Gastronomie in Zeiten von Corona

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Der "Pflug" hat Tradition in Oberkochen. Seit 105 Jahren existiert der Familienbetrieb. Derzeit ist das Gasthaus wegen Corona noch geschlossen.

Der "Pflug" gehört seit 105 Jahren zu Oberkochen wie das Salz in die Suppe. Inhaber Rudolf Fischer blickt im Gespräch mit der SchwäPo in die Zukunft des Lokals.

Oberkochen

Nein und dreimal nein, der Pflug macht nicht die Schotten dicht, auch wenn dieses Ammenmärchen noch hundertmal durch Oberkochen geistert." Das sagt Inhaber Rudolf Fischer. Den "Pflug" werde es noch lange geben, die Frage sei, in welcher Ausrichtung.

Coronabedingt hat der Gasthof noch geschlossen. Rudolf Fischer verkauft seit Wochen sonntags mit einer stattlichen Speisenkarte Essen über die Straße, auch mittwochs mit einem Tagesgericht. Dieses Angebot werde von vielen gerne angenommen, sagt seine Mutter Erika, die trotz ihrer starken körperlichen Beeinträchtigung noch bienenfleißig im Betrieb mithilft. Wie auch Rudolf Fischers Lebensgefährtin Ute Dei.

105 Jahre sind kein Pappenstiel. Schon von jeher war der Gasthof ein Familienbetrieb. Adolf Fischer, Rudolfs Großvater, hatte den "Pflug" im Jahre 1915 übernommen. Dessen Vater Rudolf Fischer, verstorben 1985, und Erika Fischer markierten die zweite Generation. Rudolf Fischer jun. ist seit 1990 im Betrieb in der Katzenbachstraße.

Stolz erzählt er, dass er bei Rolf und Hugo Rettenmaier, früher Aalener Falken, seine Ausbildung absolviert hat. "Da habe ich meine kulinarischen Sporen verdient, eine unvergessene Zeit", blickt Fischer zurück. Eine gastronomische Stippvisite gab es für ihn zwischendrin im Steigenberger-Hotel Graf Zeppelin in Stuttgart.

Natürlich stelle sich die Frage einer Öffnung, sagt Fischer. Es sei eine wirtschaftliche Entscheidung mit Risiko inklusive. Im "Pflug" ist ein Hotelbetrieb mit 35 Betten integriert. 2018 hat er alle Bäder saniert und in den Folgejahren wurde bei 15 Zimmern der Innenraum modern gestaltet. "Das Risiko ist hoch", meldet sich seine Lebensgefährtin Ute Dei zu Wort. Sie spricht das hohe Risiko an, wenn im Gasthof ein Corona-Verdacht auftreten sollte. "Dann wird mir der gesamte Betrieb dichtgemacht und die Nullrunde ist auf meiner Seite", fügt Rudolf Fischer hinzu.

Eine Außenbewirtschaftung hat er nicht. "Wir warten jetzt ab, wie sich Corona weiterentwickelt", blickt der Inhaber in die Zukunft. Er habe immer sauber wirtschaftlich gearbeitet und nur das gemacht, was der Geldbeutel hergibt. Entgegen kommt ihm, dass ihm das Gebäude gehört und er keine Pacht berappen muss. "Diese Gastronomen haben es verdammt schwer", räumt Fischer ein.

120 Gäste kann Fischer unter normalen Umständen willkommen heißen. Unter Corona-Bedingungen 50 oder weniger, je nach Zusammensetzung der Gäste. "Man braucht mehr Personal, da greift der wirtschaftliche Faktor", bittet er um Verständnis. Dass es auf dem Neuen Stadtplatz gut läuft, freut ihn. Dass man jetzt mit einer gastronomischen Nutzung von "Lamm" und "Ochsen" seitens der Verwaltung vorprescht, ohne vorab den runden Tisch zu wählen, ärgert ihn. Man müsse die Meinungen wenigstens abfragen. Oberkochen sei mit Gastronomie schon gut bestückt.

Die Floskel "Konkurrenz belebt das Geschäft" geht ihm auf den Geist. Man müsse schon hinterfragen, ob und was der Markt hergebe. Seine persönliche Meinung: "Dieser Markt ist – bezogen auf die Einwohnerzahl – einfach begrenzt."

Seiner Philosophie will er treu bleiben: "Handgemacht, ehrlich in Güte und Portion." So habe er es bei seinen Lehrmeistern und bei seiner Mutter Erika gelernt. "Und dies wird auch so bleiben, mit und ohne Corona", lacht er bei der Verabschiedung.

Am Tresen von links: Ute Dei, Rudolf Fischer jun., Erika Fischer.

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