Die Winterzeit ist nichts Natürliches

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Hobby-Astronom Richard Burger.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Hobby-Astronom Richard Burger mit diesem Thema. Warum er die Diskussion um die jährlich zweimalige Umstellung nicht versteht.

Oberkochen

Es geht mir auf den Geist, was jedes Jahr zweimal in der Presse steht und im Netz diskutiert wird", meldet sich Richard Burger bei dieser Zeitung. Immer wieder sei in Beiträgen zum Thema "Zeitumstellung" zu lesen, man solle es doch "bei der natürlichen, der normalen und der richtigen Zeit belassen, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat." Die Umstellung sei lästig und bringe nichts, lediglich die innere Uhr komme durcheinander.

Richte man sich nach dem Sonnenhöchststand, müsste jeder Ort, je nachdem, wie weit er im Osten oder Westen liegt, eine andere Zeit haben, erklärt Burger. Weil dies mit zunehmender Mobilität immer unpraktischer geworden sei, habe man 1893 in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) eingeführt, die von Ostpolen bis nach Westspanien reiche. Allen Menschen in dieser Zeitzone sei die gleiche Zeit aufgezwungen worden. Sie sei "nicht seit jeher und schon gar nicht natürlich", aber die Menschen hätten sich daran gewöhnt.

Innerhalb der Zeitzone MEZ stehe ganz im Osten Polens die Sonne mehr als zweieinhalb Stunden früher im Zenit als ganz im Westen Spaniens. "Trotzdem haben alle zur gleichen Zeit zwölf Uhr, also von natürlich keine Spur", sagt Burger.

"Ich oute mich als Freund der Zeitumstellung von Normalzeit auf Sommerzeit", sagt er. Und dies keinesfalls wegen der Energieeinsparung, die sei nämlich marginal. Aber, so Burger: "Man hat mehr vom Tageslicht. Nicht jeder hat ab 15.30 Uhr frei, viele müssen bis 19 Uhr arbeiten" und es sei eben schön, bei Sommerzeit bis fast 22 Uhr seine Aktivitäten draußen bei Tageslicht zu gestalten. In Baden-Württemberg wäre es in den (späten) Sommerferien gegen 19 Uhr dunkel, dafür schon vor 4 Uhr hell. "Vergeudete Helligkeit, weil fast alle schlafen", sagt Burger.

Und warum nicht das ganze Jahr bei der Sommerzeit bleiben? "Weil dann im Winter bei uns die Sonne erst nach neun Uhr am Vormittag aufgehen würde und viele, die ihren Beruf im Freien ausüben, müssten lange in Dunkelheit arbeiten."

Dass viele die Zeitumstellung als lästig empfinden, will Burger gar nicht verstehen. Man stehe stundenlang in Staus, warte vor Kassen, verplempere Zeit mit vielen unnützen Dingen und das werde alles klaglos hingenommen "und die paar Minuten Uhrenumstellung zweimal im Jahr seien lästig? "Vielleicht zeigt uns Corona, was wirklich lästig ist."

Auch das "Argument mit der inneren Uhr, die völlig durcheinander kommt" geht Burger auf den Keks. Deutsche gehörten zu den Reiseweltmeistern, verreisten rund um den Globus, alles mit Uhrenumstellung, oft viele Stunden und freiwillig. "Wie sieht es da mit der inneren Uhr aus?", hinterfragt er. Ginge es wirklich nach der inneren Uhr, dann müsse man jeden Tag exakt zur gleichen Zeit aufstehen, essen und ins Bett gehen.

Burger berichtet von einer Umfrage zur Zeitumstellung unter den 500 Millionen EU-Bürgern, an deren gerade einmal 3,5 Millionen teilgenommen hatten. Fast alle seien aus Deutschland gewesen, fast alle waren dagegen. Leider, so Burger abschließend, werde die Zeitumstellung wohl wieder abgeschafft. Verbunden mit "mit einem Flickenteppich an Zeitzonen in den verschiedenen Ländern der MEZ, weil, wie so oft, die laute Minderheit die schweigende Mehrheit dominiere. "Dann viel Spaß, wenn man schnell mal nach Österreich, die Schweiz, Frankreich oder nach Dänemark fahren will und dort ist eine andere Zeit, die innere Uhr durcheinanderbringt", blickt Richard Burger in die Zukunft.

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