Ein Wegkreuz schreibt Geschichte

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Dieses Wegkreuz der Familie Balle am Langertstein wurde jetzt restauriert. Es erinnert an die Leidensgeschichte des Kriegsheimkehrers Josef Balle.
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Auf Initiative von Matthias Balle wurde das Wegkreuz im Vorderen Wolfertstal erneuert. Eine ganz besondere Oberkochener Geschichte.

Oberkochen

Das Wegkreuz wurde im Jahre 1948 von Anton Balle (Katzenbachstraße 15) zum Dank an die Kriegsrückkehr des Sohnes Josef Balle als Zeichen der Dankbarkeit am Langertstein errichtet und im Rahmen einer feierlichen Prozession vom damaligen Pfarrer Matthias Jans eingeweiht. Jetzt nach mehr als 70 Jahren wurde der Stamm aufgearbeitet und der Corpus durch einen wetterbeständigen Kunstharz-Christus ersetzt.

Ein bewegender Tag wird es für die „Balle-Dynastie“ sein, wenn es am Sonntag, 18. Juli um 17 Uhr von Pfarrer Andreas Macho wiedereingeweiht und gesegnet wird. Bruno Balle, der Bruder von Josef Balle, weiß viel zu berichten über Josefs Schicksal und warum zu seiner Ehre und Erinnerung dieses Feldkreuz errichtet wurde.

Einfach, aber glücklich sei man als Bauernfamilie mit fünf Kindern im Katzenbach aufgewachsen. Allergrößte Vorbehalte habe es gegenüber dem Nazi-Regime gegeben und auch Josef habe große Schwierigkeiten gehabt mit einer Beteiligung an der Hitler-Jugend. Er habe sich dagegen gewehrt, bis ihm schließlich gedroht wurde und er dann zur sogenannten „Bannführung“ nach Aalen zitiert wurde.

Josef Balle gehörte der katholischen Jugend (DJK) an, er besuchte die katholische Bekenntnisschule, bis die Nazis die katholischen Vereine und Verbände und auch die Bekenntnisschule auflösten. Die Anti-Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen System und das christlich-katholische Bekenntnis hätten die „Balle-Dynastie“ von jeher geprägt, erzählt Bruno Balle. Diese Haltung habe auch Vater Anton Balle geprägt, dem mit der Verlagerung ins KZ nach Dachau gedroht wurde.

Im Krieg hatte Josef Balle an der Ukrainefront Füße und Zehen erfroren, was eine Teilamputation zur Folge hatte. Im Juni 1944 kam er an die Ostfront und wurde dort durch Granatsplitter verletzt. Schwer verletzt wurde er in Oberschlesien operiert. „Den Josef sehen wir nicht mehr“, sagte damals Vater Anton Balle. Immer trug Josef im Krieg eine Reliquie bei sich und überlebte, am 1. Juni 1945 wurde er durch die amerikanische Besatzungsmacht entlassen.

Mit dem Zug und per Anhalter fuhr er nach Aalen. Ein reiner Zufall, dass an der „Wacht am Rhein“ ein Bekannter aus Oberkochen vorbeifuhr, der die Kunde nach Oberkochen vermittelte, dass man den Josef abholen könne. Der Fahrradfahrer war Adolf Grupp, der den Altvorderen in Oberkochen noch gut in Erinnerung sein dürfte.

Die Leidenszeit von Josef Balle war aber noch nicht zu Ende. Gleich im folgenden Jahr musste er den Kriegseinwirkungen Tribut zollen, ein Bein musste amputiert werden und dies im blühenden Alter von 21 Jahren. Den Beruf des Landwirts konnte er nicht mehr ausüben. In verschiedenen Tätigkeiten bei der damaligen Gemeinde Oberkochen verdiente er den Lebensunterhalt.

„Das Wegkreuz soll ein Zeichen der Dankbarkeit und der Erinnerung sein“, betont Matthias Balle, der Initiator der Wegkreuz-Renovierung. Für die Familie habe das Wegkreuz eine besondere Bedeutung. Zum einen der historische Zusammenhang mit der glücklichen Rückkehr seines Onkels aus dem Krieg. Zudem sei man als Bauernfamilie beim Aufsuchen der Felder oft an diesem Feldkreuz vorbeigekommen.

Es soll aber auch ein besonderes Zeichen christlichen Glaubens der Balle-Sippe sein. Vater Anton Balle war über Jahrzehnte Mitglied des Kirchengemeinderats und es sei sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass das Feldkreuz in einem schönen Zustand gehalten werde, erzählt Matthias Balle, der selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Viele Menschen hätten auch nach dem Kreuz gefragt, als es entfernt war und von den Handwerkern aufgerichtet wurde. Nicht zuletzt sei das jetzt zur Wiedereinweihung anstehende Idyll im Wolfertstal auch für die vielen Spaziergänger im Naherholungsgebiet eine schöne Möglichkeit der besinnlichen Einkehr und Ruhe.

Ein Zeichen der Dankbarkeit und der Erinnerung.“

Matthias Balle

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