Es geht für viele inzwischen um die nackte Existenz

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Der Vorsitzende des Oberkochener HGV Hendrik Gausepohl und seine Stellvertreterin Kerstin Gangl.

Tiefe Sorgenfalten auf der Stirn haben die Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins Oberkochen.

Oberkochen. "Wenn der Lockdown bis Ostern bleibt, steht das Wasser vielen bis zum Hals und es droht die Existenznot", betonen Hendrik Gausepohl, der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins Oberkochen, und seine Stellvertreterin Kerstin Gangl unisono. Man stehe im Austausch mit den Vereinsmitgliedern und wisse genau, dass der Schuh sehr drücke.

Wer von "Lockdown-müde" rede, der untertreibe. Neulich habe ein HGV-Mitglied um die Stundung des Mitgliedsbeitrags gebeten. Gausepohl will "Corona gewiss nicht verniedlichen", aber die Leute seien inzwischen total verunsichert angesichts der unterschiedlichen Herangehensweisen der Länder bezüglich schrittweiser Öffnungen.

Alle Einzelhändler in Oberkochen hätten schlüssige Öffnungskonzepte in der Schublade, die spontan umgesetzt werden könnten. "Nicht jeder Unternehmer hat private Rücklagen, die er einsetzen kann", sagt Gausepohl, der in Oberkochen ein Optik-Geschäft betreibt.

Die Sorgen um die Mitarbeiter belasteten die Unternehmer. Die laufenden Kosten drückten immens auf die Finanzen. Endlich müsse die Außengastronomie wieder geöffnet werden.

Aber: "Wenn offen ist, heißt das noch lange nicht, dass alles wieder so ist wie vor Corona", wirft Kerstin Gangl ein. Große Verunsicherung herrsche vor allem bei älteren Menschen, die dann auch wieder in die Geschäfte gingen. Man müsse endlich damit aufhören, Ängste zu schüren und mit Inzidenz-Zahlen zu jonglieren. Es gehe ums Vertrauen, bei Händlern wie bei den Kunden.

Es dürfe auch nicht sein, dass Online-Anbieter die "Gewinner von Corona sind", betont die stellvertretende Vorsitzende Kerstin Gangl. Gausepohl fügt hinzu: "Das Ostergeschäft ist für viele eine Sache der weiteren Existenz."

In regem Kontakt stehe er mit der Stadtverwaltung. Bürgermeister Peter Traub unterstütze die Anliegen der Einzelhändler, aber auch ihm seien durch den "Vorgaben-Wirrwarr" die Hände gebunden. Ein Textiler sehe mit Recht nicht ein, dass kein Hemd verkauft werden könne, sagt Gausepohl. Dabei seien die Geschäfte in Oberkochen kreativ, könnten telefonische Termine annehmen, Click & Meet oder eben nur so viele Leute entsprechend der Raumfläche ins Geschäft lassen.

"Es geht darum, dass wir regional denken und handeln", so Gausepohl. Auch er missbilligt den Online-Handel, der bei den Leuten förmlich ins Kraut schieße. "Lokal denken, den Einzelhandel unterstützen, sonst stirbt die Innenstadt", erklärt der HGV-Vorsitzende.

Beispielsweise für die Gastronomen gehe es um die nackte Existenz. Gausepohl: "Wir bieten saubere Hygiene-Konzepte an, da ist jeder sicher, wenn die Vernunft oberste Richtschnur ist." Er meint, "dass wir nach Ablauf des Insolvenzschutzes in Deutschland massenweise Insolvenzen haben." Handel und Gewerbe müssten endlich wieder eine sichtbare Perspektive erhalten. Ganz dringlich wenige Wochen vor Ostern.

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