Die GEO, der Kunde und die Gaskrise auf der Ostalb

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Über ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt aktuell aus Russland.
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  Was bedeutet die Energiekrise für das Unternehmen in Oberkochen? Der kaufmännische Leiter der GEO im Gespräch.

Oberkochen

Woher bezieht die GEO, die Essingen, Oberkochen und Heubach mit Energie versorgt, Gas und Strom? Was bedeutet die Krise für das Unternehmen? Und ganz wichtig für die Kunden: Wie teuer wird es, wenn man im kommenden Herbst und Winter die Heizung aufdreht? Was passiert, wenn die Haushaltskasse zu klamm ist, um die Energiekosten zu zahlen? Antworten darauf gibt Holger Röhrer, Kaufmännischer Leiter der Gesellschaft für Energieversorgung Ostalb, kurz GEO.

Das ist die Situation:

Der Gasimport aus Russland stockt. Die Preise für Gas & Co. sind um das Zigfache gestiegen. Bekanntlich nicht erst seit Gazprom die letzten 10 Prozent der Lieferung über Nord Stream 1 wegen eines „Öllecks“ weiterhin aussetzt. Die Kunden sind verunsichert mit Blick auf das, was auf sie in den nächsten Wochen und Monaten zukommt. Doch Holger Röhrer, Kaufmännischer Leiter der GEO, bleibt zuversichtlich, auch wenn er betont, dass die Situation schwierig ist und bleibt. „Wir lassen die Bürger nicht im Stich“, zitiert der GEO-Prokurist Bundeskanzler Olaf Scholz. Es gebe für alles eine Lösung. Röhrer stellt das als „kommunaler Versorger mit Blick auf die Menschen“  in Aussicht, um aber dabei auch darauf hinzuweisen: „Jede Kilowattstunde, die die Bürgerinnen und Bürger nicht verbrauchen, steht im Winter zur Verfügung.“ Deshalb hebt Röhrer hervor, dass in der Energiekrise jeder sein Scherflein dazu beitragen müsse, die Gasspeicher zu entlasten.

Woher bezieht die GEO ihr Gas?

Die GEO bezog und bezieht - wie andere Stadtwerke auch - ihr Gas von den klassischen Exporteuren. Holger Röhrer nennt Fakten aus dem vergangenen Jahr. 52 Prozent lieferte Russland, 30 Prozent Norwegen, 8 Prozent die Niederlande und 5 Prozent Deutschland. „Innerhalb von zehn Jahren hat die Liefermenge Russlands um 20 Prozent zugenommen“, ordnet Röhrer die Zahlen ein.  Norwegen habe seinen Export im vergangenen Jahrzehnt leicht gesteigert. In der jetzigen Krise seien  Alternativen fürs russische Gas dringend nötig. Man sei auf einem guten Weg. Röhrer nennt die schwimmenden LNG-Terminals für Flüssiggas, spricht in dem Zusammenhang von einer wachsenden Infrastruktur, von erreichten Füllständen der Erdgasspeicher und von der Diversifikation von Erdgasquellen und meint damit Gaslieferungen aus Ländern wie Katar oder die Emirate. Der Instrumentenkasten der Regierung sei vielfältig.

Die GEO und ihr Instrumentenkasten

Doch auch die GEO habe einen Instrumentenkasten. Sie kaufe  die Energie ein in einem Verbund von elf Versorgern aus ganz Baden-Württemberg. „Fast zwei Terawattstunden Gas“, sagt der Experte zur Einkaufsmenge, die ungefähr für 100.000 Einwohner in einer Heizperiode reiche. Dank des Verbunds gebe es finanzielle Vorteile beim Einkauf der Energie an der Börse. Das zeige sich bei der Preiskalkulation der GEO.

Kosten und Kunden

Trotz dieser Aussage Röhrers - Fakt ist, die Kunden sorgen sich in diesen Tagen mit Blick auf die Preisentwicklung und der hohen Inflationsrate. Schließlich hat Röhrer auch einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um das Zwanzigfache auf dem Energiebeschaffungsmarkt eingeräumt. Doch den gebe die GEO so nicht weiter. Röhrer erklärt: 87 Prozent der GEO-Kunden seien sogenannte Bestandskunden mit Verträgen über ein oder zwei Jahre Laufzeit. Ein Vier-Personen-Haushalt mit 20.000 KWh pro Jahr Gasverbrauch zahle bis Ende September 1352 Euro; ab 1. Oktober komme die staatliche Umlage in Höhe von 600 Euro hinzu, sodass der Kunde pro Jahr mit 1942 Euro rechnen müsse. „Damit halten sich die Kosten in einem erträglichen Bereich.“ Wer keine Vertragsbindung habe, der stehe bei der GEO aktuell ab dem 1. Oktober bei circa 3000 Euro Jahreskosten. Neukunden müssten - inklusive der Gasspeicher- und Gasbeschaffungsumlage - beim gleichen Verbrauch mit knapp 4000 Euro pro Jahr rechnen. „Ich bin überzeugt, wir können unseren Kunden die Sicherheit  bis zum 31.12. geben.“ Darüber hinaus, so Röhrer, seien Prognosen schwierig, aber die GEO als kommunaler Versorger werde sich um verträgliche Lösungen bemühen.

Uniper und die GEO

Der durch die gedrosselten Gaslieferungen Russlands in finanzielle Schieflage geratene Gasimporteur Uniper zählt auch zu jenen Energiekonzernen, von denen auch der Verbund der GEO Energie bezieht. Auf Nachfrage erklärt der kaufmännische Leiter, dass auch die GEO - wie viele Stadtwerke - in einer gewissen Abhängigkeit zum Gasversorger Uniper stehe. Die Staatsbeteiligungen und die Umlage seien vor diesem Hintergrund unabdingbar gewesen, räumt Röhrer ein. Nun brauche die Branche Klarheit, wie es vor allem nach dem 31. Dezember weitergehe.

Die Krise und die GEO

Dank eines soliden Eigenkapitals sei die GEO aktuell krisensicher aufgestellt. Zudem bestehe ein enger, regelmäßiger und partnerschaftlicher Austausch der Energieversorger auf der Ostalb. Hinzu komme ein enger Austausch mit den Gesellschaftern Essingen, Heubach und Oberkochen.

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