Ein Weltenbummler aus Oberkochen

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Wilfried Müller, der „Billie“, ist nicht nur in Oberkochen zu Hause. Immer wieder zog es ihn hinaus in die Ferne. Sein Herzensland ist Thailand.
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Wilfried „Billie“ Müller (70) ist waschechter Oberkochener und in der Stadt wohlbekannt. Nicht zuletzt durch seine Arbeit für den Heimatverein. Was der „Schwäbische Thai“ alles erlebt hat. Von Lothar Schell

Oberkochen

Gestern ist der „Billie“ siebzig geworden. Richtig feiern will er erst im Sommer. In der Stadt sagt eigentlich niemand Wilfried, er ist der „Billie“ und die Freunde in Thailand nennen ihn „Wichai“. Sein Leben beschreibt er so: „Oberkochen ist mir Heimat und Hafen, von dem aus ich immer wieder aufbreche. Die Schweiz ist meine Wahlheimat und Thailand ist mein Herzensland.“ Darüber später mehr. Als Hausgeburt wurde er in der Sonnenbergstraße 34 geboren, Hebamme war seine Oma „Babette“ Müller, geborene Gröber aus Brastelburg, die zu ihrer Zeit bestimmt das halbe vordere Härtsfeld zur Welt gebracht hatte. In Oberkochen ging der Billie zur Schule, Volksschule Dreißental und Gymnasium. 1969 begann er seine Lehrzeit als Industriekaufmann bei Gebrüder Leitz. Trotz Bodenständigkeit hat Billie Müller schon immer das Fernweh im Blut. So heuerte er als Zeitsoldat bei der Marine an. „Eine tolle Zeit, ein gutes Stück meines Lebens“, sagt er. Neun Monate Ausbildung auf Sylt und ein Schiffskommando auf dem Zerstörer „Mölders“ folgten, der heute als Museumsschiff in Wilhelmshaven am Hafen liegt. Mit der Marine hat Müller 80000 Seemeilen rund um die Welt abgeleistet.

Nach „Z 4“ bei der Marine war Schluss, für Müller gab es eine berufliche Renaissance bei seiner Lehrfirma. Dem damaligen Personalchef Horst Bengel, all zu früh verstorben, ist er heute noch sehr dankbar. „Ein toller Mensch, der die persönliche Nähe suchte“, blickt Billie zurück. Bis zum „Unruhestand“ anno 2016 arbeitete er bei Leitz und durfte dort das rasante Wachstum des Weltunternehmens mitgestalten. Mittendrin auch unvergessene Auslandsreisen, die dem Weltenbummler natürlich auf den Leib geschrieben waren. „Oberkochen ist klasse, aber manchmal schon ein wenig eng“, lacht er. In Thailand lernte er 1978 seine Urlaubsbekanntschaft La-ied Wefur aus Bangkok kennen. Trotz der Scheidung im Jahr 2000 ist Thailand sein Herzensland geblieben. Immer wieder zieht es ihn dorthin. „In Thailand bleibt man immer Freund, ist nie ausgegrenzt, man bleibt eine Familie“, beschreibt er die Lebensphilosophie der Thais. Seit 2000 steht für Billie die Schweiz auf seiner persönlichen Agenda, dort lernte er Renate Seiters aus Geroldswil kennen. „Während Corona konnten wir uns grenznah zur zuwinken“, sagt Müller. Die „Limmattaler Zeitung“ hatte über die grenznahe Bande berichtet. Heute pendelt der Billie zwischen Oberkochen und der Schweiz und Thailand ist immer mal wieder sein Herzensziel.

Ein Segen für den Heimatverein

„Nicht verzagen, Billie Fragen“, heißt es in Oberkochen, wenn man was Spezielles zu Heimat- und Lokalhistorie wissen will. Seim Metier ist das Schreiben und Recherchieren der heimatkundlichen Berichte fürs Amtsblatt „Bürger und Gemeinde“ und die Website des Heimatvereins. Er sorgt dafür, dass der Heimatverein, um den es doch sehr still geworden ist, am Leben bleibt. Aus einem ursprünglich geplanten Bericht über sein Geburtshaus sind inzwischen fast 120 stattliche Berichte über Land und Leute geworden. Dem nicht genug. Derzeit arbeitet Billie Müller daran, den Bildbestand des Rathauses von 1953 bis 1990 zu digitalisieren und zu indexieren. „Ich habe da sehr viel Freiheit, die mir Amtsleiter Jürgen Rühle gewährt“, unterstreicht der Schreiberling. Trotz angeschlagener Gesundheit ist Müller umtriebig geblieben. Gerne organisiert er regelmäßige Treffs mit den ehemaligen Leitz-Kollegen. Er meditiert gerne in deutschen und thailändischen Klöstern, fungierte als Co-Übersetzer für ins Deutsche für ein chinesisches Buch. Natürlich hat er – ganz intern – für die Familie ein Buch über sein prall gefülltes Leben geschrieben und die Familiengeschichte zu Papier gebracht. „Mein herzlicher Dank gilt allen Menschen, die mir Tür und Tor geöffnet haben“, diktiert der Billie dem Reporter in den Block und das kommt von Herzen. Fazit: Keine Person von der Stange, der „Schwäbische Thai“ aus Oberkochen, für den seit 2000 die Schweiz mit seiner Lebenspartnerin Renate Wahlheimat geworden ist und so teilt er eben seinen Unruhestand zwischen den Ländern auf.

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