Eine leidenschaftliche Bibliothekarin

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Bibliothekarin Anja Cheswick ist eine leidenschaftliche Bibliothekarin. Seit vierzehn Jahren leitet sie die Stadtbibliothek in Oberkochen. Foto: ls
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  Anja Cheswick (48) leitet seit vierzehn Jahren die Stadtbibliothek in Oberkochen. Im Gespräch mit der Schwäbischen Post berichtet sie über Entwicklung, Erfahrungen und Wünsche.

Oberkochen 

Sie kennt fast jeder Oberkochener - Leseratten sowieso. Und Anja Cheswick ist eine eingefleischte Medienfrau, die bei 80 Prozent der Kunden den Namen parat hat. „Wir sind hier ein passioniertes Team“, sagt sie und damit meint sie auch ihre beiden Kolleginnen Heike Oswald und Betti Ganter.

Ihr Studium absolvierte Anja Cheswick an der Hochschule der Medien (HDM) in Stuttgart. Ein Zusatzstudium für Medienwissenschaft in Tübingen schloss sich an. Und es folgte eine einjährige Zusatzausbildung zur Medienberaterin beim Klett-Verlag. Ihre ersten Sporen als Bibliothekarin verdiente sie sich beim Goethe-Institut in Priem am Chiemsee.

Dann ein persönlicher Einschnitt, als sie mit ihrem  damaligen Gatten den Sprung über den Teich wagte und die beiden in Amerika ein Restaurant eröffneten. Das ging drei Jahre von der Pike auf sehr gut, bis 2008 die Wirtschaftskrise einen Strich durch die Rechnung machte. „In Amerika habe ich mich für die stellvertretende Leitung der Bibliothek in Oberkochen beworben“, sagt Anja Cheswick. Fortuna spielte mit. Seinerzeit hatte ihre Vorgängerin gekündigt und Cheswick bekam grünes Licht für die Leitung.

Natürlich sei sie ins kalte Wasser geworfen worden, lacht sie. Ihr Kind – Cheswicks Tochter ist heute zwanzig – konnte sie im Kinderhaus unterbringen. „Wir haben hier eine schöne Stadtbibliothek bekommen. Die Aufenthaltsqualität hat sich beträchtlich verbessert und unsere Kunden schätzen das“, sagt sie heute. Dass sie im Stil einer tibetanischen Gebetsmühle lange dafür gekämpft habe, lässt sie nicht außen vor.

„Der Kunde ist eben König“

Anja Cheswick ist eine selbstbewusste Frau und sie ist voll inspiriert von der Bedeutung des Lesens, das spürt man im Gespräch. „Der  Kunde ist eben König und wir als Team danken der Stadt für da neue Outfit“, fügt Cheswick hinzu. Nach Corona lechzten die Menschen  geradezu nach Kultur und geistiger Anregung. Sie selbst lebt Lesen vor. „Bei mir gibt es keinen Urlaub ohne Buch“, sagt sie und ihre Lieblingsautoren seien gesellschaftskritische Bücher von Juli Zeh, Benedikt Wells, Bernhard Schlink und von Ferdinand von Schirach. Das kann durchaus auch mit digital gemischt sein, wobei digital in manchen Segmenten, wie zum Beispiel bei Kinderbüchern, ein E-Book niemals Print ersetzen könne.

„Lesen ist elementar, Kinder und Jugendliche sollten mehr lesen“, sagt die Bibliothekarin klipp und klar. 22 Prozent der Leserschaft entfielen aktuell dem Altersbereich Kinder und Jugendliche. Da bestehe kräftig Luft nach oben. „Ich denke, wir haben ein gutes Angebot, die Schulen sollten mehr auf uns zukommen“, fügt sie hinzu. Das Team der Stadtbibliothek stehe in seiner Anleitungs- und Beratungsfunktion parat und bei Schulführungen sage  man gewiss nie Nein.

14 000 Medien hat die Stadtbibliothek im Angebot. Alte Schinken hat man im Rahmen der Renovierung ausgemistet. „Man muss mit der Zeit gehen, sonst bleibt man auf der Strecke“, so Cheswick. Wichtig sei, dass man die Bibliothek als Bildungsangebot immer wieder ins Bewusstsein rufe und einen Beitrag zur Medienkompetenz leiste. In Oberkochen habe die Einrichtung einen festen Stellenwert. Bücher aus Automaten, wie nicht selten in größeren Städten gehandhabt, sind für Cheswick undenkbar. „Wir sind nicht auf der Verliererstraße, vielmehr sind wir ein Anlaufpunkt und Begegnungsort in schöner Nachbarschaft der Neuen Mitte.“

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