Fokus auf Natur oder Arbeitsplätze legen?

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Oberkochen. Es ist ein Hin und Her. Das neue Gewerbegebiet „Oberkochen-Süd III“ ist seit Wochen umstritten. Die Firma Hensoldt will unterm Märzenbuckel bauen. Durch das Gelände läuft ein regionaler Grünzug. Die Grünen und eine Bürgerinitiative lehnen das Vorhaben ab; SPD, CDU und FBO stimmen zu, was jüngst im Gemeinderat auch deutlich wurde. Peter Beck (FBO), hat im Gemeinderat den Status quo beleuchtet und auch Kritik geübt, die ihm jetzt im Nachgang Zuspruch von SPD und CDU beschert.

In einem Ort mit 8000 Einwohnern müsse es möglich sein, den direkten Kontakt zu suchen, bevor man im Netz Anonymes schreibe oder Petitionen starte, so Peter Beck. „Wir sollten wieder miteinander reden und an der richtigen Stelle informieren‘“, sagt Beck und spielt damit auf die öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats an.

Hensoldt Man stehe derzeit im Kreuzfeuer eines Teils der Bevölkerung und auch im interkommunalen Kontext. „Mir fehlt da seit Langem das öffentliche Statement der Firma, die der Öffentlichkeit auch einmal direkt zeigen könnte, wie sie zur Standortfrage steht und wie wichtig der Standort Oberkochen ist“, sagt der FBO-Stadtrat an die Adresse des Unternehmens.

Arbeitsplätze Ein Wegzug von Hensoldt würde nicht nur den Verlust von knapp 700 Arbeitsplätzen für die dort beschäftigten Mitarbeitenden bedeuten, sondern auch größere Einbußen bei weiteren örtlichen, mittelständischen Betrieben und Zulieferern wie Drehereien und Lackierereien mit sich bringen. Entgegen verschiedener Aussagen sei Hensoldt aber auch erheblich am Steueraufkommen der Stadt Oberkochen beteiligt, sagt Beck. Der FBO-Stadtrat verweist auf Bürgermeister Traub und dessen Aussage, die Stadt habe die gesamte Infrastruktur auf die derzeit bestehende Firmenstruktur ausgelegt.

Die Folgen Die „BI“ deute an, die 700 Hensoldt-Arbeitsplätze seien verzichtbar, aber man sollte dann auch gleichzeitig an die Folgen denken. „Hinter 700 Arbeitsplätzen stehen immer auch Familien mit Kindern, auch von auswärtigen Eltern, die hier in den Kindergarten und zur Schule gehen“, argumentiert Beck.

Verlagerung Oberkochen könne gönnen, so Beck. 80 Prozent der Steuern gingen in die Kreisumlage und komme damit den umliegenden Gemeinden zugute. Den hohen Grundstock brauche Oberkochen aber, um die bestehende Infrastruktur erhalten zu können. Eine Verlagerung in umliegende Gemeinden wie Ebnat oder Waldhausen sei eher unwahrscheinlich und würde weder fürs Verkehrsaufkommen noch fürs populäre CO2-Thema wesentliche Verbesserungen bringen, sagt Beck.

Geschäftsbeziehungen Hensoldt habe zum Teil sehr enge Geschäftsbeziehungen zu den hier ansässigen Zeiss-Abteilungen. Schon alleine deshalb würde es nicht ausbleiben, dass ein erheblicher Teil des Verkehrs weiter hierher stattfinden würde, der jetzt auf kurzem Weg erfolge. Bei einer Absage Oberkochens wäre eine Verlagerung zum Beispiel nach Ulm zu einem größeren Standort von Hensoldt wesentlich wahrscheinlicher.

Naturschutz „Ich kann die BI schon verstehen, dass sie die Flächen erhalten will“, betont Peter Beck. Sie dienten nicht der Naherholung. Auch seien die Flächen für die Landwirtschaft in Schräglage und Größe nicht gerade ideal. Beck räumt ein, dass bestimmte Teilflächen aus Naturschutz-Sicht erhaltenswert und für verschiedene Tierarten wertvoll seien.

Klimawandel „Momentan ist Klimawandel ein K. o.-Thema“, betont Beck. Landschaftsverbrauch will er als Kritik gelten lassen und „es wäre mir auch lieber, wenn eine Verlagerung in die Erweiterung des Interkommunalen Gewerbegebiets möglich gewesen wäre.“ Die BI betone, dass „Süd III“ den Klimawandel forciere und die Lebensgrundlage für nachfolgende Generationen gefährde. „Das kann man so sehen. Man verlässt mit solch pauschalen Aussagen den Bereich der Seriosität“, meint Beck. Oberkochen tue weit mehr als umliegende Gemeinden für den Klima- und Naturschutz. Er erwähnt die Pflege von Wald- und Wiesenflächen und den Insektenschutz durch neue Lichtkonzepte. Man müsse nicht nur die Natur, sondern auch die Lebensgrundlage der jetzigen und künftigen Bevölkerung erhalten.

Ausblick Auch die Firma Hensoldt werde bei einem Neubau effiziente Energieanlagen und eine höhere Energie-Effizienz bei den Gebäuden realisieren, ist sich Beck sicher. Schon von daher werde sich ein Neubau eher positiv auf die Klimasituation auswirken. „Mein Missfallen gilt wirklich nicht den 'BI' als solche, sondern dem, wie sie zustande kommt“, sagt Beck. Knapp 50 Prozent der BI-Unterzeichner kämen gar nicht aus Oberkochen, so Beck.Lothar Schell

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