Der schwarze Reinhold und der Sozi Gernot Erler

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Wolfgang Drechsler war gleich zweimal Gast.

18 politische Aschermittwoche mit prominenten Gastrednern gab es und manches Kuriosum. Ein Rückblick.

Oberkochen. Corona schwingt die Keule, der politische Aschermittwoch fällt flach. Ein Blick zurück: Es war Richard Burgers Idee, vor 18 Jahren den Politischen Aschermittwoch ins Leben zu rufen. Und in den Folgejahren gaben sich "Polit-Promis" die Klinke in die Hand, anfangs im Bürgersaal des Rathauses und ab 2017 im neuen Mühlensaal.

Der SPD-Ortsverein Oberkochen war Veranstalter. Nach ein paar Jahren gesellte sich der Kreisverband hinzu, um Kontakte zu potenziellen Rednern zu pushen, kreisweit Werbung zu machen, wegen der finanziellen Beteiligung und um die Resonanz durch die Beteiligung anderer Ortsvereine zu steigern. Alles drumherum wurde stets von den Ehrenamtlichen des hiesigen Ortsvereins organisiert. Der politische Aschermittwoch wurde zu einer festen Hausnummer.

2009 gab es erstmals einen "Verschobenen Aschermittwoch", ab 2013 wurde dies zur festen Einrichtung. Triftiger Grund: Je prominenter die Redner, desto mehr gab es Terminkollisionen. "Wir mussten einfach flexibel sein", erinnert sich Richard Burger. Es sei nicht immer einfach gewesen, den gewünschten Redner nach Oberkochen zu bekommen, weil die eben sehr gefragt waren. Je nach Prominenz gab es auch Empfänge beim Bürgermeister und örtlichen Weltunternehmen.

2020 war der SPD-Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch da, 2019 wurde SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil begrüßt. Binnen 18 Jahren reihen sich bekannte Politiker ein, wie etwa der ehemalige Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler, der gleich zweimal da war, Justizministerin a. D. Herta Däubler-Gmelin oder die OBs aus München und Ulm, Christian Ude und Ivo Gönner.

"An Ude war ich lange dran, für den hätte ich den Aschermittwoch auch in den Herbst verlegt", blickt Burger zurück. Peter Friedrich kam 2015 mit Gipsbein und Krücken just am Geburtstag von Richard Burger und hielt eine flammende Rede.

Telegen zeigte sich der Politische Aschermittwoch beim zweiten Auftritt von Wolfgang Drexler, als die Veranstaltung 2007 zum "baden-württembergischen Aschermittwoch" auserkoren wurde und ein SWR-Team filmte. Burgers Stimme wird leise, als er vom ehemaligen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, erzählt, der im Oktober 2020 völlig überraschend verstorben ist. Ihn hätte er sich für 2015 als Redner gewünscht. Das klappte nicht, dafür kam Oppermann außer der Reihe 2016 vor der Landtagswahl.

Dass Richard Burger und Reinhold Vogel Freunde sind, ist kein Geheimnis. Aber 2012 schwappten in Teilen der CDU die Wogen hoch. Im Urlaub auf Sardinien hatte CDU-Stadtrat Reinhold Vogel ganz zufällig Gernot Erler getroffen, damals stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag und außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Die beiden verstanden sich gut. "Ich habe ihn gefragt, ob er nicht mal beim politischen Aschermittwoch in Oberkochen auftreten will", erzählt Vogel. Und siehe da, der Erler flog aus Berlin ein. Die Urlaubsbekanntschaft wurde aufgefrischt, in seiner Eigenschaft als Revierförster unternahm "der schwarze Reinhold" mit dem "Sozi Gernot Erler" eine Waldbegehung. Aus Berlin eingeflogen auf Einladung von Vogel. "Ich dachte nicht an ein lokalpolitisches Verbrechen", blickt Vogel zurück. So richtig baff, aber auch enttäuscht sei er gewesen, als er einen Brief aus den Reihen seiner Partei erhielt und ihm dafür sogar Konsequenzen angedroht worden seien, weil die CDU-Basis wegen Vogels Verhalten aufgewühlt sei. Vielleicht auch deshalb, weil er dann als CDU-Stadtrat beim politischen Aschermittwoch der SPD anwesend war. Heute lacht Vogel über den damaligen "Fast-Eklat" und betont: "Es ist doch schön, wenn aus einer Zufallsbekanntschaft etwas für die Region entstanden ist." Es sei einfach lustig und nicht alltäglich gewesen, als "ich mit dem Gernot auf Sardinien in kurzen Hosen durch die Gegend gepirscht bin."

Der einstige Münchener OB Christian Ude,
Andreas Stoch war 2020 beim Politischen Aschermittwoch.

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