Dietrich Bantels Römerkeller – eine Raststation

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Der Römerkeller in heutiger Zeit.

In den 1970er Jahren hat der verstorbene Heimatforscher mit EAG-Schülern den Römerkeller freigelegt.

Oberkochen. Heimatforscher Dietrich Bantel, verstorben im März 2018, hat Oberkochens Geschichte an vielen Stellen sichtbar gemacht. Geschehen ist die beispielsweise am Römerkeller im Gewann "Weilfeld."

Es war der Landwirt Konrad Posmik, dem Mauerreste auf seinem im Weilfeld am Ortsrand liegenden Acker aufgefallen waren. Zwischen 1966 und 1971 hat er sich mehrmals ohne Ergebnis an die Stadtverwaltung gewandt. Schließlich nahm Posmik Kontakt auf zum Kunstlehrer und Heimatforscher Dietrich Bantel, sehr wohl wissend um dessen ortshistorisches Interesse.

Eine gemeinsame Besichtigung führte zunächst zu der Vermutung, dass es sich bei den Mauerteilen um Reste einer etwas abseits der Verbindungsstraße gelegenen römischen Siedlung handeln könnte. Bantel setzte sich sofort mit Kreisarchivar Bernhard Hildebrand in verbindung und er begann – mit dem Segen des Landesdenkmalamts – mit der Freilegung.

Aktion mit Schülern

Bantel machte aus der Aktion ein pädagogisch-historisches Projekt. Zahlreiche Schüler der Klassen zwölf und 13 des Oberkochener Gymnasiums wurden involviert und an den Ausgrabungen beteiligt. Eine echte Kärrner-Arbeit über viele Monate hinweg. Geschichts-Unterricht mit Kopf, Herz und Hand.

Zum Vorschein kam der Keller eines Gebäudes, das man lange für eine römische "villa rustica" hielt, die zwischen 150 und 200 nach Christus entstanden sein musste.

Das Landesdenkmalamt nahm an, dass das Gebäude keine militärstrategische Bedeutung hatte, sondern ein Nebengebäude eines größeren Gutshofs war. Dafür sprachen unter anderem Ziegelplatten, die auf die Anlage eines Brennofens hindeuteten. Weitere Gebäudereste oder Spuren konnten allerdings bis heute nicht gefunden werden.

Auch nicht im Rahmen einer groß angelegten geophysikalischen Prospektion, die das Landesdenkmalamt 2011 durchführte. Zwar wurden dabei nördlich des Römerkellers Reste eines Badehauses gefunden, weitere Siedlungsspuren aber nicht.

Mittlerweile hat sich deshalb die Ansicht durchgesetzt, dass der Römerkeller zu einer Straßenstation gehörte, an der Durchreisende Rast machen konnten. Neben Unterbringung und Verpflegung gehörten offensichtlich auch Annehmlichkeiten eines typischen römischen Badehauses zum Angebot.

Dauerausstellung im EAG

Bei den Grabarbeiten anno 1971 wurden hunderte Keramikscherben, verzierte Terrasigillata-Scherben, ein schüsselartiger Teller, römischer Beton, Estrich- und Verputzteile, Metall- und Glasteile sowie Heizungs- und Dachziegel gefunden. Außerdem der Abdruck einer Hundepfote und eine Getreidemischung, die aus nicht weniger als 20 Sorten bestand. Vor allem aber ein erstaunlich raffinierter und gut erhaltener römischer Sicherheitsschlüssel.

Sämtliche Funde aus dem "Weilfeld-Römerkeller" werden in einer Dauerausstellung im Gymnasium präsentiert.

Der römischen Straßenstation war keine allzu lange Bestandzeit gegönnt. Vermutlich wurde sie in der Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts zerstört, als sich die Römer in Süddeutschland heftiger Angriffe der westgermanischen Chatten erwehren mussten.

Geblieben ist ein Kleinod im Weilfeld, das von Spaziergänger gerne zum Verweilen aufgesucht wird. Mehrmals wurde die Freilegung der Anlage auch schon von Vandalen heimgesucht. Bereits 1976 hatte die Stadt dem Gymnasium die Obhut über den Römerkeller übertragen.

Bereits fortgeschrittene Ausgrabung im "Weilfeld" 1971.
Fotodokumentation der Ausgrabungen von einer Leiter aus

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