Geteilte Meinungen bei Dreißental und Tierstein

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Hilde Weber

Die Bürger haben das Wort. Wo sie den künftigen Standort des Schulzentrums sehen.

Oberkochen Kein anderes kommunalpolitisches Thema bewegt die Gemüter derzeit so, wie der Standort des künftigen Schulzentrums. Am 7. September geht der Gemeinderat in Klausur, am 24. September fällt die Entscheidung im Gemeinderat. SchwäPo-Reporter Lothar Schell hat die Meinung von interessierten Bürgern eingeholt.

In den vergangenen Jahren wurde viel Geld in die Weiterentwicklung der Dreißentalschule und für die Installierung der Gemeinschaftsschule gesteckt. Wird jetzt das Rad noch einmal zurückgedreht? Gibt es ein großes Schulzentrum am Tierstein beim Ernst Abbe-Gymnasium? In direkter Nachbarschaft werden in ein paar Jahren auch die Sonnenbergschule und die städtische Musikschule im Tiersteingebäude, das einer grundlegenden Sanierung unterzogen wird, ihr Domizil haben.

Bürgermeister Peter Traub tat im Gemeinderat seine Meinung und die Sichtweise der Verwaltung kund: "Wir würden bei der Tierstein-Lösung einen irrsinnigen Aufwand bei Kosten und Erschließung haben und die Zeit läuft uns davon."

Peter Königer (76) sieht in einer "konzentrierten, geballten Lösung am Tierstein Vorteile". Man müsse in die Zukunft blicken, Synergien nutzen und ein Neubau biete Vorteile, weil man lange Zeit keine Reparaturen habe. Der Standort Tierstein, nicht zuletzt von den Freien Bürgern und der CDU ins Feld geführt, müsse ernsthaft und in allen Details geprüft werden. Man dürfe dieses Thema nicht einfach lapidar abtun. Das Dreißental sei auch nicht zentraler als der Tierstein. Verkehrliche oder infrastrukturelle Probleme sehe er dort oben nicht. Im Übrigen sei die Stadt ja nicht arm. "Deshalb kann sie für unsere Kinder die bestmögliche Lösung für die Zukunft auf den Weg bringen." Die Tierstein-Lösung habe Charme, sie kreativ und überprüfenswert.

Stephan Grupp (41) ist da ganz anderer Meinung. Seine Tochter schult er jetzt in die Dreißentalschule ein. Der Dreißental-Standort sei der einzig richtige Weg. Die Planung am Tierstein werde irrsinnig teuer und es fehlten Parkplätze. In den Berg hinein zu bauen, werde angesichts der vorherrschenden geologischen Verhältnisse unbezahlbar und es fehlten ja jetzt schon – Grupp nennt die Lenzhalde – Parkplätze an allen Ecken und Enden. "Das Schulzentrum gehört in die Stadt", fordert Grupp. Die Zentralität sei hier für alle gewährleistet, aus allen Richtungen, aus denen die Schüler kommen. Das Lernen in Containern müsse endlich ein Ende finden.

Helmut Gold (77) schreibt dem Gemeinderat für die Beratungen bei der anstehenden Klausurtagung ins Stammbuch: "Das Thema ist ein Wir-Gedanke, kein Ich-Gedanke." Ein Schnellschuss dürfe nicht sein, konkrete Pläne, vor allem in Sachen Tierstein, müssten auf den Tisch. "Erst denken, dann handeln", rät Gold. Bodenuntersuchungen seien oberste Maxime. Man dürfe sich kein "Millionengrab leisten". Fürs Dreißental spreche die Zentralität. Für eine große Festhalle aber fehlten Parkplätze. Die Halle, so Gold, könne gegenüber beim Feuerwehrgerätehaus entstehen, wenn die Floriansjünger eventuell ein neues Domizil beim katholischen Friedhof, ehemals Wagenblast, bezögen. Gold unterstreicht, dass im Zuge einer Fokussierung aufs Dreißental "die alte, völlig marode Halle endlich weg und eine Festhalle her muss". Das Thema Schulstandort sieht Gold in der kommunalpolitischen Priorität an erster Stelle.

Elisabeth Widmann (65) ist sich sicher: "Es gibt keinen anderen, vernünftigeren Standort als das Dreißental." Der Weg der Gemeinschaftsschule solle hier weiter fortgeführt werden. Das Rad jetzt rückwärts zu drehen, sei der absolut falsche Weg. Viel Geld sei bereits in Planungen für ein Schulzentrum im Dreißental investiert worden. Elisabeth Widmann kann es nicht verstehen, dass "in der überaus beengten Konstellation am Tierstein ein Schulzentrum entstehen soll". Auch sei der felsige Untergrund am Tierstein ein gewaltiger, zeitraubender und finanzieller Hemmschuh. Bezüglich Dreißental habe es in der Vergangenheit Versäumnisse gegeben, als das benachbarte Mahler-Grundstück von der Stadt nicht erworben wurde, blickt sie zurück.

Alfred Fichtner (76) argumentiert ebenso. Man habe den Aufkauf verschlafen, hätte jetzt immens Platz im Dreißental für eine vernünftige Planung. Sich überhaupt mit dem Tierstein zu befassen, nennt Fichtner "grotesk und unbegreiflich". Man könne nur darüber den Kopf schütteln. Ein Schulzentrum gehöre in den Ort. Fichtner macht klar, dass "uns in puncto Tierstein die Zeit davon laufen würde". Und er fügt hinzu: "Die Kosten würden völlig aus dem Ruder laufen."

Hilde Weber (67), die sich "100-prozentig zum Standort Dreißental bekennt" stellt die Frage, "soll die Innenstadt noch mehr aussterben?" Die Stadt werde immer leerer, dabei plane man doch eine Neue Mitte, die von Leben erfüllt sein solle. Zudem sei man in der Dreißentalschule sei in den vergangenen Jahren an diesem Standort gut zusammengewachsen. "Hände weg von der Tierstein-Planung, das ist mit immensen Mehrkosten verbunden", so Hilde Weber.

Alfred Fichtner
Peter Königer
Stephan Grupp
Helmut Gold
Elisabeth Widmann

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