Historische Zäsur beim Privatwald

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Realgenossenschaft / Im Mittelpunkt der Generalversammlung in Oberkochen stehen die einschneidenden Veränderungen bei der Betreuung des Waldes.

Oberkochen. Die Realgenossen Oberkochen haben bei ihrer Generalversammlung am Samstagnachmittag ihren Vorsitzenden Bruno Balle auf weitere sechs Jahre wiedergewählt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung im Pflug stand allerdings die zukünftige Entwicklung im Privatwald vor dem Hintergrund des Kartellverfahrens. Unter diesem Titel hat auch die Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz referiert. Die Staatssekretärin war für den angekündigten Minister Peter Hauk eingesprungen.

Der Pflug in Oberkochen ist an diesem Samstag gut besucht. Trotz des schönen Wetters sind zahlreiche Mitglieder der Realgenossenschaft gekommen, um zu erfahren wie es um ihren Wald bestellt ist und wie der Stand beim Kartellverfahren ist.

Gleich zu Beginn macht Vorsitzender Bruno Balle deutlich, dass die Waldarbeit Werte schaffe und diese bewahre. Die Realgenossenschaft als Forstbetrieb trage dazu bei. Nun solle das Forstwesen, der EU wegen und aufgrund eines Verfahrens des Bundeskartellamtes neu aufgestellt werden. Das ist das Ende des Einheitsforstamts sagt Balle. Die EU zerstöre, was lange sehr gut funktioniert habe. Der Gennoschenschaftsvorsitzende spielt mit dieser Äußerung zum Einheitsförster darauf an, dass staatliche Förster nicht nur im Staatsforst für gewisse Holzarbeiten, sondern auch in kommunalen und privaten Wäldern zuständig sind und es der privatwirtschaftlichen Konkurrenz dadurch schwer machten. Balle sichert Landwirtschaftsminister Hauk die Unterstützung der Genossenschaft zu, wenn dieser nun gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf in Revision gehe. Das OLG hat im März geurteilt, dass die langjährige Praxis von zentral zuständigen Förstern gegen europäisches Kartellrecht verstößt. Wir warten nun ab, wie es weitergeht, aber wir werden bemüht sein, dass unsere waldpolitischen und finanziellen Gegebenheiten beachtet werden, betont Balle. Die Oberkochener seien mit im Boot gegen das Kartellamt, auch wenn man mit der Blauwald AG in Ebnat inzwischen einen kompetenten Partner in der Vermarktung von Nadelholz gefunden habe.

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch räumt bei ihrem Referat ein, nicht die gleiche Kompetenz wie Minister Peter Hauk als gelernter Förster zu haben, dennoch erläutert sie die gesetzlichen Grundlagen, die unter anderem Eigentum garantieren. Anders als in Südeuropa dürfe jeder den Wald betreten, auch wenn er Privatbesitz sei. Vor diesem Hintergrund sei die künftige neue Struktur der Forstämter zu sehen.

Die Basis für die neue Struktur sei das Bundeswaldgesetz vom Januar dieses Jahres. Das lasse den Schluss zu, dass der Verkauf beginne, wenn Holz am Wegesrand abgelegt sei und nicht schon im Wald selbst. Somit seien Betreuungsdienste im Nicht-Staatswald möglich. Das ist dann keine unternehmerische Tätigkeit, so Gurr-Hirsch. Allerdings seien das dann Echtkosten für die privaten und kommunalen Waldbesitzer.

Wir stehen vor einer historischen Zäsur, sagt Friedlinde Gurr-Hirsch. Sowohl des OLG als auch das Kartellamt beurteilten den Wald wie eine Fabrik als Wirtschaftsraum. Das ist eine neoliberale Grundstimmung gegen die wir nichts machen können, urteilt sie. Jedoch gehe das Land in Revision gegen das OLG-Urteil. Das sei der einzige Weg, um der politischen Verantwortung für den Wald gerecht zu werden. Auch wenn es bis zu einem Urteil drei Jahre dauern könne. Indessen werde ein Arbeitsgemeinschaft die Forststrukturreform ausarbeiten. Fest stehe, es dürfe keine Verlierer geben. Die hohen Standards in der Bewirtschaftung müssten erhalten bleiben. Ich kann keinen Stichtag nennen, aber es muss eine Lösung geben.

Willi Grupp trägt die Jahresrechnung 2015/16 vor. Der Rechner erinnert die Mitglieder an die üppige Ausschüttung von 1000 Euro zum 150-jährigen Bestehen der Realgenossenschaft im vergangenen Jahr. Die finanziellen Aussichten seien allerdings nicht so rosig wie in den vergangenen Jahren. Noch habe man ein gute Polster, weshalb aauch fürs laufende Geschäftsjahr eine Ausschüttung von üblichen 1000 Euro geplant seien. Der Rechner nennt die Eckdaten:

Holzeinschlag: 5260 Festmeter; davon 3351 Festmeter Laubholz, 1908 Festmeter Nadelholz.

Einnahmen: 404.747 Euro und 327.815 Euro Ausgaben.

Kassenprüfer Ludwig Abele attestiert Grupp eine saubere und tadellose Kassenführung.

Oberforsträtin Gisela Landgraf informiert über die Wege der Holzverarbeitung und Revierleiter Reinhold Vogel über die Situation im Realwald.

Bruno Balle wählen die Genossen bei einer Enthaltung für weitere sechs Jahre zum Vorsitzenden - das Amt hat er bereits seit 48 Jahren inne.

Die Entlastung beantragt Albert Holz. Ulrike Schneider

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