Eine brandheiße Übung

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Auch das Ausziehen der Uniform nach dem Einsatz ist Teil der Übung.
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Satte 300 Grad über den Köpfen erleben Mitglieder der Feuerwehr Oberkochen zusammen mit der Werksfeuerwehr Carl Zeiss und der Aalener Wehr.

Oberkochen

Es ging im Schwerpunkt darum, das Verhalten des Feuers in Innenräumen zu studieren“, fasst Ebbers gleich einmal zusammen. Während der Ausbildung zum Atemschutzträger muss jeder Teilnehmer mindestens einmal zur „Wärmegewöhnung in einen Brandübungscontainer“, schildert der Feuerwehrmann. In der Wärmgewöhnung sitzen die Teilnehmer im Container, während in der vorderen Brennkammer Holz verbrannt wird. Im Laufe der Zeit steigt die Temperatur und die Rauchschichten an der Decke werden größer, bis es komplett dunkel und eine Orientierung kaum mehr möglich ist. „Das ist realistisch, denn bei jedem Zimmerbrand kann man eine solche Situation erwarten“, berichtet Ebbers nach dem Erlebnis mit satten 300 Grad über den Köpfen. Diese Situation vorab in Trainingsumgebung zu erleben sei immens wichtig.

Um das praktische Vorgehen zur Personensuche und Brandbekämpfung zu üben, hätten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in den vorherigen Jahren des Öfteren die Anlagen des „International Fire & Rescue-Training“ bei Tauberbischofsheim besucht. Jetzt waren die Container auf einem Parkplatz der Carl Zeiss AG im Industriegebiet aufgestellt. Ein Ausbilder demonstrierte anhand einer kleinen Brennkammer, wie sich Feuer ausbreitet und welche Rauchschichten sich bilden.

Danach hieß es „Ausrüsten und einsatzbereit machen“, denn jetzt ging es in voller Montur und unter Atemschutz zur Wärmegewöhnung in den ersten Brandübungscontainer. „Wobei man anstelle von Wärme besser von Hitze sprechen sollte, da die Temperaturen am Helm 300 Grad erreichen können“, sagt Frank Ebbers. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass hier nur ein kleines Feuer entzündet wurde – im Realfall in echten Wohnungen sei die Brandlast oft viel höher und entsprechend die Temperatur und die Menge an Rauch. Die Schwachstellen hätten sich schnell gezeigt. Während trockene Hitze der Uniform meist wenig ausmache, entstehe mit dem Löschen eine Menge Wasserdampf, der ungehindert durch die Kleidung komme und zu Verbrühungen führen könne.

Nächster Akt: Die Teilnehmer suchten nach Personen in völlig verrauchten Räumen. Routiniert fanden und retteten sie eine erwachsene Person (eine 70 Kilo schwere Puppe) und ein Kleinkind. Zusätzlich hatten die Ausbilder in der nachgestellten Wohnung eine Gasflasche und einen Benzinkanister versteckt. Auch diese beiden Gefahrgut-Gegenstände konnten die Teilnehmer finden und ins Freie bringen.

Nach jedem Durchgang gaben die Ausbilder ein Feedback und zeigten Verbesserungen auf. Man habe gelernt, dass es für jeden Truppführer im Inneneinsatz eine schwierige Abwägung sei, wie viel Zeit und Mühe für die Personensuche aufgewendet werden solle und ob durch ein schnelles Löschen des Feuers die Überlebenschance der Person nicht erhöht werden könne, sagt Frank Ebbers. Nicht außen vor lässt er, dass auch das Ausziehen der Uniform nach dem Einsatz geübt sein wolle. Ziel sei, möglichst wenig giftige Partikel auf die Haut oder in die Lunge zu bekommen. Ebbers spricht nach der abschließenden Manöverkritik von „lehrreichen Stunden“, aber auch von der Hoffnung, dass man das Erlernte nie in der Praxis anwenden müsse.

Die Temperatur im Container macht das Training sehr anstrengend und realistisch.“

Frank Ebbers, Feuerwehr Oberkochen

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