Flucht-Odyssee nach Oberkochen

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Aleksandra und Tambe Gedeon: Ihre Flucht führte die beiden aus der Ukraine über die LEA nach Oberkochen. Dort helfen sie ander Dreißentalschule.
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Tambe Gedeon (36) und seine Lebenspartnerin Aleksandra (30) sind aus der Ukraine geflüchtet. Einen Tag, bevor die ersten Bomben fielen.

Oberkochen. Der Pressetermin findet in der Dreißentalschule statt. Dies hat seinen Grund, Aleksandra unterrichtet dort 35 ukrainische Kinder, ergänzend zum Unterricht in der Vorbereitungsklasse. Fröhliche Stimmung herrscht im Klassenzimmer. „Die Kinder lieben sie, sie ist ein Segen für uns“, sagt Rektor Michael Ruoff. Aleksandra ist Ukrainerin, ihr Partner Tambe Gedeon ist gebürtiger Kameruner. 

Dort ist er aufgewachsen, wanderte 2011 in die Ukraine aus. Eigentlich wollte er zum Studium nach England, aber die finanziellen Hemmnisse waren überbordend. Die Alternative war die Ukraine. Tambe hat acht Geschwister. Er hat den Bachelor gemacht, ist IT-Fachmann, spricht fünf Sprachen. Nach seinem Studium hat er in der Ukraine eine eigene Firma gegründet, nachdem er zuerst als „Volunteer“ tätig war. Seine Beratungsfirma für Studenten aus der ganzen Welt und für alle Studienfachrichtungen lief gut. 

„Es war immer mein Ziel, eine eigene Firma zu gründen“, sagt Tambe, der seine Lebensbegleiterin bei einem Musik-Festival kennenlernte. Aleksandra hatte in ihrer Heimat eine Musikschule gegründet. 2013 hatte man sich getroffen, zwei Jahre danach verliebt und ist heute ein verschworenes und richtig sympathisches Paar. Auch Aleksandra war in der Ukraine nimmermüde tätig, arbeitete, was das Zeug hielt, machte eine Gesangsausbildung. Sechs Tage Uni, sechs Tage Arbeit an den verschiedensten Stellen, um Geld zu verdienen. An einer Privatschule war sie unterrichtlich, musikalisch und in der Organisation mitverantwortlich.

Aleksandra und Tambe werden ein paar Phon leiser, als sie von der Flucht berichten. Als die Russen an der ukrainischen Grenze auftauchten, sei für ihn klar gewesen, was da passieren werde, erzählt Tambe und er fügt aber hinzu: „Wenn ich Ukrainer gewesen wäre, hätte ich für mein Land gekämpft“. „Ich hätte nie glauben können, dass Menschen so etwas Schreckliches tun“, ergänzt „Sascha“, so nennt man sie liebevoll an der Dreißentalschule. Also weg, einen Tag später fiel die erste Bombe. Mit Kriegsbeginn musste Tambe seine Firma einstellen, der Job war weg. Der Start für eine schier unglaubliche Flucht-Odysse nach Oberkochen. 
Flucht ins Ungewisse

Drei Tage Fahrt, eine Reise ins Ungewisse und ohne klares Ziel. „Ziel war der Frieden“, sagt „Sascha.“ Eine Sardinendose aus der Ukraine hat Tambe heute noch im Kühlschrank. Erst ging´s nach Berlin, dann erinnerte sich Tambe an einen Freund in Ellwangen. Schließlich wurde man in der LEA untergebracht. Man wurde von Stadt zu Stadt geschickt. Übers Rote Kreuz kam man schließlich nach Oberkochen. Im ehemaligen Seniorenwohngebäude im Heckenrosenweg, das für ukrainische Flüchtlinge hergerichtet wurde, fand man ein Domizil. Seit 22. März sind die Beiden in Oberkochen. Großen Anteil am Heimisch-Werden der Beiden hat Kerstin Gangl, die in Oberkochen das „Ukraine-Frühstück“ leitet. „Das war eine Nahtstelle für uns, um hier Anschluss zu finden“, betont Aleksandra. Über einen Willkommens-Brief der Stadt war man darauf aufmerksam geworden. „Sascha“ lernt in Aalen Deutsch, viel kann sie schon und sie bringt ihre Kenntnisse in den Unterricht im Dreißental ein. „Geben und Nehmen, unsere Devise“, meldet sich Tambe zu Wort. 

„Das sind zwei ganz tolle Persönlichkeiten“, meint Kerstin Gangl und Dreißental-Lehrerin Katharina Fischer unterstreicht dies. Auch sie hat schnell eine Freundschaft zu Tambe und Sascha entwickelt. Und die Zukunft? Tambe würde gerne seine Firma hier wieder aufnehmen, verweist aber auf bürokratische Hemmnisse. Wieder zurück in die Ukraine sei keine Option, ergänzt seine Lebenspartnerin. Der dortige Aufbau werde Jahre dauern mit all der Ungewissheit. Die dauerhafte Arbeit an einer Schule oder Musikschule würde ihr Spaß machen. Weil Dank die stärkste Form der Bitte ist, sagen Beide unisono: „Wir danken allen Oberkochenern, die uns Sympathie und Hilfe entgegengebracht haben.“

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