Großaufgebot der Bürgerinitiative im Rat

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Oberkochen Süd III: Es wird kontrovers und fair diskutiert.

Oberkochen. Unterhalb des Rodsteins soll das Gewerbegebiet Oberkochen Süd III entstehen. Dann müssen die Wiesen und Hecken einer Bebauung weichen. Acht Hektar werden sich verändern, für eine vier Hektar große durch die Firma Hensoldt bebaute Fläche. In der jüngsten Gemeinderatssitzung war die Bürgerinitiative (BI) zu Gast.

Es war Gott sei Dank keine Schlammschlacht, wie es in den letzten Wochen über die sozialen Medien nicht selten praktiziert wurde. Dorothee Schaub warf den ersten Ball, wollte wissen, ob alternative Standorte gesucht und Flächen von Nachbargemeinden ins Kalkül gezogen wurden. Zudem schlug sie einen Rückkauf des Geländes von „YG-1“ vor. In ihrer weiteren Stellungnahme appellierte Dorothee Schaub, Artenvielfalt und Klimawandel nicht weiter mit Füßen zu treten. „Fassen Sie sich ein Herz für nachfolgende Generationen“, appellierte sie.

Martin Schaub sagte: „Wir wollen Sie Ihr Vorgehen jungen Menschen erklären?“ Er mahnte Informationsbedarf an, inwieweit Gutachten in Sachen Lärm, lokales Klima, Natur- und Artenschutz und Gewässer in Auftrag gegeben worden seien. Spaziergänger hätten künftig nur noch Industriegebäude vor Augen. „Mehr Arbeitsplätze als Einwohner“, monierte ein Jugendlicher und er sagte: „Ich vermisse gesunden Menschenverstand.“

Adelinde Pfistner hat eine Online-Petition gestartet, die sich an Bürgermeister Peter Traub richtet und gegen „den Flächenfraß vor unserer Haustür“. Moniert wurde, dass die Stadt bislang nicht auf die Petition der BI eingegangen sei und außer den Grünen-Gemeinderäten auch kein Vertreter der anderen Fraktionen an der Begehung teilgenommen habe. Die Petition wird nach Absprache mit dem Bürgermeister am 26. Juli um 17 Uhr vor der Gemeinderatssitzung übergeben, die um 17.30 Uhr beginnt. Bislang haben insgesamt 966 Personen die Petition unterschrieben, über die Hälfte davon sind Oberkochener.

Das weitere Vorgehen

Der Bürgermeister fasste alle Anfragen zusammen. Es seien Biologen unterwegs und es werde ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellt. In Oberkochen seien Alternativ-Standorte geprüft worden. Über andere Gemeinden und dort mögliche Standorte könne er nichts sagen und er wisse auch nicht, ob sich jemand bei der Firma Hensoldt gemeldet habe.

Bebauungsplan geht weiter

Traub berichtete von einem Gespräch mit Regierungspräsidium und Landratsamt. Beschlossen worden sei, dass der Bebauungsplan bis zum Entwurf-Stadium weitergeführt werde. Dann könne sich das RP mit dem Zielabweichungsverfahren befassen. Traub versicherte, dass die Alternativen-Prüfung ein zentraler Bestandteil des Zielabweichungsverfahrens sei. Klar sei, dass das Unternehmen Zeiss die seitherigen Hensoldt-Räume selbst benötige. Mitte 2024 müsse Hensoldt das Gebäude verlassen. Es sei wohl auch so, dass brandschutzrechtliche Faktoren eine Rolle spielten, meinte der Bürgermeister.

Schubladen-Denken ablegen

Zum Rückkauf der „YG-1-Grundstücke“ sagte er, dass dort noch ein zweiter und dritter Bauabschnitt stattfinden solle. Über eine notarielle Option seien die Grundstücke an YG-1 vergeben. „Wir wollen Hensoldt am Ort behalten, ein Weggang wäre ein harter Schlag für Oberkochen“, so der Bürgermeister. Traub bat darum, „ein Schubladen-Denken“ abzulegen. Es habe sich so eingebürgert: „Gut ist der, der für die Natur ist und schlecht diejenigen, die sich um die Grundstücke bemühen.“ Die Hintergründe seien nun einmal komplex.

Zur Online-Petition der BI werde die Stadt eine ausführliche Stellungnahme abgeben. Traub bat darum, 700 Arbeitsplätze von Hensoldt nicht so einfach aufzugeben. „Sie vertreten nur Ihr ureigenstes Interesse, nämlich die Klimawende“, sagte Traub. Die Stadt wolle keinesfalls einen Scherbenhaufen hinterlassen, aber es müsse klar sein, dass Klimawandel auch finanziert werden müsse. Der sei teuer, aber Oberkochen stehe dahinter, erinnerte Traub an den Aufbau eines Nahwärmenetzes, das mit sieben bis zehn Millionen Euro zu Buche schlage.

Der BI warf Traub vor, dass diese eben nur ihr Einzelinteresse, „die Verhinderung des Gewerbegebiets ohne jeden Kompromiss“, auf der Agenda habe. Wenn Hensoldt Grundstücke brauche, dann könne dies den Gemeinderat nicht unberührt lassen, bat Traub um Verständnis. „Nicht nur Sie, auch wir wollen die Welt retten“, schloss der Bürgermeister. Lothar Schell

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