Hensoldt muss schnell bauen können

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Von den insgesamt 8,8 Hektar Fläche werden 4,6 Hektar bebaut. Massive Ausgleichsmaßnahmen sind vorgesehen.

"Oberkochen-Süd III" hat Wellen geschlagen im Königsbronner Gemeinderat. Was Oberkochener Gemeinderäte zur Aufklärung beitragen.

Oberkochen

Empörung und Unverständnis" hatte die Heidenheimer Zeitung am 19. März im Rahmen ihrer Berichterstattung aus dem Königsbronner Gemeinderat getitelt. Die Planung des neuen Gewerbegebiets "Oberkochen-Süd III" sei der Nachbargemeinde Königsbronn sauer aufgestoßen und der dortige Gemeinderat verwehre seine Zustimmung.

Das neue Gewerbegebiet mit einer Fläche von 8,8 Hektar liegt jedoch komplett auf Oberkochener Gemarkung, die Gemeinde Königsbronn hat lediglich ein Anhörungsrecht.

David Sievers (Freie Bürger Oberkochen) ist auf diese Zeitung zugekommen, "um einige Dinge ins rechte Licht zu rücken". Am Gespräch beteiligten sich auch Rainer Kaufmann (CDU) und Richard Burger (SPD).

Worum es wirklich geht

Die drei Oberkochener Gemeinderäte blicken in die Vergangenheit. Die Firma Hensoldt sei Ende 2019 an die Stadt Oberkochen herangetreten mit dem Wunsch nach einer Gewerbefläche, weil die Firma Zeiss das jetzige Domizil des Unternehmens selbst benötigt.

"Der Zeitplan ist sehr eng, innerhalb von drei Jahren bis spätestens Ende 2024 muss das neue Werk stehen", erklärte Sievers. Heißt im Klartext, dass das neue Gewerbegebiet bis spätestens 2022 bebaubar sein muss. Bürgermeister Peter Traub hatte seinen Königsbronner Amtskollegen Michael Stütz und Heidenheims OB Bernhard Ilg bereits am 10. Februar 2020 darüber informiert. Bei der Sitzung des Zweckverbands wurde noch einmal erklärt, warum das Interkommunale Gewerbegebiet Königsbronn-Oberkochen-Heidenheim (IKG) für Hensoldt nicht in Frage kommt.

IKG nicht kurzfristig angelegt

Man muss die Kirche im Dorf lassen.

David Sievers Stadtrat in Oberkochen

Auch der Geschäftsführer des Zweckverbands, Kämmerer Guido Ochs aus Heidenheim, hatte gegenüber dieser Zeitung klar geäußert: "Das IKG war von Anfang an mittelfristig und nicht kurzfristig angelegt."

Und Heidenheims OB Bernhard Ilg sagte einmal: "Das IKG ist Zeiss-Land." Somit wäre eine dortige Ansiedlung von Hensoldt eine schiere Unmöglichkeit, weil kaum mehr Entwicklungsfläche für Zeiss übrig bliebe.

"Eine Erschließung bis zur Baureife dauert dort zig Jahre", waren sich Rainer Kaufmann und Richard Burger einig. Auch müsste ein Wasserleitungs- und ein Stromversorgungsnetz aufgebaut werden. "All dies braucht Jahre, zu lange für Hensoldt", unterstrich Richard Burger, während Rainer Kaufmann auf die Notwendigkeit der Verlegung oder Verschwenkung der B 19 erinnerte, wenn das IKG für Zeiss überhaupt nutzbar werden solle.

Aufgrund der Planungs- und Abstimmungsverfahren mit dem Bund zögen daher viele Jahre ins Land, war man sich beim Pressegespräch einig. "Es geht jetzt um Planungssicherheit für Hensoldt". Andernfalls laufe man Gefahr, dass sich das Unternehmen nach Alternativen zum Standort umschaue.

Naturverbrauch gibt es überall

Zum angesprochenen Naturverbrauch betonen die Oberkochener Gemeinderäte, dass der für beide Gewerbegebiete gelte. Auch beim IKG sei Königsbronner Landschaftsschutzgebiet betroffen. Sie erwähnen auch, dass es sich bei Hensoldt um 600 Arbeitsplätze handle, die am Standort Oberkochen erhalten bleiben sollen. Darunter nicht wenige Arbeitnehmer aus der hiesigen Region.

"Wir wehren uns gegen die unsachgemäße Berichterstattung", macht Richard Burger deutlich und David Sievers fügt hinzu: "Wir wollen keine Zerstörung der nachbarschaftlichen Beziehungen." Aber die Kirche müsse man im Dorf lassen. Wenn hier im Kommentar von "Affront gegenüber dem Partner Königsbronn" die Rede sei, dann entspreche dies auch in keiner Weise den Tatsachen. Schließlich seien Belange und Interessen der Gemeinde Königsbronn durch das geplante Gewerbegebiet "Oberkochen-Süd III" nicht im Geringsten berührt.

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