Gibt's in Oberkochen zu wenig Kultur?

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Bürger kritisieren: In der Stadt gibt es weit weniger Veranstaltungen als in anderen Gemeinden. Wir konfrontieren Kommunalpolitiker, GHV und Vereine mit dieser These.

Oberkochen

Während anderswo die Kommune Veranstaltungen initiiere und im Verbund mit Vereinen organisiere, sei in Oberkochen „Tabula rasa.“ Das meinen manche Oberkochener. Oberkochen habe einen wunderschönen Platz in der Neuen Mitte, den man nützen könnte. Dabei könne man das Nichtstun nicht auf die Corona-Pandemie alleine abwälzen, lautet die Kritik. Auch in anderen Gemeinden habe man mit der Pandemie zu kämpfen, allerdings werde dort mit viel Kreativität und Hirnschmalz um machbare Veranstaltungen gerungen. Corona-konform, wohlgemerkt.

Es müsse nicht immer die ‚“große Kultur“ sein, auch mit kleineren Veranstaltungen könne man die Leute in dieser schweren Zeit erfreuen und schrittweise ins öffentliche Leben zurückbringen. Mancher blickt nach Neresheim und Bopfingen, wo in den Stadtgärten viel angeboten wurde. Wir haben nachgefragt.


Peter Traub, Bürgermeister: „Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen. Wenn andere Kommunen im Ostalbkreis kulturell nachgerüstet haben, heißt das nicht, dass in Oberkochen kulturell nichts los ist. Wir haben kommuniziert, dass im ersten Halbjahr 2021 keine kulturellen Veranstaltungen stattfinden können. Nach den Sommerferien gibt es einen Neustart: Mit dell arte, zehn Jahre Bürgerstiftung mit einer Ausstellung im Rathaus.

Insgesamt wird es bis Weihnachten sechs hochkarätige Veranstaltungen geben. Wer sich von diesem Programm nicht angesprochen fühlt, hat ja durchaus die Möglichkeit, auf Gartenfeste anderer Kommunen in der Region zu gehen.

Auch die Vereine brauchen einen Neustart, der dem einen Verein besser gelingt, dem anderen nicht. Dass wir im Vergleich zu anderen Kommunen Nachholbedarf haben, sehe ich nicht.“


Richard Bürger, SPD-Fraktion: „Was die Gastronomie betrifft, habe ich den Eindruck, dass diese wieder aus den Startlöchern gekommen ist. Es hat nichts mit Nachbeten zu tun, die Stellungnahme von Bürgermeister Traub ist richtig. Die Vereine fangen erst wieder an mit der Organisation von Veranstaltungen. Das ist mit großem Aufwand und hohen Risiken verbunden. Die Veranstaltungen in Neresheim werden, meines Wissens, von den Vereinen betrieben mit Unterstützung der Stadt. Vielleicht ist dort die Vereinskultur anders als bei uns.

Wir von der SPD-Fraktion sind der Meinung, dass in Oberkochen nach wie vor viel läuft. Die Neue Mitte wird gut angenommen und hat zur Belebung der Innenstadt beigetragen. Allerdings sehen wir durchaus die Möglichkeit, zusätzlich zum Biergarten und den Wasserspielen im nächsten Sommer kulturelle Veranstaltungen zu initiieren. Potenzial wäre da, das Thema Freizeit und Tourismus in und um Oberkochen mehr herauszustellen. Wer soll es machen? Millionenprojekte werden von einer Handvoll Leute umgesetzt, die endlos „Manpower“ beanspruchen.


Rainer Kaufmann (CDU-Fraktion): „Dass Oberkochen Schlusslicht in Bezug auf Veranstaltungen im Ostalbkreis sein soll, sehe ich so nicht. Es trifft zu, dass derzeit wenig, bis keine Veranstaltungen stattfinden. Dies hat den Hauptgrund in den Corona-Verordnungen. Es kann jetzt nicht schon alles auf Volllast laufen. Probearbeit bei Chören und Musikern sind immer noch nur sehr eingeschränkt möglich. Der Schutz der Vereinsmitglieder steht im Vordergrund und kein Vereinsverantwortlicher will von der Öffentlichkeit als Infektionstreiber deklariert werden. Oberkochen ist mit seiner Zurückhaltung gut gefahren. Zu größeren Corona-Ausbrüchen/Clustern kam es praktisch nie. Man könnte sicherlich überlegen, ob künftig eine Verzahnung des Kulturbeauftragten mit den Vereinen Sinn macht.“


Peter Beck (Freie Bürger, FBO): „Oberkochen ist in puncto Veranstaltungen in keiner Weise Schlusslicht. Wenn das in diesem Jahr so erscheint, ist dies zu 100 Prozent den Corona-Verordnungen zuzuschreiben. Die Innenstadt ist in den beiden letzten Jahren so gut belebt wie noch nie zuvor und unter der Woche belebter als in fast allen umliegenden Gemeinden, wenn wir Aalen mal außen vor lassen.

Viele Oberkochener Vereine betreiben ganzjährig bewirtete Hütten oder Vereinsheime, deren Wiedereröffnung für diese sicher mehr im Fokus steht als die Organisation von Großveranstaltungen. Wir haben im Gemeinderat schon oft über Möglichkeiten der Nutzung der Neuen Mitte diskutiert, ja, da ist sicher Luft nach oben. Das wird nach und nach kommen, sobald die Voraussetzungen sich bessern.

Dr. Joachim Heppner (als Grünen-Stadtrat): Ich bin nicht immer derselben Meinung wie unser Bürgermeister. In diesem Fall schließe ich mich der Stellungnahme von Herrn Traub aber voll und ganz an. Kein Leben in der Innenstadt – das sehe ich anders. Die Neue Mitte wie auch der Platz am Lindenbrunnen werden regelmäßig gut frequentiert. Man sollte das nicht schlechtschreiben, nur weil es Corona-bedingt in diesem Jahr wenig Gelegenheit zu Veranstaltungsberichten gab. Wenn ich es richtig verstehe, gibt es Leute, die vermissen eher die Veranstaltungsberichte in der Schwäbischen Post als die Veranstaltungen selber.


Karl Kehrle (Organisationsausschuss Oberkochener Vereine): „Vereine prüfen, ob unter den Umständen mit dreistufigem Warnsystem der Corona-Verordnung ein für die breite Öffentlichkeit wahrnehmbares Auftreten machbar ist. Und hier liegt das Problem: Zugangskontrolle, Reklamieren und Erinnern ans Abstandsgebot und so weiter. Wer soll das leisten? Ich kenne keinen Vorstand, der bereit ist, die unter Umständen happigen Strafzahlungen zu leisten.

Um Geld in klamme Vereinskassen zu bringen, ist l der Verkauf von Speisen und Getränken erforderlich. Wie andere Gemeinden oder Vereine „Leben“ in die Öffentlichkeit bringen – unter Einhaltung aller Punkte der Verordnung – entzieht sich meiner Kenntnis. Das ist kein Verstecken, das ist Realität.


Hendrik Gausepohl (Gewerbe und Handelsverein): „Der GHV schließt sich der Aussage von Bürgermeister Traub an. Die Corona-Pandemie kann nicht völlig außer Acht gelassen werden. Zwei verkaufsoffene Sonntage mussten abgesagt werden. Für den Neustart hofft der GHV, Ende November eine Verkaufsveranstaltung durchführen zu können. In der aktuellen Lage ist dies allerdings noch sehr ungewiss. Die Sicherheit der Bürger muss bei einer solchen Veranstaltung im Vordergrund stehen.“

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