Dickes Lob und Dresche

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Jede Menge Platz für Spiel, Spaß und Abenteuer: So sieht der Entwurf der Spielplatzplaner für den Primelweg aus. Dafür gab es Lob, doch Größe und Kosten sorgen für Gesprächsstoff.
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Die Stadt nimmt eine halbe Million Euro für den Bau des Kinderspielplatzes im Primelweg in die Hand. Wie dort ein Eldorado für Kinder entstehen soll. 

Oberkochen. Rettet den Spielplatz“ lautete vor Monaten das Motto einer Bürgerinitiative. Man hegte Befürchtungen, dass der Kinderspielplatz ausradiert werden sollte. Jetzt soll der Kinderspielplatz in Vernetzung mit dem Bau einer Sozialstation und 44 Wohneinheiten als Quartiersplatz konzipiert werden, der quasi auch das Entree zum Gesamtprojekt bildet. Jetzt wurde die Konzeption im Gemeinderat vorgestellt und auch verabschiedet mit Kosten in Höhe von einer halben Million Euro. Bedeutend kleiner, aber komprimiert und mit allerhand pädagogisch-didaktischen Besonderheiten.

„Es wird einen Spielplatz für kleinere, mittlere und größere Kinder geben, auf den sich alle freuen dürfen“, sagte Bürgermeister Peter Traub. Was Bernhard Hanel vom Büro „KuKuk“ aus Stuttgart vorstellte, ließ dickes Lob seitens der Gemeinderäte folgen, aber auch die Vorahnung, dass die Stadt wieder Dresche bekomme, weil alles viel kleiner sei als vorher. Keine Frage, kaum ein Wunsch bleibt offen, wie die präsentierten Bilder zeigten.

Entdeckungsreise für Kinder

„Wir wollen naturnahe, lebendige Spielräume für Kinder schaffen und dies tun wir mit der Generierung von Spiellandschaften“, erklärte der Planer im Gemeinderat. Möblierte Produkte blieben außen vor, Kinder sollten auf Entdeckungsreise gehen und ihrer Phantasie freien Lauf lassen. „KuKuk“ hat viele Referenzen weltweit, auch der „Himmelsstürmer“ der Schwäbisch Gmünder Gartenschau entstammt der Planungskiste des Stuttgarter Büros.

Im Workout-Bereich gelangt man über Hangelleitern, Reckstangen und Balancierstämme zu einem Sitz- und Liegepodest, welches in eine Kletterstruktur mit Seilen, Stämmen und Kletterwänden überleitet. Drei verschiedene Kuben ermöglichen den Ausguck über den gesamten Platz und enden in einer drei Meter hohen geschwungenen Röhrenrutsche. Über einen teils überdachten Steg gelangt man zum Kreativbereich, der mit einer Wasserrinne und Matschpodesten zum Spielen im Sand einlädt. Dies nur ein Beispiel von vielen kreativen Elementen. Als Gestaltungsmittel sollen hauptsächlich wartungsarmes Robinienholz, farbiges Acrylglas und individuell formbarer Beton verwendet werden.

Der Planer selbst betonte, dass „die Größe des Quartiersplatzes eher überschaubar ist.“ Im Detail ging er auf die Konzeption ein (…siehe Bilder ). In der Tat sei der Platz nicht groß, eröffnete Peter Beck die Diskussion. Aber man brauche eben die Sozialstation und die Wohnungen. Klar sei auch, dass man eine Riesenmenge Geld ausgebe. Aber der Quartiersplatz sei die beste Investition auf dem Gesamtareal. „Die Größe ist eventuell ein Streitpunkt“, argwöhnte Beck, aber Kinder jedes Alters hätten den Nutzen.
Spielplatz für ganz Oberkochen

Eine gute Vernetzung von Alt und Jung und auch die künftigen Bewohner und die Pflegebedürftigen der Sozialstation seien mittendrin, befand Rainer Kaufmann. „Teuer und gut“, fügte Kaufmann hinzu. Es seien Welten zwischen dem Status Quo und der zukünftigen Gestaltung, erklärte Götz Hopfensitz. „Wir bekommen keinen Spielplatz, sondern einen Lebensplatz“, fügte Hopfensitz hinzu.

Man habe durch die Bürgerinitiative „Rettet den Spielplatz“ viel Kritik einstecken müssen, erinnerte Ulrich Marstaller. Dem Gemeinderat und der Verwaltung sei jetzt die Rettung gelungen. „Es gibt Leute, die werden uns das jetzt um die Ohren hauen“, vermutete Richard Burger. Allerdings entstehe jetzt ein Spielplatz mit einer überragenden Konzeption.

Dr. Joachim Hepner brachte die Sache auf den Punkt. Man diskutiere unter viel zu negativen Aspekten. „Wir reden über einen Spielplatz Primelweg, der für ganz Oberkochen steht“, so der Grünen-Sprecher. Sein Ratschlag: „Abwarten und die Kinder darüber sprechen lassen. Der Beschluss pro Spielplatz erfolgte einstimmig, Projektbeginn ist 2023.

Eklat im Gemeinderat

Während des Tagesordnungspunkts „Spielplatz Primelweg“ kam es zum Eklat, als Bernhard Schönherr als Zuhörer gut hörbar moserte. „Ihre unqualifizierten Kommentare werden gehört“, sagte Traub: „Wir können darauf verzichten.“ Nicht zum ersten Mal, dass Schönherr und Traub aneinander gerieten, zuletzt bei der Gebäudehöhe im Projekt „Sozialstation“ im Uhlandweg. „Sie haben eine äußerst negative Haltung zu allem und Sie zeigen damit Ihre Geringschätzung gegenüber diesem ehrenamtlich tätigen Gremium“, erklärte der Bürgermeister. Er empfahl Schönherr, andere Meinungen zu respektieren.

Schwörz: Kosten noch im „Grünen Bereich“

Exorbitante Angebote hatte es jüngst beim Gewerk „Estrich- und Fliesenarbeiten“ gegeben und es musste neu ausgeschrieben werden. Den Zuschlag erhielt als wirtschaftlichstes Angebot die Firma Reiser aus Bad Saulgau zum Preis von 1316131 Euro.
Von guten Fortschritten sprach Bürgermeister Peter Traub im Gemeinderat. Es habe sich gelohnt, dass der Gemeinderat die Entscheidung über die Vergabe von Bauleistungen befristet bis Ende 2022 an den Bürgermeister bzw. dessen Stellvertreter übertragen habe, um die Zuschlags- und Bindefrist bei öffentlichen Bauaufträgen so kurz wie möglich zu halten. Die Marktlage werde immer schwieriger, erklärte Traub. Auch das jetzige Angebot fürs Gewerk „Estrich/Fliesen“ liegt zirka 26 Prozent über dem Kostenvoranschlag. Stadtbaumeister Johannes Thalheimer betone, dass die Angebote bei der vorherigen Ausschreibung „exorbitant hoch gewesen sind.“

Im Rahmen des fünften Ausschreibungsblocks wurden auch die Gewerke „Schnellbauzargen und Innentüren“ an die Firma Schäble in Goldburghausen (250199 Euro) und „Trockenbau“ an die Firma Reisser in Aalen in Aalen (256154 Euro) vergeben. Momentan liege man in der Kosten-Zwischenbilanz im grünen Bereich.

„Dies ist bei einem Projekt von insgesamt 38 Millionen Euro eine gute Sache“, kommentierte der Bürgermeister. Rainer Kaufmann pflichtete bei, überall explodierten die Kosten, so auch mit Blickrichtung Aalen. Spannend in Sachen Kostenfortschreibung werde es, wenn die Ausbaugewerke begännen, blickte der Stadtbaumeister auf die kommenden Monate. Vor allem hoffe man, alle Handwerker zeitgerecht ins Boot zu bekommen. 

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