Ein schwieriger Anfang

  • Weitere
    schließen
+
Die katholische Kirche Sankt Peter und Paul wurde vor 120 Jahren erbaut. Um dies zu finanzieren brauchte es etwas Krativität.
  • schließen

Wie mehrere Rechtsstreitigkeiten und ein kreativer Geistlicher den Bau der Kirche auf den Weg gebracht haben.

Oberkochen

Bis heute sichtbar ist für jedermann in Oberkochen ein Kraftakt, der sich über mehrere Jahrzehnte hinzog und für die damalige katholische Pfarrgemeinde eine unerhörte Anstrengung darstellte: Der Neubau der katholischen Kirche an der Wende zum 20. Jahrhundert.

Zum einen erwies sich die 1773 erbaute Barockkirche angesichts des ab Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Bevölkerungswachstums als viel zu klein. Die Kirche war aber auch bautechnisch marode. Erschwerend hinzu kamen die strengen Bürokraten des Oberamts Aalen, denen der innerstädtische Friedhof neben der Kirche aus gesundheitlichen Gründen zunehmend ein Dorn im Auge war. Mehr noch, sie drohten wegen der Einsturzgefahr sogar mit der Schließung der Kirche von Amts wegen. Hinzu kam, dass der damalige Geistliche, Pfarrer Breitenbach, sogar eine Klage beim Verwaltungsgericht in Stuttgart wegen der Baulastenübernahme einreichen musste, dann aber Recht bekam.

Der nimmermüde „Bettelprediger“ Emil Bucher

Dann trat die württembergische Finanzverwaltung auf den Plan, auch hierblieb die hartnäckige Geistlichkeit siegreich. In „Ansehung der Notlage der Gemeinde“ zahlte die Finanzverwaltung einen Zuschuss von 12 000 Reichsmark.

Parallel zur Klärung der Finanzierungsfragen hatten in Oberkochen bereits die Planungen für die neue Kirche begonnen, die ursprünglich auf einem Grundstück westlich der Hauptstraße entstehen sollte. Ohne die Kostenübernahme aus Stuttgart war dies aber nicht möglich, weshalb man sich für eine andere Lösung entschied: Die neue Kirche, im Volksmund bereits spöttisch als „Verjährungskirche“ tituliert, sollte an der Stelle der alten entstehen – unter Überbauung eines Teils des Friedhofs, aus Platzmangel ohne Kirchplatz, aber unter Beibehaltung der Turmfundamente und damit auch der Ortsausrichtung des Kirchturms.

Hohe Kosten, kreativer Pfarrer

Vom Entwurf der Stuttgarter Architekten Beisbarth und Früh war man begeistert, die veranschlagten Kosten in Höhe von 130 000 Reichsmark aber trieben Schweißperlen auf die Stirn der Kirchenmänner. Hier erwies sich der seit 1897 in Oberkochen amtierende Pfarrer Emil Bucher als wahrer Segen für die Kirchengemeinde. Nichts ließ der rührige Seelsorger unversucht, um Gelder für den Kirchenneubau zu sammeln. Auf zahlreichen Reisen in ganz Württemberg hielt er Bettelpredigten und kreativ war der Geistliche überdies, in dem er Anzeigen mit Spendenaufrufen und sogar eine Lotterie startete – eine Sensation zur damaligen Zeit.

Es folgte eine überbordende Opferwilligkeit und man konnte schließlich den Bau in Angriff nehmen. Im März 1899 erfolgte der erste Spatenstich, am 25. Oktober 1900 wurde das Gotteshaus von Bischof Paul Wilhelm von Keppler in großem Stil eingeweiht. Im „Grünen Baum“ wurden die Feierlichkeiten weltlich-üppig mit einem Festessen beschlossen.

Zurück zur Übersicht: Oberkochen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL