Gisela hilft in der Not

  • Weitere
    schließen
+
Im Edith-Stein-Haus ist aufgestuhlt. Die Arbeitstreffen des Teams der ökumenischen Nachbarschaftshilfe Oberkochen sind ausgesetzt – der Pandemie wegen. Die Arbeit, die Einsatzleiterin Gisela Neubauer organisiert, hat sich mit Corona verändert.
  • schließen

Die Einsatzleiterin der ökumenischen Nachbarschaftshilfe Oberkochen, Gisela Neubauer, über ihre Aufgaben in der Pandemie.

Oberkochen

Es ist ein Dienst am Nächsten, den Gisela Neubauer und ihr ehrenamtliches Team jeden Tag leisten. Die 50-Jährige organisiert die ökumenische Nachbarschaftshilfe Oberkochen. "In einer Stadt mit rund 8000 Einwohnern wird unser Engagement auch sehr benötigt, denn immer mehr Menschen werden älter", sagt die Oberkochenerin. Seit 2012 ist sie hauptamtlich angestellt – in Teilzeit – und leitet die Einsätze der aktuell 30 bis 35 ehrenamtlichen Helferinnen. "Das ist nicht immer einfach", erzählt die Oberkochenerin, der die Menschen am Herzen liegen. Egal, ob Kind, Jugendlicher, Erwachsener oder Senior. "Jeder Fall ist individuell und braucht Einfühlungsvermögen. Da helfen auch Nähe und Kontakte."

Jetzt hat die Corona-Pandemie vieles verändert. Das ehrenamtliche Team ist kleiner geworden. "Einige unserer Helferinnen zählen wegen ihres Alters selbst zur Risikogruppe", zeigt die Einsatzleiterin Verständnis dafür, dass einige der Frauen derzeit pausieren.

Gleichzeitig sind die Einsätze schwieriger geworden. "Wir müssen alles corona-konform erledigen", sagt Neubauer und meint nicht nur die Hygienevorschriften und die FFP2-Masken, die die Helferinnen vor Ort tragen müssen. "Die Menschen wolle Nähe." Denn zu den Aufgaben der Nachbarschaftshilfe zählen auch Spaziergänge oder Besuche, bei denen Gespräche im Mittelpunkt stehen; etwa bei alleinstehenden Senioren und Seniorinnen. Die Helferinnen begleiten zudem Menschen auch zum Arzt oder betreuen Kinder. Und bei alledem gelte es, den entsprechenden Abstand einzuhalten. "Da liegt nun leider manches auf Eis." Aber wer Kontakt wolle, dem ermögliche sie das – mit ausreichend Abstand.

Die Zahl der Einsätze hat sich seit Beginn der Pandemie reduziert. Neben den Kontakteinschränkungen als Ursachen nennt Gisela Neubauer die Kurzarbeit oder die Schließung von Geschäften. "Wer kann, erledigt die ‘Arbeiten' selbst", sagt sie. Die Angehörigen hätten mehr Zeit, um für die Mutter oder den Vater einkaufen zu gehen, sie zum Arzt zu begleiten oder im Haushalt die kleinen Dinge zu besorgen.

Jeder Fall ist individuell und braucht Einfühlungsvermögen. Da helfen auch Nähe und Kontakte.

Gisela Neubauer Einsatzleiterin

Für sie als Einsatzleiterin habe die Arbeit jedoch enorm zugenommen. "Bei mir steht manchmal das Telefon nicht mehr still", sagt die Team-Chefin, die ihr Büro im eigenen Haus installiert hat, während die Treffen mit den Helferinnen vor der Pandemie immer im Edith-Stein-Haus abgehalten wurden. Das Bedürfnis nach Gesprächen habe sich mit Corona und dem Rückgang an Kontakten exponentiell erhöht. Auch die Beratungsgespräche von Hilfesuchenden seien gestiegen. "Es werden ja nicht weniger Menschen krank oder geraten in Not." Sie habe die Erfahrung gemacht, dass die Gewalt in Familien sowie Depressionen zunehmen. Die Psyche leide. "Mit Gesprächen versuche ich, die Menschen aufzubauen." Wo nötig, verweise sie an einen Experten oder eine Expertin.

Die ökumenische Nachbarschaftshilfe ist breit engagiert. Gisela Neubauer nennt aber ihre Grenzen. "Wir sind keine Krankenpflegerinnen und kein Putzdienst – auch wenn wir mal staubsaugen", betont die Einsatzleiterin und erklärt, dass die ehrenamtlichen Kräfte lediglich eine Aufwandsentschädigung erhalten, jedoch auch geschult seien, etwa in der Betreuung von demenziell Erkrankten.

Ein weiteres Stichwort für die 50-Jährige. Die Corona-Pandemie bedeute für Angehörige von Demenzkranken eine besondere Belastung. "Ein Demenzkranker weiß ja nicht, was Corona ist." Und das Oberkochener "Café Zuversicht", in dem Demenzerkrankte einmal die Woche drei Stunden lang betreut werden – in dieser Zeit können die Angehörigen Kraft schöpfen – ist seit Pandemiebeginn geschlossen.

Gisela Neubauer ist bei alledem zuversichtlich. "Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei Worte waren noch nie so wichtig." Man dürfe nicht verzweifeln, sondern müsse miteinander weitergehen.

Nachbarschaftshilfe: Das müssen Sie wissen

Die ökumenische Nachbarschaftshilfe ist in kirchlicher Trägerschaft und unterstützt Familien und Alleinstehende, die in außergewöhnlichen Situationen auf kein familiäres Umfeld zurückgreifen können. So sind die ehrenamtlichen Helferinnen im Einsatz, um einen pflegebedürftigen Angehörigen stundenweise zu betreuen, um etwa einkaufen zu gehen, Staub zu saugen, Kinder zu betreuen, nach der Geburt eines Kindes zu helfen oder wenn ein Familienmitglied schwer erkrankt ist sowie bei Tod oder Trennung. aki

Zurück zur Übersicht: Oberkochen