebenfalls ein Erzähler wie di Lampedusa. „Er kommt aus meiner Heimatstadt Palma di Montechiaro“, sagt Manganello. 

Sizilianische Spezialität: rote Zwiebeln, süß-sauer

Die er freilich schon vor langer Zeit verlassen hat. Manganello hat in Sizilien, in der Toskana, im Piemont, in München und zuletzt in Aalen gearbeitet. Immer in der Gastronomie. Fast immer. „Ein halbes Jahr lang war ich auf dem Bau. Ich wollte kürzertreten, wegen der Familie. Doch mit wem sollte ich da reden? Mit den Steinen?“, sagt er und lacht. Eigentlich suchte er nur eine Wohnung, fand dann aber das Gesamtpaket mit Gastronomie. Und so wurde schnell klar, wie es weitergeht. „Ich liebe Essen, ich liebe Wein. Deswegen bin ich hier“, sagt Angelo Manganello. 

Nicht nur er. Seine Frau Anna, ebenfalls aus Montechiaro, steht an seiner Seite, in der Küche hat Giovanni Allegro den Hut auf. Auch er kommt aus dem Ort, auch ihn treibt die Liebe zum Essen sichtbar an. Er folgte dem Ruf seines Chefs kurz vor Corona und zog von Italien nach Deutschland. Und blieb auch während der Pandemie. 

Allegro ist seit 20 Jahren Koch. Konzentriert, aber routiniert befreit er an einem Freitagmittag in der Küche die Dorade, die später auf den Grill soll. Dann richtet er eines der drei Antipasti an, die auf der Wochenkarte stehen. Schwertfisch mariniert in Zitrussaft mit süßsauren roten Zwiebeln. Letztere eine sizilianische Spezialität – eine weitere Pfanne der roten Zwiebeln köchelt bereits auf dem Gasherd. Dann schiebt der Koch ein kleines Schokotörtchen in den Ofen, das bereits vorbereitet ist. Später wird dessen weicher Kern sich beim Zerteilen der bissfesten Kruste warm auf dem Teller ausbreiten – nachdem der Sizilianer es mit Eis und Beeren garniert hat. Dass Giovanni Allegros Herz besonders für Desserts schlägt, ist trotz dieser Liebelei mit dem Objekt ein Irrtum. „Ich mache alles, das ist mein Herzblut“, sagt er und greift sich dabei an die Mitte der Brust. Schnappt sich einen kleinen Tortenring und richtet eine weitere sizilianische Spezialität an, in der sich auch die roten Zwiebeln wieder finden. 

Kochen nach alten Rezepten mit neuen Einflüssen

„Wir kochen hier nach alten Rezepten, aber wir bespielen sie mit unseren Entdeckungen neu“, sagt Angelo Manganello. Die sizilianische Küche sei beeinflusst von vielen Kulturen. Die Araber etwa hätten den Zucker gebracht. Die Franzosen hätten ebenfalls Einflüsse hinterlassen. Ja, sogar die Deutschen, weiß der Gastronom. Dann erzählt er: von Friedrich II., dem Staufer, der auch König von Sizilien war. Der seine letzte Ruhe in Palermo gefunden hat. Das sei ja fast schon schwäbischer Einfluss. Und den von der Großmutter, bei der es immer frisches, warmes Brot mit Olivenöl gab, nicht zu vergessen. 

Essen liebt er, aber Wein auch, sagt Angelo Manganello. „Das ist meine zweite Liebe“, sagt er und bringt eine Weinkarte, auf der rund 120 Posten aufgeführt sind. Pizza sucht man auf der Karte des „Gattopardo“ dagegen vergeblich. 

Am Anfang hätten ihn die Leute deswegen für verrückt erklärt, sagt Manganello. Er blieb eisern. „Entweder ich mache Pizza oder ich mache etwas anderes“, erklärt er. Doch nicht nur die Pizza fehlt, sondern auch eine überfordernde Überfülle an Rezepten, die in so manch anderem Lokal manchmal dafür sorgt, dass man Schnitzel mit Pommes bestellt. „Wir haben eine kleine Karte“, sagt Maganello. Die Menükarte umfasst acht Nudelgerichte, drei Fischgerichte, vier Fleischgerichte. „Da ist auch Saltimbocca dabei, ein Gericht, das alle kennen“, erklärt er. Und Lasagne, nur mit Rinderhack. „Auch wegen anderer Kulturen“, erklärt er. 

So richtig kulinarisch ausgetobt wird sich auf der Wochenkarte, wo die sizilianische Küche immer wieder durchschlägt. Die er und Koch Giovanni gemeinsam austüfteln. Wie etwa gegrillter Ziegenkäse auf grünem Spargel. Zudem gibt es täglich drei Mittagsmenüs. 

„Mit all dem haben wir genug zu tun“, sagt Angelo Maganello. Die Philosophie des Teams sei es, ein einfaches italienisches Lokal zu sein und zu bleiben. Eine Trattoria eben. „Ich bin nicht der König, sondern dafür da, Dinge zu korrigieren, wenn mal etwas nicht passen sollte“, sagt Angelo Manganello. Wichtig sei, dass die Gäste sich nicht wie in einem Sternerestaurant fühlen, sondern wie zu Hause. Und dann ist die Geschichte der Trattoria auch fast schon erzählt. 

Gut zu wissen: Capanota geht immer

Beliebt: Die Vorspeise Caponata. Original sizilianisch. Zutaten wie Zucchini, Auberginen, Sellerie, Paprika, Tomaten, Zwiebel und Co. werden jeweils einzeln geköchelt. Dann erst werden sie zusammengebracht. Garniert mit einem oder zwei Kugeln Büffelmozzarella. Wird warm oder kalt gegessen. 

Das Schmankerl: Schokotörtchen mit flüssigem Kern, dazu Vanilleeis.

Das günstigste Gericht: Spaghetti aglio olio mit frischem Knoblauch, Olivenöl und Kirschtomaten. Scharf. 7,90 Euro. 

Das teuerste Gericht: Grigliata di pesce misto, gemischter Grillfischteller mit vier Fischsorten, kann variieren. Euro: 24,90 Euro. 

Plätze: 45 im Innenraum, Außenterrasse: Rund 30 Plätze.

Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag 18 bis 23 Uhr. Mittwoch bis Freitag jeweils 12 bis 14 und 18 bis 23 Uhr. Samstag 18 bis 23 Uhr, Sonntag 12 bis 14 und 18 bis 23 Uhr. 

Wichtig zu wissen: Es gibt keine Pizza. 

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