Fraunhofer IOSB kommt nach Oberkochen

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Das Fraunhofer Institut wird mit Hensoldt eine Außenstelle in Oberkochen einrichten.
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 Entscheidung  mit breiter Mehrheit gefallen: Kooperation unter Dach und Fach.

Oberkochen.  Grünes Licht also für die Entwicklungskooperation mit dem Fraunhofer Institut IOSB zum Aufbau einer Forschungsinfrastruktur für aktive Laserfasern. Bereits zum dritten Mal, zweimal zuvor nichtöffentlich, war Professor Dr. Marc Eichhorn nach Oberkochen angereist, um den Gemeinderat tiefgreifend zu informieren. In der entscheidenden Sitzung am Montagabend stellte er in einem sehr wissenschaftlich gehaltenen Vortrag die Agenda des Fraunhofer Instituts und der geplanten Kooperation vor. Diese Zeitung hatte bereits im Vorfeld aktuell darüber berichtet. Durch eine Förderung seitens der Stadt Oberkochen in Höhe von zehn Millionen Euro würde das  Institut hier lokal eine Außenstelle mit einer entsprechenden Forschungsgruppe aufbauen, die Teil der Abteilung Lasertechnologie  des Fraunhofer Instituts IOSB wäre und die fehlende Komponente zur nationalen Souveränität in Forschung, Entwicklung und Herstellungsfähigkeit aktiver Laserfasern im Infrarotbereich zeitnah ermöglichen würde, erklärte Professor Marc Eichhorn. Die Nähe zur Optonik-Industrie in Oberkochen und zur Hochschule Aalen seien eine ideale Plattform.  Ziel sei die Effizienz und Leistungssteigerung von Laserfasern. Eichhorn betonte, dass auch intensive Gespräche mit der Aalener Hochschule geführt worden seien, die HTW werde in Forschungsprojekte engmaschig einbezogen. „Eine maßgeschneiderte Kooperation für Oberkochen“, befand  Bürgermeister Peter Traub

Signal für den Ostalbkreis

Von einer Zukunftsinvestition für Oberkochen und eine Signalwirkung für den Ostalbkeis sprach Landrat Dr. Joachim Bläse. Die Stadt Oberkochen und ihre Weltunternehmen seien in Sachen Transformation und Innovation schon gut unterwegs. „Wir brauchen im Landkreis den Innovationsstandort Oberkochen“, so der Landrat wörtlich. Gerade jetzt, da der  Ostalbkreis die Zukunftsinitiative Ostwürttemberg starte. Die Kooperation mit dem  Fraunhofer Institut sei eine dicke Chance, Forschungsstrukturen vor Ort zu generieren und nicht in andere Regionen abwandern zu lassen. Dr. Bläse erwartete in seinem Vortrag „auch Mehrwerte für Betriebe und die Möglichkeit, Studierende der Hochschule in der Arbeitswelt vor Ort zu binden.“

Lebhafte Diskussion

Ulrich Marstaller machte den Auftakt. Er wollte wissen, wie das Aufsichtsgremium fachlich und mit welchen Befugnissen aufgestellt sei. Ferner ging es ihm darum, was der Unterschied dieser Forschungskooperation zur bereits seit einem Jahr bestehenden Kooperation von Fraunhofer und HENSOLDT sei. Aufsichts- und Kontrollgremium sei der Gemeinderat und hier werde jährlich über Arbeit, Ergebnisse und Finanzverwendung berichtet, erklärte der Bürgermeister. „Hier geht es auch nicht um ein HENSOLDT-Forschungsprojekt, sondern um ein Fraunhofer-Projekt“, fügte  Traub hinzu. Professor Dr. Marc Eichhorn betonte, dass es sich bei dem 2021 mit HENSOLDT beschlossenen Vertrag um die Lasertechnologie und nicht um die Entwicklung von Laserfasern gegangen sei. Robert Ness hakte nach, ob die Stadt überhaupt Forschungsgelder vergeben dürfe. Dies sei eine originäre Aufgabe der öffentlichen Hand und Wirtschaftsförderung sei Aufgabe der Kommune, antwortete der Bürgermeister. Wichtig sei eine Breite Basis im Gemeinderat, aber es sei schade, dass die ortsansässige Industrie nicht mit ins Boot genommen worden sei, erklärte Peter Beck. Dies hätte man tun sollen, um Misstrauen zu verhindern. Für die Standort-Sicherung sei die Kooperation ein Riesenvorteil. Beck schrieb dem Landrat ins Stammbuch, sich nun auch fürs Thema „Wohnbebauung“ in Oberkochen einzusetzen. Ein „Leuchtturm-Projekt“ nannte Richard Burger die Forschungskooperation. Dr. Joachim Heppner begründete das Nein der Grünen damit, dass die Bewilligung der Projektmittel durch die Stadt an den Verbleib von HENSOLDT Optronics in Oberkochen geknüpft sei. Sowohl die bestehenden Verbindungen zwischen Hensoldt und Fraunhofer IOSB als auch die bisherigen Aktivitäten von Institut und Unternehmen ließen darauf schließen, dass im Wesentlichen nur ein spezielles Unternehmen durch das Projekt gestärkt werden solle. Ein Indiz hierfür sei auch, dass des Projekt räumlich im geplanten Hensoldt-Gebäude im Gewerbegebiet „Oberkochen-Süd III“ untergebracht werden solle. Ulrich Marstaller begründete seine Ablehnung mit zweierlei Argumenten. Zum einen vermisste er eine Mischfinanzierung. Der Nutzen für Oberkochen sei begrenzt. Man schaffe einen Präzedenzfall, wenn die Stadt das Projekt nun zu hundert Prozent anschiebe. Auch aus ethischen Gründen könne er nicht zustimmen, weil „unter Umständen auch einmal militärische Zwecke tangiert sein können.“ ⋌Lothar Schell

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