Eine bewegte Geschichte endet

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Das Oberkochener Bergheim blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Zum Schuljahr 2022/23 ist hier Schluss.
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Von der Hitler-Jugend bis zur Sonderpädagogik: Warum das Bergheim wie kein anderes Gebäude in Oberkochen eine solch facettenreiche Verwendung hinter sich hat.  

Oberkochen 

Quo vadis Bergheim“ wird es heißen, wenn die Sonnenbergschule zum neuen Schuljahr zusammen mit der Musikschule das dann generalsanierte Tiersteingebäude beziehen wird. Der Gemeinderat wird in diesem Jahr darüber beraten, was mit dem Gebäude geschehen soll.

Eines dürfte klar sein: Das geschichtsträchtige Bergheim wird wohl abgerissen und naheliegend ist, dass droben am Sonnenberg Wohnbebauung entsteht. Der Bau des „Bergheims“, wie es in Oberkochen liebevoll genannt wird, geht ins Jahr 1938 zurück.

Dunkler Beginn, dann „Sonnenbergschule“

Es wurde gebaut, um dort die Hitler-Jugend und die Frauen des Kriegshilfsdiensts unterzubringen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude umgebaut und zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen genutzt.

Von 1953 bis 1958 diente das Bergheim als Kindergarten. Anschließend zog das Progymnasium Oberkochen (heute Ernst-Abbe-Gymnasium) als Außenstelle des Schubart-Gymnasiums Aalen mit drei Klassen ins Bergheim ein. 1969 erfolgte die Genehmigung für eine Sonderschule, die als Außenstelle der Aalener Pestalozzi-Schule fungierte. Die Gründung erfolgte am 9. September 1970 mit 21 Schülern und Hermann Weigold als einzigem Lehrer für die Klassenstufen drei und vier. Ein Jahr später wurde auch ein erstes und ein zweites Schuljahr eingerichtet.

In der Folge sprach sich der Oberkochener Gemeinderat einstimmig für den Verbleib der Sonderschule in Oberkochen aus. Grünes Licht, die Sonderschule in Oberkochen konnte als Außenstelle der Pestalozzi-Schule Aalen weitergeführt werden. Das „Ober-Rektorat“ oblag dem unvergessenen „Sonderschul-Papst“ Konrad Miller.

Oberkochen und Königsbronn an einem Strang

Unvergessen bleiben die beginnenden 1980er Jahre, als der damalige Königsbronner Bürgermeister Karl  Burr und sein Amtskollege Harald Gentsch wie die Berserker um eine eigenständige Sonderschule kämpften und gemeinsam mit dem damaligen kommissarischen Schulleiter Hans-Joachim Gentner das schier Unmögliche erreichten: Die Einrichtung einer gemeinsamen und eigenständigen Sonderschule unter der Trägerschaft Oberkochens.

Die Schule erhielt den Namen „Sonnenbergschule“ in der Tradition der Oberkochener Schulen nach Gewann-Benennung. 1972 wurde Hans-Joachim Gentner als Sonderschulrektor in sein Amt eingesetzt und er leitete das Kleinod auf dem Sonnenberg bis ins Jahr 1986. Seine Nachfolger  Ulrich Didszus und Hubert Neuburger konnten auf eine gut bestellte Schuleinrichtung aufbauen. Ein bedeutender Mosaikstein war die Gründung des Freundeskreises der Sonnenbergschule anno 1989 mit seinem ersten Vorsitzenden Dr. Klaus Holtz. Der Freundeskreis, der die Schule nachhaltig unterstützt und fürs Sponsoring sorgt, wird heute von Kerstin Gangl  mit großem Erfolg geleitet. Immer wieder sah es in den letzten zwei Jahrzehnten danach aus, als ob die Sonnenbergschule der Inklusion „geopfert“ und ins Dreißentelschal-Schulzentrum integriert würde. Was Rechtes, und dies in seinem  unnachahmlichen Förderrahmen mit zirka fünfzig Kindern, hatte Gott sei Dank Bestand. Was immer war – und geblieben ist – ist die Raumnot im altehrwürdigen Gemäuer, das zwar ein paarmal renoviert wurde, aber doch nach einer Generalsanierung geschrien hat.  

Eine Ära wird enden und Neuem weichen

Das wird sich zum Schuljahr 2022/2023 entscheidend verändern, wenn das Team um  die neue Rektorin Kathrin Rieck die neuen Räume am Tiersteinhang beziehen wird. Am Bergheim-Standort wird es wohl schicke und moderne Wohnungen geben, die in Oberkochen ja dringend benötigt werden. Ein bisschen Wehmut indes bleibt zurück.

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